Dienstag, 11. Februar 2014

P2 - Schreie im Parkhaus (2007)

Die hübsche junge Yuppiebraut Angela (Rachel Nichols) ist am Weihnachtsabend die Letzte, die das Bürohochhaus verlassen will, aber leider springt ihr Wagen nicht an. Vom netten Security-Mann fehlt auch jede Spur, und mit dem Handy hat sie in der Tiefgarage keinen Empfang. Da könnte der Parkhauswächter (Wes Bentley) helfen, doch der hat nicht nur einen zähnefletschenden Rottweiler an der Leine, sondern auch einen gewaltigen Sprung in der Schüssel. Bald darauf erwacht Angela aus einer Ohnmacht und sitzt angekettet am weihnachtlich geschmückten Esstisch des Wächters, der sich offenbar in sie verliebt hat und einen gemütlichen Abend mit ihr verbringen will - zur Not auch mit Gewalt. Das Psycho-Duell ist eröffnet... 

Im Vorspann des Horror-Thrillers P2 - SCHREIE IM PARKHAUS (P2) werden als Ideengeber zum Drehbuch Alexandre Aja und sein Co-Autor Grégory Levasseur genannt. Ich will ja niemandem den Tag verderben, aber bei P2 handelt es sich mitnichten um eine eigene Idee, sondern um ein Remake, denn die Idee stammt von vorne bis hinten aus dem (zugegeben) völlig unbekannten 90er-Direct-to-Video-Thriller "Lower Level" (1992), in welchem David Bradley als irrer Parkhauswächter die Dame seines Herzens und deren Lover durch ein nächtliches Bürohochhaus jagt (inklusive romantischem Candlelight-Dinner, das er für sie zaubert). Wir wollen doch mal schön auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Diese Nennung beweist nur, dass Alexandre Aja zu den meistüberschätzten kreativen Köpfen des Horrorfilms zählt und sich immer nur bei anderen bedient. Die Regie bei P2 führte Franck Khalfoun, mit dem Aja kürzlich das "Maniac" (2012)-Remake neuverfilmt hat, welches mir überraschenderweise gefiel. P2 jedoch versagt auf ganzer Linie.

So ist hier denn mal wieder ein Psychopath unterwegs, und zwar Wes Bentley, dessen beste Zeiten als Begleiter einer Plastiktüte in "American Beauty" (1999) schon lange vorbei sind, und der sich nun in B-Schund wie diesem herumtreiben muss. Für einen Leading Man in einer Hollywood- RomCom ist er einfach zu creepy, und ein besonders guter Schauspieler ist er leider auch nicht, wie seine halbherzigen Versuche zeigen, einem Klischee-Irren aus der Bedarfs-Schublade so etwas wie Tiefe zu verleihen. Da das Drehbuch weder ihm noch seiner Kollegin Nichols irgendwelche interessanten Charaktereigenschaften zuweist, bleibt das ganze Spektakel nicht nur reichlich banal, sondern ist auch vorhersehbar bis zum Umfallen, wenn man Filme dieser Art ("Misery", "Der Fänger", oder den besonders albernen "The Keeper") schon mal gesehen hat. Die laufen immer nach dem gleichen Schema ab. So tauchen stets Leute auf, die Hilfe versprechen, aber die/der Gefangene muss sich jedesmal dumm anstellen, damit diese Hilfe nie stattfindet. Unsere Heldin ist sogar zu blöd, ihr Handy in der Hand zu behalten, um einen Notruf abzusenden, und wenn sie dem durchgeknallten Bentley eine Gabel in den Rücken rammt, als dieser gerade nicht hinsieht, weiß man bereits, dass dieser zaghafte Stich keinerlei weitere Auswirkungen haben wird.

Nachdem sie sich endlich von der Kette befreit hat, rennt Nichols dann im Parkhaus rauf und runter und wieder rauf, schreit um Hilfe, ersäuft fast im Fahrstuhl, der vom Bentley unter Wasser gesetzt wird (der einzig originelle, wenngleich komplett unglaubwürdige Einfall) und muss am Ende dann blutig zurückschlagen. Da ich grundsätzlich mit Leuten kein Mitleid habe, die einen unschuldigen Hund umbringen, hat mich das weitere Schicksal der Weihnachtsblondine auch nicht interessiert (nicht dass ich vorher groß mit ihr mitgefiebert hätte), zumal mein Finger an dieser Stelle ohnehin schon lange zur Fernbedienung wanderte, um die Schnellvorlauftaste zu drücken.

Für Splatterfans ist P2 auch nicht zu empfehlen, weil es außer einem zudringlichen Arbeitskollegen von Nichols, der von Bentley zu Matsch gefahren gibt, nichts Drastisches zu sehen gibt. Nervenzerfetzende Spannung will auch nie aufkommen, weil das ganze Szenario schon dutzendfach in anderen Filmen durchgenudelt wurde. Ich weiß also nicht, warum oder wem man P2 überhaupt empfehlen soll. Außer einer hübschen Einstellung, in der Bentley plötzlich im Dunkeln hinter Nichols auftaucht, hat der Film nichts zu bieten. Die Szene gibt's auch im Trailer. Es reicht also, wenn man sich den ansieht und die 90 Lebensminuten besser nutzt.

03/10

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