Mittwoch, 4. Juni 2014

Das Haus der Verfluchten (1985)

Wer noch seine alte Ufa-Videokassette im Regal stehen hat, der kann diese nun getrost entsorgen, falls er nicht aus sentimentalen Gründen daran hängt, denn DAS HAUS DER VERFLUCHTEN (7 Hyden Park, Formula for a Murder, La Casa Maledetta) ist nun ENDLICH in guter Qualität und vor allem ungeschnitten auf DVD/Blu-Ray erhältlich! Wenn das mal keine gute Nachricht ist.
Ehrlich gesagt habe ich so lange auf eine Uncut-Fassung gewartet, dass mir der Film in deutlich besserer Erinnerung war, denn so doll ist er leider nicht. Macht aber nichts, es ist trotzdem schön, diesen kleinen Spät-Giallo nach vielen Jahren wieder zu genießen.

"David Warbeck Goes Beserk!" ruft das englische DVD-Cover, und genau darum geht es. David Warbeck, alter Bekannter aus vielen Genre-Streifen inklusive einiger Fulcis ("The Beyond", "The Black Cat") spielt hier einen scheinbar freundlichen und harmlosen Sportlehrer, der sich an die Millionenerbin Joanna (Christina Nagy) heranmacht. Joanna ist an den Rollstuhl gefesselt, seit sie als Kind von einem psychopathischen Priester vergewaltigt wurde (vermutlich wusste man damals noch nicht, dass man als Minderjährige/r lieber die Beine in die Hand nehmen und um sein Leben rennen sollte, wenn einem ein katholischer Priester über den Weg läuft). Gleichzeitig werden mehrere Menschen in Joannas Umgebung per Rasiermesser und Spaten abgemurkst. Könnte es sein, dass unser David dahintersteckt, weil er an Joannas Geld rankommen will? Oder spielt Joannas beste Freundin (Carroll Blumenberg) ein doppeltes Spiel? Wird sich Joannas Talent, mit Pfeil und Bogen umzugehen, im mörderischen Finale womöglich auszahlen?

DAS HAUS DER VERFLUCHTEN ist ein Giallo aus einer Zeit, als der Giallo schon durch war, und streng genommen handelt es sich hier nicht einmal um einen Vertreter unseres geliebten Italo-Genres. Zwar ist der Schocker mit einigen der typischen Details angereichert und kann mit blutigen Morden aufwarten, die so ziemlich den einzigen Schauwert darstellen, aber im Grunde haben wir es mit einer Mischung aus "Die Teuflischen" (1956) und "Ein Toter spielt Klavier" (1961) zu tun (ich entschuldige mich in aller Form bei den Herren Clouzot und Holt, die bestimmt nicht mit diesem Film in einen Topf geworfen werden wollen).
Statt psycho-sexueller Störung geht es dem Täter hier lediglich ums schnöde Geld, und dafür soll die liebe Joanna in den Tod getrieben werden, denn wie sagt doch Joannas Arzt mit knallharter Miene (sinngemäß): "Wenn sie sich an den Vorfall aus ihrer Kindheit erinnert, wird der Schock sie sofort töten!" Gut, dass der Mann studiert hat, sonst könnte man das vielleicht als reine Spekulation abtun, aber wer sich so sicher ist, der kann sich ja nicht irren.

