Sonntag, 3. November 2013

Session 9 (2001)

SESSION 9 (Session 9) von Brad Anderson ist der Versuch, einen klassischen Gruselstoff mit modernen Mitteln zu erzählen und einem an CGI-und Splattereffekte gewöhnten Publikum auf altmodische (sprich: leise) Art den einen oder anderen Schauer über den Rücken zu jagen. Das gelingt dem Film ziemlich gut, auch wenn er in der Tat nichts Neues zu erzählen hat. Tatsächlich wurde die Geschichte - inklusive der überraschenden Auflösung - schon mehrfach in Genrebeiträgen aufbereitet.

SESSION 9 handelt von einer Gruppe Handwerker, die angeheuert werden (von 'CSI: Las Vegas'-Captain Paul Guilfoyle, was insofern ironisch anmutet, da 'CSI: Miami'-Ermittler David Caruso eine der Hauptrollen spielt), um eine ehemalige Nervenheilanstalt zu entkernen. Dabei stoßen sie auf alte Tonband-Aufzeichnungen der Insassen, und bald darauf müssen sie sich fragen, ob es in dem alten Gemäuer womöglich spukt...

Nach unzähligen Teenie-Horror-Streifen, in denen sich brustimplantierte und bauchnabelfreie Girlies die Seele aus dem Hals kreischen, ist es in erster Linie mal eine Wohltat, einen Film mit durchweg erwachsenen Charakteren und Darstellern zu sehen, die dazu noch aus dem Arbeitermilieu stammen und keine Anwälte, Innenarchitekten oder Web-Deisgner sind. Damit hebt sich SESSION 9 allein schon von der Konkurrenz ab. Dass diese Charaktere auch noch von überwiegend guten Schauspielern porträtiert werden, ist ein weiteres Plus. Gut, David Caruso besitzt in der Tat keine große Wandlungsfähigkeit und hält wie in besten 'CSI: Miami'-Tagen ständig den Kopf schief, aber immerhin setzt er hier nicht unentwegt die Sonnenbrille auf und ab. Als innerlich zerrissener Vorarbeiter zeigt Peter Mullan aber eine starke Leistung, und die Nebenrollen sind mit Josh Lucas (sehr schmierig) und Stephen Gevedon ebenfalls gut besetzt. Die Konflikte, mit denen sich die Figuren herumplagen (Eifersucht, drohende Arbeitslosigkeit, Scheidungsprobleme), wirken weniger ausgedacht und konstruiert als menschlich nachvollziehbar.

An den HD-Video-Look, in dem SESSION 9 gedreht wurde, muss man sich kurz gewöhnen, dafür aber ist das Anstalts-Setting extrem gut ausgewählt und bietet - insbesondere mit seinem Keller-Labyrinth - eine wunderbare Gänsehaut-Kulisse. Regisseur Anderson lässt es ruhig angehen und baut die Spannung sehr sorgfältig auf - weswegen SESSION 9 wohl bei jüngeren Zuschauern eher als langweilig empfunden werden dürfte. Umso wirkungsvoller aber sind dann die vereinzelten Suspense- und Schock-Momente, die der Film klug dosiert. Das Highlight ist Josh Lucas' Ausflug in den nächtlichen Keller, bei dem er plötzlich merkt, dass sich außer ihm offensichtlich noch jemand im Dunkeln aufhält. Auch die Stimmen der ehemaligen Patienten, die über Tonband abgespielt die Szenerie beschallen, sorgen immer wieder für schaurige Stimmung. Der Film lässt lange offen, ob es in der ehemaligen Heilanstalt wirklich spukt, oder ob sich das Ganze nur in der Fantasie eines oder mehreren der Beteiligten abspielt. Der finale Twist ist - wie gesagt - nicht neu, wird aber trotzdem effektiv eingesetzt und ergibt auch bei mehrfachem Sehen einen Sinn.

SESSION 9 ist intelligentes und atmosphärisches - wenn auch nicht gerade innovatives - Horrorkino, von dem ich mir zwischen allen überflüssigen Remakes und Sequels mehr wünschen würde. In seinen besten Momenten gelingt es ihm, echte Angst zu erzeugen, und der Verzicht auf Humor und Ironie wirken sich in diesem Fall positiv auf das Gesamtergebnis aus.

08/10

Kommentare:

  1. Naja, das klingt doch super. Ist ja heutzutage wirklich selten, dass Spannung noch aufgebaut wird und keine kreischenden Teenager in der Hauptrolle mitspielen. Werde ich mir besorgen. Wie immer, danke für den Tipp!

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  2. Sehr gerne, aber bitte mit Vorsicht genießen, die allgemeine IMDB-Wertung ist nicht so doll, vielleicht hat er nur mir so gut gefallen... ;-)

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  3. Ich bin ein bisschen Risiko gegangen und hab ihn meinem Freund zu Weihnachten geschenkt. Ich muss dazu sagen, mein Freund ist sehr kritisch ggüb allem, was nach 2000 gedreht wurde und oft auch zu recht. Aber wir wurden nicht enttäuscht - ihm gefiel der Streifen wohl sogar noch bisschen besser als mir. Sein erster Spruch nach dem Ende: "Ein mutiger Film." Stimmt schon, denn die Machart, dieses ruhige, langsam aufbauende kommt heute kaum noch vor und wohl beim Publikum auch nicht so gut an. Dabei hat ihn sogar ein voll jungscher Typ gedreht... ;)

    Mir hat er auch sehr gut gefallen. Die Spannung wird durchgehend gehalten, auch schon durch die Spannungen der Handwerker untereinander. Charaktere waren gut gewählt, spielten brilliant, Geräusche wurden wirkungsvoll eingesetzt und der Plot war mir so jetzt auch noch nicht untergekommen. Ich fand das Ende echt überraschend und - wie Du auch schon schreibst - plausibel. Vielleicht wollte er am Ende etwas schnell fertig werden, man hätte da sicher noch mehr zeigen können, aber mir hat es auch so gereicht. Der Film wollte nicht mit Blut und Gewalt schocken, sondern Gordons Distress transportieren. Ist auf ganzer Linie gelungen. Außerdem: das Gebäude ist cool.
    PS: Ein Film, den sich alle Urbexer/Lost Placer mal ansehen sollten, hehe.

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  4. Freut mich, dass Ihr Spaß hattet. Ja, das Gebäude ist super-cool und unheimlich.

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