Sonntag, 9. Februar 2014

Taking Lives (2004)

Hier haben wir es mit einem etwas verspäteten Serienkiller-Thriller zu tun, der gern auf der "Se7en"-Welle mitschwimmen möchte, welche aber 2004 bereits durch zu viele (unter-)durchschnittliche Nachahmer abgeklungen war. TAKING LIVES (Taking Lives) ist eine US-kanadische Co-Produktion, weswegen der Film mit einigen interessanten französischen Stars aufwarten kann, aber inhaltlich gibt es eher das Altbekannte.

Angelina Jolie spielt in TAKING LIVES eine Top-Profilerin, die nach Montreal reist, um der dortigen Polizei bei der Aufklärung eines Verbrechens zu helfen, was den hiesigen Ermittlern (Olivier Martinez, Jean-Hugues Anglade) gar nicht ins Konzept passt. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei dem gesuchten Killer um einen Serientäter handelt, der stets die Identität seiner Opfer annimmt. Die Frage ist nur - handelt es sich bei dem Augenzeugen des letzten Mordes (Ethan Hawke) um den unbekannten Mörder oder um dessen nächstes Opfer? Und ist es eine gute Idee, wenn Angelina  mit ihm in die Kiste steigt?

Diese Fragen werden schnell beantwortet, denn jedem Zuschauer dürfte bereits in den ersten 10 Minuten klar sein, wer sich später hinter der Maske des Killers verbirgt, denn der Schauspieler, der ihn als Jugendlichen im Prolog darstellt, wurde offensichtlich aufgrund seiner frappierenden Ähnlichkeit mit seinem erwachsenen Pendant besetzt. So besteht die Spannung eher in der Frage, wann die heiße Profilerin und die nörgeligen Kollegen ihm endlich auf die Schliche kommen, bevor es noch mehr Tote gibt.
Damit sich der Thriller von den vielen ähnlichen Filmen unterscheidet, hat man hier einen zumindest originellen Modus Operandi für den Täter gefunden, der von Identität zu Identität springt, ohne Spuren zu hinterlassen. Das hört sich allerdings aufregender an als es dann in der etwas verwirrenden Umsetzung ist (so kann sich der Film z.B. nie entscheiden, inwieweit sich die Opfer eigentlich ähneln oder nicht ähneln). Ansonsten bleibt es beim bewährten Konzept, das schon mit dem ausgenudelten Vorspann-Design im Stil von "Se7en" beginnt (um die Nerds und Puristen nicht zu verärgern, sei hier schnell angemerkt, dass dieses x-mal wiederholte Design bei "Se7en" erst im Abspann kommt).

Angelina Jolies eigensinnige und einsame Profilerin ist ein ebenso oft verwendetes Klischee und muss sich gelegentlich merkwürdig verhalten, damit sie so etwas wie eine Charakterisierung erhält (etwa, wenn sie murmelnd auf der Straße sitzt und auf Eingebung wartet oder sich die Ohren zuhält, um besser denken zu können). Über ihre schauspielerische Leistung lässt sich nicht viel sagen. Sie sieht gut aus, trägt hübsche Klamotten und starrt meistens mit unbewegtem Gesicht und Katzenaugen in die Gegend. Die Kamera mag das, und wem's gefällt, bitteschön. Beim Sex mit Hawke darf sie dafür kurz die nackten Brüste servieren, das freut womöglich den heterosexuellen Fan. Für ihre Darbietung wurde sie übrigens für die Goldene Himbeere nominiert, und das kann man irgendwie nachvollziehen. Ich weiß bis heute nicht, ob Jolie eigentlich spielen kann oder nicht. Man sieht ihr ganz gern zu, das ist für einen Filmstar oft ausreichend (siehe Keanu Reeves). Um sie sexy zu finden, ist sie mir persönlich zu kalt und künstlich.

Das restliche Ensemble kann sich durchaus sehen lassen. Ethan Hawke ist ein attraktiver Partner für Jolie, auch wenn er mich in seinem Spiel irritierend an Tom Cruise erinnert hat. Ich möchte ihn aber nicht beleidigen, weil ich ihn ganz knuddelig finde. Schön, ihn einmal nicht als abgeranzten Loser, sondern mit tadellosem Haarschnitt und sauberen Socken zu sehen. In einer Kleinstrolle, die komplett überflüssig ist, darf man Kiefer Sutherland entdecken, wenn man nicht gerade blinzelt. Ihn als 'roten Hering' (eine offensichtlich falsche Fährte) zu bezeichnen, wäre zu viel der Ehre. Und dann haben wir noch die große Gena Rowlands, die die Mutter des Psychopathen verkörpert und eine gute Leistung abliefert, auch wenn ihr blutiges Ende sehr unschön daherkommt. Das ist dann doch etwas respekt- und geschmacklos gegenüber dieser Grande Dame des Autorenfilms.

Was die Spannung anbelangt, ist TAKING LIVES guter Durchschnitt, hat aber insgesamt doch einige Längen. Es gibt ein paar wirkungsvolle Schock-Momente (u.a. einen heftigen Autounfall gleich zu Beginn und eine Grusel-Sequenz, in der Jolie einen alten Keller durchsucht, wo sie eine überraschende Entdeckung macht), das eigentlich gute Finale aber wird durch einen lang gezogenen Epilog zunichte gemacht, der herzlich wenig Sinn ergibt und unnötig krude geraten ist. Um nicht zu spoilern, möchte ich nicht weiter darauf eingehen.

Sehr gelungen ist hingegen die Musikbegleitung des Komponisten Philip Glass, das einzig ungewöhnliche Element des gesamten Films, der ansonsten zu sehr in ausgetretenen Fußstapfen wandelt. Neben der Kinofassung existiert noch ein Director's Cut, der ein bisschen mehr Erklärungen, Blut und Sex bietet. Ist aber kein Grund, in Ekstase zu geraten.

06/10


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