Na, jedenfalls klappt der Plan nicht so ganz, obwohl ständig ein als Priester verkleideter Irrer auftaucht und Joanna eine blutige Puppe vor die Nase hält, die offenbar noch aus Hitchcocks "Die rote Lola" (1951) übrig geblieben ist. Dazu erklingt jedes Mal ein bizarres Kinderlied, dessen Text ich aufgrund der Stimmenverfremdung bis heute nicht verstanden habe - irgendwas mit Leichen und aufgeschlitzten Bäuchen. Ist auch egal.
Überraschenderweise wird der Täter bereits nach 30 Minuten enthüllt, damit sich ein psychologisches Katz- und Mausspiel entwickelt, doch leider schafft es Regisseur Alberto de Martino nicht, ein solches zu inszenieren, weil die Geschichte zu fade bleibt. Der Inhalt des Films ist geradezu erschreckend simpel - Warbeck und Nagy versichern sich ihrer Liebe, turteln durch Gärten und New York, und dazwischen wird der eine oder andere Priester dahingemetzelt. Nicht sonderlich aufregend, das Ganze. Im Finale kann sich Nagy dann gegen ihren Angreifer wehren, doch der - hätten Sie's geahnt? - taucht in schöner Michael Myers-Regelmäßigkeit immer wieder auf, um nach Joanna zu grapschen, bis er endgültig zur Hölle geschickt wird.

Spannend ist das alles nicht sonderlich, und auch filmisch bleiben viele Wünsche offen. Bis auf ein paar verzerrte Optiken ist DAS HAUS DER VERFLUCHTEN trotz des Cinemascope-Formats uninspiriert fotografiert. Lediglich ein wuchtiger Fenstersturz gegen Ende kann da für etwas Begeisterung sorgen. Dazu mixt Filmkomponist Francesco de Masi gelangweilt verschiedene Motive aus den Scores zu "Samen des Bösen" (1981) und seinem eigenen "Der New York Ripper" (1982) zusammen, was insofern passend ist, da eine zentrale Szene auf der New Yorker Staten-Island-Fähre spielt, auf der in Fulcis Klassiker schon ein junges Mädel blutig zu Tode kam. Um den Film als amerikanische Produktion auszugeben, müssen übrigens die Italiener im Vorspann falsche Namen annehmen (Alberto de Martino heißt hier Martin Herbert).

DAS HAUS DER VERFLUCHTEN ist insgesamt leidlich unterhaltsam, wenn man gar nichts erwartet und geht als Trash noch am besten durch. Dafür sorgen das Overacting von Warbeck im besten Jack Nichsolson-Modus, sowie einige haarsträubende Dialoge - etwa, wenn Warbeck den bereits erwähnten seriösen Doktor, der ihm soeben von Joannas schwerem Kindheitstrauma erzählt hat, ungrührt fragt, ob seine Patientin wohl den Geschlechtsverkehr mit ihm überleben würde oder gleich einen Herzinfarkt bekäme - wahrscheinlich, weil er so ein toller Hengst ist und mit seiner Manneskraft schon mehrere Damen dahingerafft hat.

Wer so lange auf eine gute Veröffentlichung des Films gewartet hat wie ich, der sollte mit der aktuellen DVD/Blu-Ray-Ausgabe jedenfalls bestens bedient sein, auch wenn der Film (wie so oft) nicht halten kann, was die sentimentale Erinnerung verspricht. 


05/10



Kommentare:

  1. Hallo Mathias!

    Im Moment gibt es auf dem Mediabook-Sektor jede Menge guter 70er und 80er Jahre Filmveröffentlichungen. Wäre schön, wenn Du uns monatlich einen Tip geben könntest, was Deiner Meinung nach ins private Filmregal gehört.

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  2. Eine hübsche Idee, aber ich möchte mir doch lieber nicht anmaßen, wie die Filmregale der Horror-Fans bestückt werden müssen. :-) Ich weise aber gern auf gute Veröffentlichungen hin, wenn mir welche unterkommen. Gerade auf dem Blu-Ray-Sektor gibt es in der Tat einige sehr gute Veröffentlichungen von Filmen, die lange nur in mieser Qualität zu haben waren. Mein aktueller Tipp wäre übrigens "Der unheimliche Gast", ein wundervoller alter Klassiker, der jüngst endlich bei uns veröffentlicht wurde. Und "Ein Mann sieht rot" ist seit gestern auf Blu-Ray zu haben, der wird bald von mir rezensiert (lange überfällig). Schöne Pfingsten!

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