Dienstag, 4. Februar 2014

The Conjuring - Die Heimsuchung (2013)

Im neu erworbenen Haus der Familie Perron spukt es gewaltig, weswegen sich das Dämonologen-Ehepaar Warren (Patrick Wilson und Vera Farmiga) aufmacht, das Gemäuer vom Bösen zu befreien. Neben Poltergeistern und Dämonen müssen sie dann noch an der Hausherrin (Lilli Taylor) einen Exorzismus durchführen - eine harte Arbeitswoche für die Geisterjäger...

Der Spukhaus-Film gehört zu meinen liebsten Horror-Subgenres, vermutlich, weil ich mich als Kind oft nachts im Haus gefürchtet habe. Man muss aber auch sagen, dass es lange keinen wirklich gelungenen Vertreter dieser Filmgattung mehr gegeben hat, weil doch so ziemlich alles gesagt wurde, was man über knarrende Türen und wehende Vorhänge erzählen kann.

THE CONJURING (The Conjuring) macht da keine Ausnahme. Der Film wirkt wie ein 'Best of' des Geisterhaus-Films, mischt sämtliche Zutaten aus "The Amityville Horror" (1979) mit "Poltergeist" (1982) und baut in schöner Reihenfolge alles ein, was irgendwie dazugehört, fügt aber nichts Neues hinzu. Da er zu seiner Geistergeschichte auch noch einen Exorzismus erzählt, könnte man ihn am besten als Remake von "Amityville Horror 2" (1982) bezeichnen, der auch schon alles in den Horror-Suppentopf warf, was gerade angesagt war. THE CONJURING beruht (angeblich) auf wahren Begebenheiten - ein Zusatz, der schon "The Amityville Horror" zu großem Kassenerfolg verhalf. Den Wahrheitsgehalt darf man bezweifeln, allerdings gab es das von Wilson und Farmiga gespielte Ehepaar Warren tatsächlich.

Formal ist THE CONJURING nichts vorzuwerfen. Er ist sehr hübsch in gedeckten Farben gefilmt, das zunächst gemächliche Tempo sorgt dafür, dass die Spannung gut aufgebaut wird und die wohldosierten Schocks stimmen (ganz besonders zwei Hände, die aus dem Kleiderschrank hervorschnellen, sind extrem wirkungsvoll), die 70er-Ausstattung ist angenehm zurückhaltend, und die Besetzung mit Patrick Wilson und Lilli Taylor in wichtigen Hauptrollen kann sich ebenfalls sehen lassen. Lilli Taylor hat ja schon einige (schlechte) Erfahrungen in dem Subgenre, durfte/musste sie doch in Jan de Bonts grässlichem "Haunting"-Remake mitwirken ('mitspielen' wäre zu viel gesagt).

Da schneidet THE CONJURING im Vergleich besser ab, kann aber auf der anderen Seite mit wirklich originellen Spukhaus-Filmen wie "Das Waisenhaus" (2007) nicht mithalten, dazu ist alles zu sehr nochmal aufgebrühter kalter Kaffee. Der Familienhund, der nicht ins Haus möchte, weil er das Böse spürt, Geheimgänge hinter Wänden, unsichtbare Spielgefährten der Kinder, böse dreinglotzende Puppen, hüpfende Bälle aus dem Nichts (offenbar übrig geblieben aus "Das Grauen"), fliegende Möbel und die immer gern genommenen Uhren, die zur selben Zeit stehen bleiben, ja, das hatten wir alles schon mehrfach. Dazu bleiben die Charaktere weitgehend farblos, auch wenn sie auf realen Vorbildern basieren. Die beiden Geisterjäger haben natürlich auch mit einem privaten Trauma zu kämpfen, und wenn im Finale die sensible Exorzisten-Mutti Farmiga die von Dämonen besessene Lilli Taylor vom Bösen befreit, indem sie diese an ein Familienwochenende am Strand erinnert, wo alle noch glücklich waren (nach dem Motto: gegen Dämonen helfen nur die Werte der heilen amerikanischen Mittelklasse-Familie), dann sind wir wieder auf bekanntem Hollywood-Kitsch-Terrain, bei dem mir ganz schnell die Füße einschlafen.

THE CONJURING ist ein Film der Sorte 'kann man sehen, muss man aber nicht'. Die überwiegend jubelnden Kritiken kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Hier gibt es nichts zu sehen, was nicht zuvor schon x-mal verwurstet wurde. Wie schön, dass Warner Brothers bereits angekündigt haben, aus THE CONJURING ein Franchise zu basteln (mit Wilson und Farmiga als Geisterjäger auf Abruf in neuen, spannenden Abenteuern) und dazu noch die Geschichte der Puppe Annabelle, die zu Beginn von THE CONJURING eine gruslige Rolle spielt, zu einem eigenen Film auszubauen. Da hört man doch schon die Kassen klingeln, und das ist (leider) heute die Hauptsache.

6.5/10

Kommentare:

  1. Ich kann mich dem nur vollinhaltlich anschließen, die anfänglichen Spukeinlagen erfüllen ihren Zweck und konnten auch mich als "Horror-Profi" beeindrucken, aber irgendwann wurde es dann einfach zu viel. Es hat eigentlich nur noch gefehlt. dass eines der Mädchen die Hexe mit "Mama" anspricht, dass sich Annabelle Chucky zum Nachmittags-Tee einlädt oder jemand mit Zurhilfenahme eines Seils aus der Zwischenwelt gezogen wird.

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  2. Und die kleine dicke Tangina fehlte auch. :-) Ja, der "Poltergeist" hatte zumindest noch den schön schrägen Humor, der diesem Film leider auch komplett abgeht. Danke für den Beitrag! Gruß von Mathias

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  3. Hm, jetzt sehe ich gerade, dass ich "mit Zu(r)hilfenahme" statt "unter ..." geschrieben habe, sehr peinlich. Und eigentlich wollte ich Tangina erwähnen, mir ist nur leider der Name
    momentan nicht eingefallen. Wobei ich Poltergeist erst unlängst wieder einmal gesehen habe und das Gefühl hatte, dass er über die Jahre stark verloren hat, er kam mir irgendwie
    unausgegoren vor, ein recht seltsamer Genre-Mix aus "Haunted House" und Familien-"Dramödie", was aber wohl auch typisch 80er ist.

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  4. Stimmt schon, der ist nicht gerade ausbalanciert in Themen und Effekten, aber ich mag den schon aus sentimentalen Gründen und weil er so hübsch satirisch ist.

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  5. Was mir an "Conjuring" gut geifel war der 70er Look. Allerdings kam wenig Spannung auf, da war der "Poltergeist" schon von einem anderen Kaliber.

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