Montag, 26. Mai 2014

Counter Investigation (2007)

Das Cover täuscht. Bei COUNTER INVESTIGATION - KEIN MORD BLEIBT UNGESÜHNT (Contre-Enquête) handelt es sich nicht um einen Gangsterfilm oder Action-Kracher, sondern um einen französischen Krimi mit Noir-Anleihen, der deutlich leiser daherkommt als man annehmen würde. Die Hauptrolle in diesem spannenden Kriminaldrama spielt Jean Dujardin, der zu den größten Stars des französischen Kinos gehört und von Hollywood einen Oscar für "The Artist" (2011) erhielt.

Worum geht es? Während der Cop Richard (Dujardin) zu einem Drogenfall ins Revier gerufen wird, vergewaltigt und ermordet ein Unbekannter Richards kleine Tochter Emilie. Hauptverdächtiger ist Daniel Eckmann (Laurent Lucas), der von Zeugen identifiziert wurde und ein Geständnis ablegt. Obwohl er das Geständnis widerruft, wandert Eckmann in den Knast. Von dort aus bittet er Richard um Hilfe und beteuert seine Unschuld. Richard, der kaum über den Verlust des Kindes hinwegkommen kann, steckt nun in einem furchtbaren Dilemma - sollte Eckmann tatsächlich unschuldig sein, läuft der wahre Täter immer noch frei herum. Oder aber ist Eckmann doch der Scnhuldige und treibt ein hinterhältiges Spiel? Richard rollt den Fall gegen den Willen von Kollegen und Ehefrau noch einmal auf...

Autor/Regisseur Franck Mancuso kann zwar in der Inszenierung von COUNTER INVESTIGATION nicht unbedingt eine eigene Handschrift vorweisen, dafür ist aber sein Drehbuch erstklassig. Der Film besticht durch zügiges Erzähltempo sowie originellen Wendungen, und er stürzt seine Hauptfigur - glänzend verkörpert vom immer attraktiven Jean Dujardin - in zahllose Konflikte, die sich aus der schrecklichen Tat und den Folgenfür ihn ergeben. Dabei wird der melodramatische Anteil (der Verlust des Kindes, Probleme in der Ehe, Schuldgefühle, etc.) angenehm in den Hintergrund gerückt, um stattdessen dem Whodunit mehr Raum zu geben, und die Frage "War er es oder war er es nicht?" wird hochspannend erzählt. Der Krimi schließt dann mit einem unvorhersehbaren (und höchst unkorrekten Finale), nach dem man die vorangegangenen Ereignisse noch einmal aus neuer Perspektive betrachten muss und Lust bekommt, sich den Film gleich noch einmal anzusehen.

COUNTER INVESTIGATION beweist (wieder einmal), dass es für einen guten Thriller weder ständige Sensationen noch Special Effects braucht, und dass ein gutes Buch auch einige Klischees verträgt, wenn die Geschichte fesselt und die Charaktere glaubwürdig entwickelt werden. Jean Dujardin trägt den Film mühelos, und ein Blick aus seinen traurigen Augen sagt viel mehr als Worte. Die Zurückhaltung, die von allen Beteiligten an den Tag gelegt wird, zahlt sich hervorragend aus. Mancusos Film ist angenehm altmodisch geraten und braucht sich vor großen französischen Vorbildern des Polizeifilms nicht zu verstecken. Von mir gibt's eine klare Empfehlung.

8.5/10

Ein Cop am Rande des Nervenzusammenbruchs - 
Jean Dujardin in "Counter Investigation"



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