Mittwoch, 18. September 2013

Perfect (1985)

Wenn man seinen Film "Perfect" nennt, muss man sich darauf gefasst machen, dass sämtliche Kritiker und Rezensenten sich darauf stürzen und mit der Lupe nach Schwächen suchen, um sich darüber lustig zu machen und sich in sarkastischen Wortspielen zu üben. Anders aber als bei dem ähnlich mutig betitelten "Besser geht's nicht" (1997), an dem es in der Tat nichts auszusetzen gab, musste hier niemand irgendwas mit der Lupe suchen, denn PERFECT (Perfect) gehört zum schlimmsten Big Budget-Trash der 80er.
Der Film war ein Mega-Flop und ein weiterer Nagel im Sarg von John Travoltas Karriere (er wurde bekanntlich in den 90ern von Tarantino wieder aus der Versenkung geholt). Die einzige, die dieses Fiasko unbeschadet überstanden hat, war Jamie Lee Curtis, und das zu Recht, weil sie als einzige ihre Würde behält - obwohl der Film es ihr weißgott nicht leicht macht und sie mit den schlimmsten Kostümen und Dialogen bombardiert, die man im Jahrzehnt des schlechten Geschmacks, das wir alle so lieben, zu hören und zu sehen bekam.

Worum geht es? PERFECT basiert auf einigen Artikeln über die Aerobic-Szene L.A.s, die im 'Rolling Stone'-Magazin veröffentlicht wurden. John Travolta spielt einen Reporter, der sich aufmacht, hinter den Kulissen der Aerobic-Studios - den 'Single-Bars der 80er' - zu recherchieren (was genau er da zu finden hofft, bleibt unklar). Dabei verliebt er sich in die Fitness-Trainerin Jamie Lee. Die Beziehung wird aber auf eine harte Probe gestellt, als sie erkennt, dass Travolta nur hinter ihr herschnüffelt....

So, liebe Kinder, wem bei dieser Inhaltsangabe nicht sofort die Füße einschlafen, der dürfte sich wohl auch bei einer Folge "Derrick" spannend unterhalten. Man mag sich gar nicht das Meeting vorstellen, bei dem diese Idee gepitcht wurde, und auf welchen Drogen die Executives gerade drauf waren (vermutlich Kokain, immerhin waren es die 80er), um den Film durchzuwinken. Was genau aufregend an dieser lahmen Story sein soll, erschließt sich auch bei Sichtung des fertigen Werks nicht, denn das ist so sturzlangweilig, dass man nach einer Stunde verzweifelt auf die Uhr schaut und feststellt, dass gerade erst fünf Minuten vergangen sind. Die Charaktere sind allesamt uninteressant, Travolta ist als Enthüllungsjournalist vollkommen unglaubwürdig (kein Wunder, dass Carly Simon kurz vorbeischaut und ihm ihren Tomatensaft ins Gesicht schüttet), und wen interessiert schon, was die Leute in Aerobic-Kursen so treiben? Leider ist diese Welle nun auch schon ein paar Jahre vorbei, so dass PERFECT heute noch erbärmlicher wirkt als damals.

Die Langeweile wird lediglich durch einige Geschmacksverirrungen unterbrochen, die dem Film den Trash-Faktor verleihen und wenigstens unfreiwillig komisch bis peinlich sind. Das fängt damit an, dass Jamie Lee bei ihrem ersten Auftritt eine Aerobic-Klasse unterrichtet und dabei ein knappes Nichts von Gymnastikanzug trägt, das freien Blick auf Leber und Nieren der Darstellerin gewährt (Übertreibungen meinerseits sind der Dramatisierung geschuldet). Später besucht Travolta als Schüler ihre Klasse, und zu schrecklichem 80er-Pop schwingen beide roboterhaft so lange ihre Hüften, bis auch dem letzten Dödel klar geworden ist, dass das Ganze irgendwie sexy sein soll - mit anderen Worten, die beiden treiben es praktisch vor der gesamten Klasse, ohne sich dabei anzufassen. Tolle Idee für ein Traumpaar, oder? Bogart und Bacall wären neidisch. Die Sequenz ist in der Tat so lang, dass auch der notgeilste Zuschauer die Lust verliert, den beiden ruckelnden Gymnastik-Robotern noch länger zuzuschauen, und selbst Jamie Lee und John wissen offensichtlich nicht mehr, was sie da noch für Gesichter machen sollen.
Es erübrigt sich vielleicht zu sagen, dass die Chemie zwischen beiden gleich Null ist. Travolta hätte sich wohl lieber einen der Jungs aus der Klasse geschnappt, während Jamie Lee zwar ohne Frage spitzenmäßig in Form ist, aber nun mal keine sinnliche Ausstrahlung besitzt - nicht eine Schweißperle drückt sie während der ganzen Kopulationssimulation ab.

Dazu kommt, dass der gesamte Film nichts weiter als Werbung für das 'Rolling Stone'-Magazin sein will. Für das Kinoplakat und den Vorspann wurde sogar der Filmtitel im RS-Design gestaltet. Eigentlich müsste "Dauerwerbesendung" durchgehend eingeblendet werden. Sehr künstlerisch.

Viele Filme sind besser als ihr Ruf. PERFECT gehört allerdings verdientermaßen in die Hall of Shame der Hauptdarsteller. Mehr als ein paar unfreiwillige Lacher und voyeuristische Ansichten beider Beckengegenden hat der Film nicht zu bieten.

02/10


"Pump it Baby, ich hab' keinen Schlüpper an!" - John  Travolta in "Perfect"



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...