Montag, 7. Juli 2014

In der Gewalt der Zombies (1980)

Der italienische Schmuddel-Maestro Aristide Massaccesi - auch bekannt als Joe D'Amato - sprang 1980 auf den erfolgreichen Zombie-Zug auf und produzierte mit IN DER GEWALT DER ZOMBIES (Le Notte Erotiche dei Morte Viventi) einen Film vom Bodensatz des Genres. Die Idee des Streifens, Splatter-Horror mit saftiger Erotik zu kombinieren, geht dabei mächtig in die Hose.

Der Inhalt ist deutlich an Fulcis Hit "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" (1979) angelehnt. Ein reicher Typ (Mark Shannon) will auf der sagenumwobenen 'Katzeninsel' eine Hotelanlage bauen und schippert mit Freundin und Skipper (George Eastman, der "Man-Eater" aus D'Amatos Schocker höchstpersönlich) dorthin. Die Insel ist so mysteriös, dass die Menschen auf dem Festland schon die Flucht ergreifen, wenn man nur ihren Namen ausspricht, und tatsächlich treiben sich dort - neben einer schwarzen Katze und einem geheimnisvollen Voodoo-Pärchen - jede Menge Zombies herum...

Bis die Zombies auftauchen,  wird aber erstmal jede Menge gerammelt, was das Zeug hält, und zwar ungefähr eine geschlagene Filmstunde lang. Der Originaltitel des Films lässt sich etwa mit "Die erotischen Nächte der lebenden Toten" übersetzen, allerdings sind es nicht die Zombies, die hier lüstern übereinander herfallen, sondern Hauptdarsteller Mark Shannon und diverse Nebendarstellerinnen, die ihn unter der Dusche abseifen, sich mit ihm in den Laken lümmeln oder auf Holztischen masturbieren, bis die Schwarte kracht. Leider sieht Shannon aus wie ein typischer Pornostar der 70er und ist mit seinem Proleten-Schnauzer ebenso abtörnend unsexy. Sein deutlich attraktiverer Co-Star Eastman behält hingegen beim Sex stets die Jeans an. Da war wohl noch ein letzter Rest Berufsehre übrig. Spielverderber.

Von IN DER GEWALT DER ZOMBIES existieren zwei Versionen, eine 'Zombie'-Fassung mit simuliertem Sex, sowie eine Hardcore-Variante, in welcher die Fummelei deutlich schärfer ausfällt, samt Ejakulation und oralem Verwöhn-Aroma. Die auf den Plakaten als Star aufgeführte Laura Gemser spielt im Film übrigens nur eine Nebenrolle. Sie lebt als Insel-Maskottchen mit ihrem Onkel (bei dem sich der Film nicht entscheiden kann, ob er nicht doch ihr Großvater ist) unter den Palmen und starrt gelegentlich ominös in die Nacht hinaus, bis es zur obligatorischen lesbischen Einlage am Strand kommt, welche wenigstens das Herz der heterosexuellen männlichen Zuschauer höher schlagen lassen soll. Gemser wurde in den 70ern als 'Black Emanuelle' berühmt (ach, die herrlichen 70er...) und hat als solche mehrere Softerotik-Streifen (sowie mit "Nackt unter Kannibalen" einen Vertreter des Horrorkinos) mit Joe D'Amato gedreht. Hier bekommt sie kaum nennenswerte Szenen, darf aber im letzten Akt Hauptdarsteller Shannon den Penis abbeißen und herzhaft darauf herumkauen. Guten Appetit!

Ein weiterer erotischer 'Höhepunkt' des Films ist eine Shownummer, bei der eine Tänzerin auf der Bühne eine Sektflasche auf höchst eigenwillige Weise zwischen den Schenkeln entkorkt - ein zweifelsohne toller Trick, aber man fragt sich, wo nur der Korken geblieben ist... 

Was den Horror anbelangt, der hält sich sehr in Grenzen. Ab und an marschieren ein paar Untote durchs Bild und nagen an diversen Kehlen, aber die Effekte stammen aus der untersten Schublade mit der Aufschrift 'billig'. Lediglich im Finale kann D'Amato dann doch noch mit ein paar gelungenen Momenten punkten, wenn die Zombies endlich in Grüppchen auftauchen, aus dem Wasser steigen und über die Insel schlurfen. Die Langsamkeit der lebenden Toten erinnert angenehm an Ossorios "Die Nacht der reitenden Leichen" (1971), und die Musik von Marcello Giambini sorgt zumindest für ein bisschen Klasse und Atmosphäre. Der Film endet mit einer ganz witzigen Pointe, aber das war's dann auch schon.

Joe D'Amato, der neben dem Spanier Jess Franco vielleicht exemplarischste Exploitation-Regisseur der Filmgeschichte, hat in seiner Karriere an die 200 offizielle Filme gedreht, und wer weiß, wie viele noch unter anderem Namen. Von Pornos über Horror bis zu Historienschinken hat er alles verfilmt, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Schade, das er sein durchaus vorhandenes Talent viel zu oft verschleuderte. An guten Tagen gelingen ihm durchaus starke Horror-Momente (wie in "Man-Eater" oder seinem wohl besten Genrefilm "Sado - Stoß das Tor zu Hölle auf").

IN DER GEWALT DER ZOMBIES aber ist von vorne bis hinten todlangweiliger Trash, der eher zum Einschlafen als zum Mitfiebern einlädt. Überhaupt ist die Mixtur aus Sex und Gewalt eine merkwürdige Idee, sollen doch die erotischen Einlagen den Zuschauer erregen, die Zombie-Angriffe ihn aber gleichzeitig anekeln. Der Gedanke dahinter, dass jeder was für sein Geld bekommt, ist nachvollziehbar, tatsächlich aber bekommt stattdessen keiner so richtig was.
Immerhin konnten seinerzeit - als es noch keine Videotheken gab - Opas mit Hut und Regenmantel, sowie deren pubertierende Enkel, unter dem Vorwand, sich den neuesten Horrorstreifen reinzuziehen, ins örtliche Bahnhofskino latschen, um dort feixend ein paar ordentliche Hardcore-Momente zu erhaschen. Ist doch auch was.

Zuletzt sei erwähnt, dass auch IN DER GEWALT DER ZOMBIES seine Fans hat, die den Film lieben. Und deswegen ist es so wunderbar, ein Horror-Fan zu sein. In diesem Genre findet jedes Töpfchen sein Deckelchen, und  sei es noch so verranzt und unansehnlich.

03/10

Kommentare:

  1. Für D'Amato und vor allem für Laura Gemser Fans sowieso Pflichtprogramm.
    Meine Bewertung: 6 von 10 zweckentfremdeten, weil abgebissenen … Ihr wisst schon was!

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  2. Ich stelle mir gerade vor, wie wohl ein D'Amato-Fan alle Filme seines bewunderten Regisseurs sichten muss - wird ein langer Abend... :-)) Lieben Gruß von Mathias

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