Dienstag, 28. Januar 2014

Teufel in Seide (1956)

Der mittellose Komponist Thomas (Curd Jürgens) verliebt sich Hals über Kopf in die schöne, wohlhabende Melanie (Lilli Palmer), die im Vorstand eines mächtigen Musikverlags sitzt und ihm zu einer Karriere verhelfen kann. Die neurotische, besitzergreifende und eifersüchtige Melanie aber macht ihm kurz darauf das Leben zur Hölle, kapselt ihn von seinen Freunden ab, demütigt ihn und nimmt sich schließlich sogar das Leben, wofür Thomas sich als vermeintlicher Mörder vor Gericht verantworten muss...

Was für eine Teufelin, die da mit Zugluft in Curd Jürgens' Leben rauscht, und die wird in Rolf Hansens Psychodrama TEUFEL IN SEIDE unnachahmlich und intensiv von der großen Lilli Palmer dargestellt. Für Palmer war es erst der zweite Film in Deutschland, sie hatte zuvor als jüdische Emigrantin bereits in England und Hollywood Erfolge in Filmen und auf der Bühne feiern können, bevor sie in ihr Geburtsland zurückkehrte.
Sie ist auch der Grund, sich TEUFEL IN SEIDE anzuschauen. Wie Palmer als Borderline-Egomanin hier ihren Gatten bis über den Tod hinaus zerstört, das hat schon Klasse - die dem etwas plüschigen Film ansonsten aber abgeht, denn wie viele bundesdeutsche Filme der 50er ist TEUFEL IN SEIDE nicht allzu gut gealtert und wirkt heute reichlich bieder. Mit Hollywood-Glamour kann er nicht konkurrieren, wie Szenen beweisen, die in "schicken Nachtclubs" spielen sollen, welche aber so aussehen, als wären sie beim Produzenten im Wohnzimmer gedreht worden, mit Auslegware und Yucca-Palme im Übertopf an der gezimmerten Hausbar.

Neben Lilli Palmer zeigt der junge Curd Jürgens eine erstaunlich sensible Leistung, wenn man ihn doch eher als normannischen Kleiderschrank im Kopf hat, der nicht gerade zimperlich mit Widersachern umgeht und im "Tatort" gerne rothaarige Frauen erwürgt. Hier lässt er sich von Lilli Palmer von Kopf bis Fuß unterbuttern, appelliert immer wieder an ihr Herz und versucht es im Guten. Das kann man akzeptieren, weil Jürgens das gut spielt, aber dann und wann fragt man sich schon, warum er diese hysterische Frau nicht einfach sitzen lässt.

Interessant sind die Parallelen zwischen TEUFEL IN SEIDE und dem 1945 in Hollywood entstandenen Melodram "Todsünde" (Leave Her to Heaven), die im Grunde beide dieselbe Geschichte erzählen, sogar bis in Details hinein (TEUFEL basiert auf einem 1940 veröffentlichten, "Todsünde" auf einem 1944 erschienenen Roman). Dort ist es Gene Tierney, die ihren Ehemann Cornel Wilde mit ihrer Skrupellosigkeit in den Wahnsinn und nach durchgeführtem Suizid auf die Anklagebank treibt. Tierney geht aber soweit, den behinderten Bruder des Gatten im Bergsee ertrinken zu lassen und sich selbst - hochschwanger - die Treppe hinunterzustürzen, damit ihr niemand die Aufmerksamkeit des Geliebten abspenstig macht. Zudem ist "Todsünde" in satten Technicolor-Farben gefilmt und ein in jeder Hinsicht saftiges Kinostück. 
TEUFEL IN SEIDE verblasst dagegen mit seiner vornehmen Zurückhaltung. Da, wo Tierney zu Mord und Totschlag greift, macht Lilli Palmer dem armen Curd Jürgens nur lautstarke Szenen und spinnt verbale Intrigen. Kein Wunder, dass es ihn in die Arme der netten Sekretärin Winnie Markus treibt, wobei die auch eher langweilig ist. Wahrscheinlich waren es die schlimmen Erfahrungen mit Frauen, die Jürgens 1977 zum größenwahnsinnigen Bond-Gegenspieler (in "Der Spion, der mich liebte") machten, der die ganze Menschheit ausrotten und sich auf den Meeresboden zurückziehen will. Dort macht er auch kurzen Prozess mit störrischen Damen und wirft sie gleich den Haien vor. Hier hat er gegen die teuflische Palmer wenig auszurichten.

TEUFEL IN SEIDE hat durchaus Unterhaltungswert, wenn man seine Erwartungen etwas herunterschraubt. Er ist hervorragend gespielt und stellenweise hübsch surreal, bleibt aber letztlich brav und geht nie wirklich unter die Haut.

6.5/10

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