Dienstag, 18. Februar 2014

Blink (1994)

Keine Ahnung, warum ausgerechnet BLINK (Blink) so komplett in der Versenkung verschwunden und hierzulande nicht einmal auf DVD erhältlich ist. Von den Mainstream-Thrillern der 90er, in denen Psychopathen und Serienmörder dominierten, ist der Film von Michael Apted nicht der schlechteste, er liegt eher im guten Mittelbereich.

Madeleine Stowe spielt in BLINK eine blinde Violinistin, die nach einer lang ersehnten Operation ihr Augenlicht wieder erlangt. Der Heilungsprozess aber sorgt für eine Verschiebung ihrer Wahrnehmung, so dass sie Details nur zeitverzögert sehen kann und manchmal nicht sicher sein kann, was sie überhaupt gesehen hat. Als sie einen Mord beobachtet, ist sie die wichtigste Zeugin für die Polizei, doch sie kann sich an das Gesicht des Killers nur schemenhaft erinnern. Der Psycho ist aber schon hinter ihr her, um die Augenzeugin loszuwerden...

BLINK jongliert relativ geschickt mit bekannten klassischen Thriller-Elementen. Da wären zum einen der Psycho-Terror gegen ein sehbehindertes Opfer, was in Filmen wie "Warte bis es dunkel ist" (1967) oder "Stiefel, die den Tod bedeuten" (1971) bereits erfolgreich bespielt wurde, zum anderen greift er das Unbehagen gegenüber Organ-bzw. Körperteil-Transplantationen auf, das sich in Horrorstoffen wie "Body Bags" (1993) oder "Body Parts" (1991) findet. Wenn sich Regisseur Michael Apted denn nur auf seinen Thriller konzentrieren könnte, dann wäre BLINK nicht nur guter Durchschnitt, sondern womöglich ein furioser Genrebeitrag geworden. Stattdessen aber will er unbedingt noch mehr und sowohl das Psychogramm einer traumatisierten Frau (Stowe verlor ihr Augenlicht, nachdem sie von der Mutter misshandelt wurde) als auch eine zu Herzen gehende Liebesgeschichte zweier Einzelgänger erzählen.

Für diese muss sich Stowe in den (leider) uncharismatischen Ermittler Aidan Quinn verlieben, hat aber aufgrund ihrer düsteren Vergangenheit so viel abzuarbeiten, dass die beiden einfach nicht zueinander finden. Überhaupt fragt man sich, warum Stowe nicht längst in psychotherapeutischer Behandlung ist. Leider nimmt diese zähe Love-Story so viel Raum ein, dass sie den Thriller überdeckt, und das große Problem liegt in der von Madeleine Stowe (sehr gut) gespielten Figur, die skurril, eigenwillig und facettenreich sein soll, tatsächlich aber mit ihren regelmäßigen Kratzbürsten-Anfällen nervt. Die Frage nach der Identität des Killers rückt zu oft in den Hintergrund, so dass BLINK in der zweiten Hälfte etwas durchhängt.

Dafür wird man aber mit mehreren ausgezeichneten Suspense-bzw. Schock-Sequenzen entschädigt. Etwa, wenn der Mörder am Morgen nach dem Mord plötzlich in Madeleine Stowes offener Tür steht, oder wenn Stowe vom Killer durch Parkhäuser und die nächtliche U-Bahn gejagt wird. Hier kopiert Michael Apted zwar "Dressed to Kill" (1980), aber wenn man schon klaut, dann eben von den Besten. Das Finale ist dagegen nicht ganz so gelungen, zumal der Film an dieser Stelle einen diabolischen (und weit hergeholten) Masterplan des Killers aus dem Hut zaubert, der zuvor kaum angedeutet wurde. Es fehlt auch ein Einfall, der BLINK wirklich einzigartig machen würde. Irgendwie hat man das Gefühl, das alles schon mal so ähnlich gesehen zu haben, auch wenn die bekannten Elemente gut genutzt werden. Einen Klassiker schafft man so aber nicht.

An den Kinokassen war BLINK kein großer Erfolg und verschwand eher sang- und klanglos. Aufgrund der exzellenten Leistung Madeleine Stowes und der inszenatorischen Highlights kann ich BLINK aber durchaus empfehlen. Vielleicht erbarmt sich ja irgendwann mal ein DVD-Verleih. Hinter größeren Thriller-Hits der Dekade wie "Die Hand an der Wiege" (1992) muss sich BLINK jedenfalls nicht verstecken.

07/10

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