Freitag, 13. September 2013

Mannequin (1986)

Bleiben wir noch kurz in den 80ern und wenden uns dieser romantischen Fantasy-Komödie zu.
MANNEQUIN (Mannequin) war seinerzeit ein respektabler Kino-Hit, und zwar aus zwei Gründen: Andrew McCarthy und der Filmsong von 'Starship'. McCarthy war erklärter Teenie-Schwarm und Liebling aller BRAVO-Leserinnen (sowie aller Leser, ähem), während 'Starship' (vormals 'Jefferson Starship') den Song "Nothing's Gonna Stop Us Now" beisteuerten, der zu einem Mega-Hit wurde und sogar heute noch extrem hörbar ist - zumindest gehört er zu meinen persönlichen Favoriten des 80er-Pop.
Warum man sich den Film ansonsten anschauen sollte, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Seinerzeit hat er mir ganz gut gefallen, aber da befand ich mich auch mitten in der Pubertät. Aus heutiger Sicht ist MANNEQUIN eher eine Katastrophe.

Worum geht es? Der erfolglose Künstler McCarthy bastelt in einer Schaufensterpuppenfabrik seine Traumfrau zusammen, wird aber - wie so oft - schneller gefeuert als er gucken kann, weil er sich nicht an die Regeln hält. Nach mehreren Hilfsjobs landet er als Lagerist in einem großen Warenhaus (welches Estelle Getty, 'Sophia' aus den 'Golden Girls' gehört) und begegnet dort seiner Puppe wieder. In dieser steckt jetzt der Geist einer ägyptischen Prinzessin, und weil Andrew sie so liebt, wird sie für ihn lebendig (bitte keine Fragen stellen, ich gebe nur wieder). Zusammen gestalten sie die fantasievollsten Schaufenster und verlieben sich, doch die Konkurrenz ist schon auf den Plan gerufen und versucht das fröhliche Treiben zu beenden...

Zugegeben, die Idee ist im Grunde ganz charmant, und Hauptdarstellerin Kim Cattrall (später populär als sexhungrige Samantha in "Sex and the City") passt perfekt in die Rolle der Schaufensterpuppe (das meine ich positiv). Auch McCarthy ist als Loser gut besetzt. leider aber sind sie die einzigen, die mit etwas Würde auftreten, während sämtliche Nebendarsteller - darunter Hochkaräter wie James Spader - einen geradezu unglaublichen Wettbewerb im Chargieren hinlegen, bei dem keiner gewinnt und der Zuschauer als Verlierer vom Platz geht. Es bereitet regelrecht Schmerzen, diesem Aufmarsch aus Durchgeknallten zuzusehen, wie sie grimassieren, schlechten Slapstick abliefern und unwitzige Pointen absondern.
Am schlimmsten erwischt es den von Meshach Taylor gespielten Schaufensterdekorateur 'Hollywood', der nicht nur schwul ist (damit könnte man zur Not leben, obwohl auch das schon ein Klischee ist), nein, er muss auch als kreischende Supertunte mit Mädchenstimme durch den Film hüpfen und sich weibischer gebärden als das komplette Ensemble von "Priscilla - Königin der Wüste" (1994). Das ist so beleidigend, dass einem die Worte fehlen, und sogar den Darstellern scheint es hin und wieder peinlich zu sein.

Aber was soll man machen, wenn einem Michael Gottlieb als Regisseur vorgesetzt wird, der sich hier erstmals an einem Kinofilm ausprobierte und offenbar nie etwas von Timing, Humor oder "weniger ist mehr" gehört hat. Nach drei weiteren 'Komödien' ähnlichen Kalibers war übrigens Schluss mit der Karriere, bzw. wechselte Gottlieb ins Videogame-Fach, wo er hoffentlich weniger Schaden anrichtet.
Zu den grauenvollen Einfällen von MANNEQUIN gehört auch G.W. Bailey ("The Closer") als Kaufhaus-Wachmann mit furzendem Köter namens 'Rambo' (später bekommt er einen neuen Hund namens 'Terminator' - was haben wir gelacht!), und man darf sich erneut für James Spader fremdschämen, der mal wieder einen gelackten Fiesling abgibt.

Mit der Figur der ägyptischen Prinzessin stellt sich MANNEQUIN auch noch selbst ein Bein. Die wird am Anfang - im alten Ägypten - als durchaus selbstständig denkende, eigenwillige Frau gezeichnet, die sich gegen eine Zwangsheirat (mit einem Kameldunghändler) wehrt und ihren eigenen Weg gehen will. Nachdem sie aber durch die Zeiten gedüst ist, bleibt sie ausgerechnet in den 80ern hängen, findet die große Liebe und landet - Taraa! - vor dem Traualtar! Von wegen Karrierefrau! Warum sie überhaupt durch die Zeit reisen kann, warum sie nur für McCarthy zum Leben erwacht, oder warum sie am Ende plötzlich auch für andere sichtbar wird (oder mit welchen Papieren sie wohl die Hochzeitserlaubnis bekommen hat), bleibt das Geheimnis des Films, der sich um derlei Fragen einen Dreck schert.

Was bleibt, sind ein paar hübsche Drehbuch-Ideen zu Beginn, wenn McCarthy jeden Job verliert, weil er zu künstlerisch veranlagt ist (er braucht Stunden, um eine Pizza zu dekorieren und schneidet Hecken in Häschenform), die auf dem Papier sicher nett zu lesen waren, im Film aber mit dem Holzhammer totegprügelt werden. Schön ist das Wiedersehen mit Estelle Getty, diesmal ohne weiße Perücke, und natürlich wird man vor dem Abspann mit dem lang erwarteten "Nothing's Gonna Stop Us Now" versöhnt, das es tatsächlich schafft, den Eindruck zu erwecken, man habe sich amüsiert.

MANNEQUIN war so erfolgreich, dass es 1991 ein als Sequel getarntes Remake gab, mit William Ragsdale und Kirsty Swanson in den McCarthy/Cattrall-Rollen. Und man sollte es kaum glauben - der war noch schlechter!

3.5/10

Kommentare:

  1. Ja, der war noch schlechter! Und Hollywood tobte dort noch ein paar Szenen mehr tuntig herum. Als ob das irgendwer gebraucht hätte. Die beiden Filme stecken tief in ihrer Zeit fest, kein Wunder wenn man bedenkt dass sie auch nur in diese hineinpassen. Zu jeder anderen Filmschaffenszeit wäre diese Art Schundprodukt nicht denkbar. Etwa zur selben Zeit endete ja auch die Phase der "Softies als Helden" und es folgte mit "House Party" und Co eine andere üble Phase unwitziger Komödien für den Heimvideo-Markt. Apropo: Hat es Mannequin damals eigentlich ins Kino geschafft?

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  2. Mannequin 1 lief im Kino und war auch gut besucht, der zweite ist bei uns gleich auf VHS erschienen. Schade um Kristy Swanson, die mochte ich wirklich gern, aber die hat so viel Schrott gemacht, dass es mit der Karriere irgendwie nix wurde. Gruß von Mathias

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