Samstag, 9. November 2013

Der Preis des Todes (2012)

Die geschiedene Cathy (Patricia Kaas) bereitet gerade die Geburtstagsparty für ihre Teenager-Tochter vor, als sie feststellen muss, dass diese verschwunden und einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Während die Polizei mit den Ermittlungen nicht voran kommt, droht Cathy an dem Verlust zu zerbrechen. Sie setzt alles daran, den Täter selbst zu finden...

DER PREIS DES TODES (Assassinée) ist ein französischer Fernsehfilm, der die Hintergründe und Folgen eines Mordfalles nicht aus Ermittlersicht, sondern rein aus der Perspektive der Angehörigen und Hinterbliebenen erzählt. Das deutsche Fernsehen versteckte das Drama im Spätprogramm des BR, der Sender brachte aber zeitgleich - für alle, die ihn verpasst haben (wie mich) - netterweise die DVD heraus.

DER PREIS DES TODES besticht neben der unaufgeregten, sehr französischen Erzählweise vor allem durch das Spiel der Hauptdarstellerin Patricia Kaas, die sich mutig in die schwierige Rolle der alleinerziehenden Mutter wirft und eine mehr als sehenswerte Leistung zeigt - auch, wenn ihre Leidensmiene gegen Ende kaum noch variiert wird. Cathys Unfähigkeit, das Geschehene zu verarbeiten und die ermordete Tochter loszulassen, ihre Wut auf Behörden und Polizei, die Schuldzuweisungen gegen den Ex-Mann, das alles nimmt man Kaas in jeder Minute ab. An ihrer Seite spielt Serge Hazanavicius den geschiedenen Mann mit deutlich mehr Hang zu Melodramatik und leichtem Overacting, aber da es sich hier um Figuren im Extremzustand handelt, sollte man da nicht zu streng sein. Wer von uns mag schon beurteilen, wie man sich in solch einer Lage verhält?

Darüber hinaus ist DER PREIS DES TODES ein sehr leiser Film, der sich über weite Strecken darauf konzentriert, die zermürbenden Gänge durch Gerichte, Ämter und Polizeistationen darzustellen, die das Ehepaar durchleiden muss, um an Informationen über den Stand der Ermittlungen zu kommen. Der verübte Mord, der das Leben der Hauptfiguren komplett aus der Bahn wirft, ist für alle anderen nur ein weiterer bürokratischer Vorgang, der abgehakt werden muss - auch von den Medien, die sich (leicht klischeehaft) zunächst wie eine gierige Meute auf das Ehepaar stürzen, nach kurzer Zeit aber das Interesse verlieren. Während Cathys Ex-Mann nach einem Ausraster in der Psychiatrie landet, bleibt es allein an Cathy, den Mörder ihrer Tochter zu finden. Das geschieht dann nicht gerade subtil (geübte Zuschauer dürften den wahren Täter ohnehin schnell bei seinem ersten Auftritt erkennen), aber es handelt sich hier ja eben nicht um einen x-beliebigen Krimi.

Leider vermag DER PREIS DES TODES trotz der exzellenten Schauspielleistung nicht ganz mitzureißen, was zum Teil daran liegt, dass die aufbereiteten Themen schon relativ bekannt sind. Es finden sich Elemente aus "Eye for an Eye" (1996), in dem Sally Field ebenfalls vom Mord an der Tochter während der Geburtstagsparty erfuhr (Geburtstag und Tod passen eben symbolisch immer gut zusammen), aus "In the Bedroom" (2001), wenn der verzweifelte Vater zur Selbstjustiz greift, und es gibt sehr deutliche Parallelen - bis hin zur Enttarnung des Täters - zur ersten Staffel von "Kommissarin Lund" (wer die noch nicht kennt, sollte sie sich dringend anschauen, weil sie mit zum Besten gehört, was in den letzten 20 Jahren in Sachen Krimi zu sehen war), die sich neben den polizeilichen Ermittlungen ebenfalls mit der Trauer der Hinterbliebenen beschäftigte.
DER PREIS DES TODES mixt das alles gut zusammen, aber es fehlt ein neuer Gedanke, vielleicht auch der Mut zu überraschenden Wendungen. Zu viel wird außerdem über Dialog verhandelt - oftmals tragen die Charaktere trotz der emotionalen Belastung ihr komplettes Seelenleben auf der Zunge und können noch in schwersten Momenten klare Selbstanalysen vollziehen. Auch visuell bleibt der Film stets auf dem Niveau eines soliden, aber nie außergewöhnlichen TV-Movies.

Eine Bemerkung am Rande: DER PREIS DES TODES bemüht sich stets um Realismus und Glaubwürdigkeit, erzeugt dann aber einen etwas unfreiwilligen Lacher (oder diskretes Räuspern), wenn Patricia Kaas gegen Ende als 'Frau von 42' bezeichnet wird. Das Kompliment sei ihr gegönnt, aber... nun ja. Lassen wir es dabei.

Ein wichtiger Hinweis: Wer sich DER PREIS DES TODES ansehen möchte, dem sei unbedingt die französische Originalfassung ans Herz gelegt, denn die deutsche Synchronisation ist der blanke Horror. Obwohl es sich hier um professionelle Sprecher (und gute Schauspieler wie Nina Kronjäger als Stimme von Kaas) handelt, stehen die Stimmen durchweg neben den Figuren, wirken oft laienhaft und sind schlecht abgemischt. Glücklicherweise gibt es zuschaltbare Untertitel, und bei einer so charismatischen Hauptdarstellerin wie Madame Kaas sollte die Entscheidung für den O-Ton ohnehin nicht schwer fallen. Die DVD bietet ansonsten noch ausführliche Blicke hinter die Kulissen, da gibt es also nichts zu meckern.

07/10


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