Freitag, 18. April 2014

The Call - Leg nicht auf! (2013)

Da hätte ich doch geschworen, Larry Cohen sei für das Drehbuch verantwortlich, stammen doch die letzten Telefon-Thriller "Nicht auflegen" (2002) und "Final Call" (2004) aus der Feder des B-Film-Spezialisten.
THE CALL - LEG NICHT AUF! (The Call) hat sich aber zur Abwechslung mal nicht Cohen, sondern Autor Richard D'Ovidio ausgedacht, der Genrefans noch in unangenehmer Erinnerung ist, denn sein letztes Buch entstand 10 Jahre zuvor, und zwar für das öde William Castle-Remake "13 Ghosts". THE CALL schneidet deutlich besser ab, was vor allem daran liegt, das sich D'Ovidio hier ungeniert bei besseren Filmen (wie den oben erwähnten) bedient und Regisseur Brad Anderson einen nicht gerade wahnsinnig originellen, aber durchaus spannenden Thriller hinlegt.

Halle Berry spielt in THE CALL die Mitarbeiterin des Polizei-Notrufs, die nach einem tragischen Zwischenfall (ach ja, die Traumata!) ihren Beruf mehr oder weniger an den Nagel gehängt hat und seitdem nur noch als Einweiserin für Neuzugänge arbeitet, dann aber doch wieder einen Anruf entgegennehmen muss. Eine junge Frau wurde von einem Psychopathen entführt und ruft aus dem Kofferraum seines Autos an, mit dem er über den Freeway brettert. Um das Opfer aufzuspüren, darf die Telefonverbindung zwischen den Frauen keinesfalls abbrechen, und während ihr die Zeit davonläuft, setzt unsere Halle Berry alles daran, diesmal alles richtig zu machen...

Brad Anderson startet seinen Film mit einem Flugshot über Straßenschluchten, was so ziemlich der konventionellste und unoriginellste Anfang ist, den man sich vorstellen kann. Glücklicherweise erzählt er seine Story im Anschluss aber so rasant, dass man nicht viel Zeit zum Nachdenken über die vielen geklauten Ideen bekommt. Man hat zwar das Gefühl, alles schon einmal irgendwo gesehen zu haben, aber Kamera, Soundtrack und der furiose Schnitt sorgen für jede Menge Tempo, Action und eine gute Portion Suspense.

Halle Berry spielt ihre Rolle angemessen, die Tatsache, dass sie mal einen Oscar gewonnen hat, merkt man ihrer Darstellung aber nicht an. Außerdem hätte ich an ihrer Stelle meinen Haarstylisten für diesen fürchterlichen Afro-Wischmop verklagt. Und wenn der Hollywood-Mainstream endlich mal aus den vorgefertigten Schablonen ausbrechen könnte, dann hätten wir vielleicht nicht zum x-ten Mal eine Heldin, die über ein schreckliches Erlebnis in der Vergangenheit hinwegkommen und über sich hinauswachsen muss. Was wäre denn so furchtbar daran, wenn sie als Telefonistin einfach nur ihren Job gut machen würde? Nein, stattdessen muss sie ständig mit Pipi im Auge und gebrochener Stimme auf das Entführungsopfer einreden, das ebenfalls ununterbrochen heult und kreischt. Weniger aufgesetzte Emotionalität und mehr Mut in der Zeichnung tougher Frauen, die zusammen gegen einen psychopathischen Gegner antreten, hätten mir besser gefallen.

Sehr gelungen sind hingegen die Einfälle, mit denen das Drehbuch das Hauptproblem löst, nämlich diese im Grunde simple Geschichte, die alleine nicht einen ganzen Spielfilm trägt,mit zahlreichen Wendungen aufzupeppen. Die sind dann manchmal absurd und Over the Top, halten den Thriller aber am Laufen und sorgen für ein paar abgeknabberte Nägel. Lediglich der letzte Akt enttäuscht, wenn Halle Berry sich ohne Not und Verstärkung in die Höhle des Löwen schleicht, das Entführungsopfer selbst befreien und den Täter in dessen Folterkammer zur Strecke bringen muss. Das hat man wirklich schon zu oft gesehen und bedient lediglich Horrorfilm-Klischees.
THE CALL spielt danach zwar kurz mit der Idee einer sehr unkorrekten Auflösung, lässt diese dann aber gleich wieder aus Angst vor der eigenen Courage fallen, damit kein Oberschlauberger im Publikum sagen kann: "Polizisten müssen sich aber immer ans Gesetz halten, das geht so nicht!"

Unterm Strich bleiben 90 Minuten gute Unterhaltung mit wenigen Abstrichen - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Da ich Null Erwartungen hatte und ein Fan von Filmen bin, die im Grunde nur aus einer einzigen Grundsituation bestehen, welche konsequent durchgespielt wird (à la "Speed" oder eben auch "Final Call"), hat THE CALL bei mir offene Türen eingerannt. Außerdem ist das Osterwetter so schön, da will ich nicht meckern. Gutes Popcorn-Kino für zwischendurch. Punkt.

08/10


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