Freitag, 4. April 2014

Embryo - Die Brut des Bösen (1976)

Im Leben jedes Hollywood-Stars kommt der Tag, an dem er (oder sie) in einem Horrorfilm mitwirkt (oder mitwirken muss). Manche bringen es früh in der Karriere hinter sich, wenn sie noch kein Schwein kennt (Tom Hanks in "Panische Angst" oder Kevin Bacon in "Freitag der 13."), andere entscheiden sich gegen Ende der Filmkarriere dazu, wenn die großen Angebote ausbleiben. So geschehen auch bei Rock Hudson, der in den 60ern zu den umschwärmten Sex-Symbolen der Traumfabrik gehörte, sich aber in den 70ern mit Werken zufrieden geben musste, die nicht mehr dem Premium-Standard entsprachen. Deshalb entdeckt man ihn (wenn man danach sucht) in Schock-Trash wie diesem - EMBRYO (Embryo).

In EMBRYO spielt Hudson einen Wissenschaftler, der eine Methode entwickelt, Embryos in nur wenigen Tagen zu einem erwachsenen Menschen heranreifen zu lassen. Sein künstliches Geschöpf ist eine schöne Frau (Barbara Carrera), doch irgendwie verhält sie sich trotz gesteigerter Intelligenz extrem bösartig. Als Hudson dann auch noch ihren Reizen verfällt und sie schwängert (jetzt alle gemeinsam: bääääähhhhh), altert sie jedoch rapide und versucht alles, den drohenden Verfall aufzuhalten - wenn's sein muss, auch mit Mord und Totschlag...

Ja, die gute alte Mary Shelley hätte (vermutlich nicht) ihre Freude an dieser modernen Frankenstein-Adaption, die - typisch für die ökologisch und gesellschaftlich bewussten 70er - vor den Gefahren der Wissenschaft warnt. Das Klonen sollte auch bald für den Horrorfilm entdeckt werden. Rock Hudson ist hier der klassische Mad Scientist, der eine eigene Kreatur und Gespielin erschafft, dann aber die Geister, die er rief, nicht mehr los wird.

EMBRYO ist ein sehr düsterer, kalter Film, der irgendwie nie so richtig Spaß macht, was schade ist, weil er ein so hohes Trash-Potential besitzt. Dafür ist er sich aber trotz aller Absurditäten des Plots zu schade, so dass er zwischen allen Stühlen landet. Ernst nehmen kann man ihn nicht, er ist aber auch nicht so schlecht, dass er schon wieder Freude macht. Man könnte ihn noch am ehesten mit Filmen wie "Des Teufels Saat" (1977) vergleichen, der sich trotz Sex-Szenen zwischen Mensch und Maschine konsequent weigert, wirklich sleazy zu werden. So ähnlich verhält es sich auch hier. Wer aber davon träumt, sich eine eigene Barbara Carrera für Zuhause zu basteln (und haben wir das in unserer Jugend nicht alle getan?), der liegt hier schon ganz richtig.

Barbara Carrera spielt ihr Frankenstein'sches Geschöpf mit zwar wenig Ausdruck, kann aber schön fies aus der Wäsche schauen (was ihr später als Bond-Gegenspielerin in "Sag niemals nie" sehr zugute kam), und man fragt sich, wie wohl Hudson ihren exotischen Akzent in den Embryo eingepflanzt haben mag. Hudson selbst wirkt müde und etwas ausgezehrt, bemüht sich aber - wie immer - um eine seriöse Darstellung. Hudson war ja immer ein Schauspieler der zurückgenommenen Töne. Das Overacting erledigt für ihn der immer verlässliche Roddy McDowall in einer Nebenrolle als Schach-Profi, der von Carrera kalt lächelnd beim Spiel geschlagen wird und gleich darauf die Fassung verliert. Weitere bekannte Gesichter sind Diane Ladd ("Wild at Heart", 1991) als treue Laborassistentin Hudsons, sowie Anne Schedeen - richtig, das ist die Mutti aus ALF, und die hat ja Erfahrung mit merkwürdigen Geschöpfen, die nicht von dieser Welt sind.

Regisseur Ralph Nelson kriegt leider - anders als der Embryo - kein ordentliches Tempo hin, so dass sich der Film seinem makaberen Finale etwas entgegenschnarcht. Der Showdown hat es allerdings in sich und ist für Hollywood-Verhältnisse (immerhin ist dies kein Hinterhof-Schmuddelfilm, sondern eine hochkarätig besetzte Produktion) ziemlich shocking und abstoßend geraten. Man sieht halt nicht jeden Tag Hollywood-Stars, die sich an menschlichen Föten vergreifen. Das hätte man doch eher einem Joe D'Amato zugetraut.

Fazit: Noch ein Film aus der "kann man, muss man aber nicht"-Ecke. Wer Kuriositäten mag oder Hudsons nackten Hintern sehen will, kann einen Blick riskieren (kleiner Tipp: einfach mal bei YouTube schauen), wer aber Lust auf verrückte Wissenschaftler und in die Hose gegangene Experimente hat, der sollte lieber gleich zu Cronenbergs "Fliege" greifen und ist damit deutlich besser bedient.

05/10

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