Mittwoch, 26. März 2014

Fremde Bettgesellen (1964)

Wer bei der Paarung Rock Hudson/Gina Lollobrigida einen zweiten "Happy-End im September" (1961) erwartet, der wird leider mit FREMDE BETTGESELLEN (Strange Bedfellows) enttäuscht werden, denn mit der sommerlichen Leichtigkeit ihrer ersten Filmbegegnung kann dieser Nachfolger nicht mithalten. Bei Zuschauern und Kritik schnitt diese neue Variante auch nicht sonderlich gut ab. Für ein paar gute Gags und wohlfühlige Hollywood-Plüschigkeit mit zwei attraktiven Stars reicht es aber immer noch, und das ist ja nicht wenig.

Der Plot: Rock Hudson verliebt sich als steifer Amerikaner im schönen London in die heißblütige Künstlerin Lollobrigida und heiratet sie spontan. Kurz darauf beginnen die Probleme, es folgt kaputtes Geschirr, Geschrei und eine böse Trennung. Heute, fünf Jahre danach und einen Tag vor der Unterzeichnung der Scheidungspapiere, sehen sie sich wieder, und erneut sprühen die Sex-Funken. Doch auch der Streit geht wieder von vorne los. Nun muss Hudson aber zwecks beruflichen Aufstiegs in seiner konservativen Firma dringend eine funktionierende Ehe vorweisen. Die Gattin aber plant gerade einen politischen Protestakt und will - als Lady Godiva verkleidet - nackt durch London reiten...

Man merkt schon, diesen merkwürdigen Inhalt kann man nicht schnell erzählen, und er kommt auch selten auf den Punkt, weil er aus zu vielen Elementen besteht, die einzeln wahrscheinlich eine schöne Komödie abgegeben hätten, die sich in der verwickelten Ansammlung aber gegenseitig im Weg stehen. Der Film hätte auch viel Gelegenheit, böse Spitzen gegen Amerikaner, Europäer und verschiedende Weltanschauungen zu schießen, leider aber sind die Figuren allesamt cartoonhafte Abziehbilder. Hudson ist als Amerikaner bemüht charmant, ungelenk und prüde, Lollobrigida hingegen muss als Italo-Vulkan und 'Bohemian' natürlich unentwegt zetern, Teller werfen und lauter 'verrückte Sachen' anstellen. Würde man den Film ernst nehmen, wäre sie ganz klar eine Geisteskranke und gehörte dringend in Therapie, so aber ist sie eben 'nur' eine Italienerin - oder das, was man sich in Hollywood unter einer Italienierin vorstellt.

Überhaupt zeichnet FREMDE BETTGESELLEN ein bizarres Bild von Künstlern und politischen Aktivisten, wie man es auch schon aus ähnlich konfektionierter Hollywood-Ware dieser Zeit ("Ein süßer Fratz" fällt da als schlimmes Beispiel ein) kennt. Diese Freigeister sind darin allesamt grundsätzlich bescheuert, jeder 'vernünftigen Argumentation' gegenüber blind und taub, verkommen und/oder sie verfolgen heimlich ganz andere Ziele - wie Lollobrigidas Freund (Edward Judd), der sich als ideologischer Weltverbesserer gibt, in Wahrheit aber nur mit der Südländerin in die Kiste und den Widersacher loswerden will. Diese Haltung des Films zeigt nur deutlich das bemooste und konservative Weltbild Hollywoods, und wie weit entfernt man davon war, die Jugend als Zielgruppe ansprechen zu wollen, geschweige denn, sie ernst zu nehmen. Kein Wunder, dass dieses System bald zusammenbrechen sollte (heute ist es in leicht abgewandelter Form zurück), weil sich junge Zuschauer nicht mehr vom Mainstream als blöde Witzfiguren denunzieren lassen und berechtigten gesellschaftlichen Protest nicht als unqualifizierten Vandalismus dargestellt sehen wollten.

Aber zurück zum Film, denn der hat auch seine guten Seiten. Die Chemie zwischen Hudson und Lollobrigida stimmt, und besonders ihre erstes Aufeinandertreffen beim Scheidungsanwalt - wo die alte Leidenschaft füreinander spontan neu ausbricht - ist mit Großaufnahmen bebender Lippen und verführerischer Augenaufschläge gut in Szene gesetzt. Es gibt auch ein paar gelungene Slapstick-Einlagen, und der beste Einfall besteht darin, dass Hudson sich im Lauf der Handlung mehrfach bei Lollobrigida entschuldigen muss, während beide in verschiedenen Taxis sitzen und die Taxifahrer jeweils die Versöhnung per Funk 'moderieren' müssen.

Die Besetzung der Nebendarsteller ist ebenfalls sehenswert. Gig Young übernimmt hier den typischen Tony Randall-Part aus den Hudson/Doris Day-Komödien und spielt den skurrilen Assistenten Hudsons. In seiner besten Szene (der besten des Films) versucht er, Lollobrigida von ihren Protest-Plänen abzubringen, indem er ihr einen angeblich lebensgefährlichen Auslands-Auftrag von Hudson vorgaukelt, bei dem sie unbedingt an seiner Seite sein muss - nur, damit sie nicht nackig durch London reitet, während Hudsons Chef in der Stadt ist.

Edward Judd spielt den Konkurrenten um die Gunst Lollobrigidas mit Sarkasmus und Selbstironie und wirkt dabei so attraktiv, dass er Hudson mehrfach überlegen ist und man ihn durchaus als Partner der Lollobrigida akzeptieren würde, wenn der Film ihn nicht ganz schnell als Dreckskerl abstempelte. Nach einer komödiantischen Verwicklung übrigens landen er und Hudson gemeinsam im Bett (sie sind die eigentlichen 'fremden Bettgesellen' des Films), und man fragt sich immer wieder, ob solche Anspielungen bewusst von den Autoren eingebaut wurden, um sich über Hudsons geheim gehaltene Homosexualität lustig zu machen, oder ob sie als beliebtes Boulevard-Element erst aus heutiger Sicht eine doppelte Bedeutung bekommen.

Wie auch immer, FREMDE BETTGESELLEN wäre sicherlich spannender, wenn sich zwischen den beiden mehr abgespielt hätte als harmlose Zickereien. So bleibt der Film ein unterhaltsames, gelegentlich witziges Star-Vehikel, das aber zu schwerfällig daherkommt, zu viele Klischees bedient und an den Esprit der Hudson/Day-Klassiker nie heranreicht. Ein Film für verregnete Sonntage - nicht nur, weil er im nebligen London spielt.

6.5/10

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