Montag, 9. September 2013

Staatsanwälte küsst man nicht (1986)

Die Krimikomödie STAATSANWÄLTE KÜSST MAN NICHT (Legal Eagles) war einer der großen Mainstream-Hits der 80er. Die Zutaten: zugkräftige Stars, eine nicht allzu verzwickte Handlung, eine rührige Liebesgeschichte, ein bisschen Action und etwas Screwball Comedy.

Die Handlung: Staatsanwalt Tom Logan (Robert Redford) untersucht auf Bitten der Verteidigerin Laura Kelley (Debra Winger) den Fall eines Einbruchsdiebstahls, bei dem die attraktive Künstlerin Chelsea (Daryl Hannah) ein wertvolles Gemälde an sich bringen wollte. Kurz darauf ist ein angesehener Galerist tot, auf Tom und Laura werden Mordanschläge verübt, und Chelsea landet in Toms Bett...

STAATSANWÄLTE KÜSST MAN NICHT ist eine durch und durch gefällige Angelegenheit, die neben der Starbesetzung vor allem mit hohen Production Values aufwarten kann. Immerhin gehörte der Film mit ca. 40 Millionen Dollar Kosten zu den teuersten Spielfilmen seiner Zeit - was angesichts des dünnen Plots und der absoluten Harmlosigkeit des Ganzen schon überrascht. Regisseur Ivan Reitman ist mit Sicherheit kein Howard Hawks, und das Gespann Redford/Winger kann den Vorbildern Hepburn/Tracy nicht das Wasser reichen, immerhin aber besitzen beide genug Charisma (und sind hübsch anzuschauen), um gut über die Runden zu kommen. Redford spielt hier (mal wieder) den charmanten Sonnyboy, der lediglich durch eine gewisse Trotteligkeit aus dem Rahmen fällt - die man Redford allerdings nicht wirklich abnimmt. Debra Winger - wohl eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation - wird völlig unterfordert und muss die etwas biestige, aber liebenswerte Anwältin geben, die sich natürlich in Redford verliebt.
Da der Sex-Appeal von Daryl Hannah beigesteuert wird (und das gelingt ihr ausnehmend gut), muss Winger in unkleidsam-konservativen Business-Kostümen durch den Film schreiten, die wahlweise in schwarz oder grau gehalten sind (Loriot würde sagen: "Soll ich da mal ein ganz frisches steingrau vorschlagen?"). Die unschmeichelhaften Outfits (siehe Plakat) sind eine Frechheit gegenüber Winger. Was lernen wir daraus? Karrierefrauen dürfen keinesfalls auch sexy sein, und sexy Frauen wie Hannah sind allesamt Luder, die meistens noch eine Knarre in der Manteltasche haben. Die darf man - wie im Fall von Redford - auch mal über Nacht flachlegen, aber für die Ehe - oder gar beruflichen Erfolg - sind sie vollkommen ungeeignet. Die feurige Kunst-Performance, die Hannah dem verdutzten Redford in ihrem Loft vorführt, ist übrigens absolut überzeugend und die einzig wirklich originelle Szene des gesamten Films.

Ein weiteres Highlight stellt der Ausbruch von Winger und Redford aus einer verschlossenen Lagerhalle dar, in der eine Bombe deponiert wurde ("Was tickt denn hier so? Ist das Ihre Uhr?"). Zwischen Winger und Redford stimmt darüber hinaus die Chemie. Man wünscht sich nur, der Film würde sich nicht ständig bemühen, beide unentwegt so schrecklich sympathisch zu machen. So ist eine Sequenz, in der beide unabhängig voneinander ihre Schlafprobleme angehen (er singt und tanzt im Bad, sie stopft sich mit Fast Food voll und bügelt - man beachte die Rollenverteilung!), viel zu lang und über die Maßen eitel geraten.

Der Krimiplot, der das Ganze zusammenhält, ist wahrscheinlich das schwächste Element des Films. Nicht nur ist er extrem simpel und durchsichtig, er bleibt auch durchweg uninteressant. Deswegen sackt STAATSANWÄLTE KÜSST MAN NICHT in den letzten 20 Minuten - wenn die Charaktere zu Ende erzählt sind und der Film sich stattdessen auf Schießereien, Autoverfolgungsjagden und Feuersbrünste konzentriert - in totale Belanglosigkeit und Langeweile ab. Wie unglaubwürdig der Plot ist, zeigt sich am besten daran, dass der Film in verschiedenen Fassungen völlig unterschiedliche Enden aufweist. Im Kino kommt Daryl Hannah noch unschuldig davon, in späteren TV-Ausstrahlungen ist sie plötzlich doch eine Mörderin, und in einer weiteren Fassung ist sie ebenfalls schuldig, aber an einem völlig anderen Mord. So viel zum Thema inhaltliche Stringenz.

STAATSANWÄLTE KÜSST MAN NICHT ist fluffige Unterhaltung, die keine zehn Minuten länger im Gedächtnis bleibt als nötig. Dass der Film ein Hit werden sollte, sieht man ihm in jeder Minute an. Er ist gnadenlos auf Erfolg gebürstet und daher von allen Ecken und Kanten befreit.
Der Film ist darüber hinaus eines der frühen Beispiele für die steigende Macht der Hollywood-Agenturen in den 80ern, denn die CAA (Creative Artists Agency) schnürte das gesamte Paket und besetzt sämtliche Rollen und Crewmitglieder ausschließlich mit Agenturklienten. Hauptdarstellerin Debra Winger war darüber so erbost (sie war der Meinung, man sollte die bestmöglichen, nicht die am leichtesten verfügbaren Leute besetzen), dass sie die CAA verließ. Später bezeichnete sie Ivan Reitman und Taylor Hackford (mit dem sie 1982 den Hit "Ein Offizier und Gentleman" drehte) als die schlechtesten Regisseure, mit denen sie je gearbeitet hat. Nach weiteren ähnlichen Aussagen wurde sie kurz darauf zur Persona non grata in Hollywood erklärt und zog sich für einige Jahrzehnte aus dem Filmgeschäft zurück. Hollywood und Frauen mit eigenem Standpunkt passen eben nicht zusammen.

07/10


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