Samstag, 21. September 2013

Der Frauenmörder (1988)

Anfang der 90er wimmelte es im US-Kino von Psychopathen, die heile Mittelstandsfamilien sowie erfolgreiche Yuppie-Singles drangsalierten und stets dafür mit dem Tode bezahlten.
DER FRAUENMÖRDER (Criminal Law) von Martin Campbell ("Goldeneye", 1993) ist noch vor dieser Welle entstanden und war ein Misserfolg an den Kinokassen - vielleicht auch, weil er sich nicht so recht zwischen Psycho-Thriller, Charakterstudie und Gerichts-Krimi entscheiden kann. Auf jeden Fall vermag er trotz einiger Stärken nicht vollends zu überzeugen.

Worum geht es? Gary Oldman spielt einen abgebrühten Strafverteidiger, dessen aktueller Klient Kevin Bacon wegen eines brutalen Frauenmordes vor Gericht steht. Dank eines Winkeladvokaten-Schachzugs gelingt es Oldman, Bacon freizubekommen, doch das spornt diesen nur zu weiteren Taten an, zumal er in seinem Anwalt nun einen Verbündeten sieht. Nach einem weiteren Mord, bei dem er Oldman als unfreiwilligen Augenzeugen beteiligt, übernimmt Oldman erneut Bacons Verteidigung, spielt aber der Polizei Insider-Erkenntnisse zu und versucht schließlich selbst, Bacons mörderischen Rausch zu stoppen...

DER FRAUENMÖRDER erinnert in vieler Hinsicht an Hitchcock, insbesondere die komplexe Täter/Mitwisser-Beziehung aus "Der Fremde im Zug" (1951) hat es Regisseur Campbell offenbar angetan. So sind die Szenen zwischen Oldman und Bacon dann auch die stärksten des Films, auch wenn dieser Hitchcocks Niveau natürlich nie erreicht. Kevin Bacon ist wohl die größte Überraschung, denn der spielte hier erstmals nach vielen belanglosen Komödien in den 80ern eine vielschichtige Rolle, die man so nicht von ihm erwartet hat, und das macht er außergewöhnlich gut. Dass hinter seiner hübschen Netter-Junge-Fassade ein seelenloser Killer steckt, nimmt man ihm jederzeit ab.

Leider aber bekommt Bacon nur einen Bruchteil der Filmzeit, während Gary Oldman den Hauptpart erhält, und das ist ein Problem. Oldman ist zwar ein hervorragender Schauspieler, aber auch einer, der oft zu viel gibt und gern mit Schaum vorm Mund spielt. Als Sympathieträger ist er ohnehin nur bedingt geeignet (weshalb er in den letzten Jahrzehnten auch vorwiegend den Bösewicht gibt), darüber hinaus muss er aber auch noch einen ziemlich widerlichen Yuppie spielen, dessen Motivationen höchst verschwommen sind - zunächst denkt er nur an sich und seinen Erfolg, dann packt ihn plötzlich das schlechte Gewissen (weil er über eine Leiche stolpert...ein wenig dünn), und fortan betätigt er sich als Detektiv, bricht im Handumdrehen sämtliche Regeln seines Berufsstandes und bringt sich selbst mehrfach in Lebensgefahr. Als Zuschauer hat man Schwierigkeiten, ihm zu folgen und ihm die Daumen zu drücken, weil er letztlich doch ein - Verzeihung - unsympathisches Arschloch bleibt, dem es weniger um die getöteten Frauen als seine eigene Absolution geht. Auch wenn das insgesamt eine komplexere Herangehensweise ist (anstatt ihn lediglich als unschuldiges Opfer, das von seinem Klienten missbraucht wird, zu zeichnen), will sie nicht überzeugen. In Sidney Lumets unterschätztem "Jenseits der Unschuld" (1993) funktioniert diese Katz- und Maus-Beziehung zwischen Verteidigerin in Not und Killer wesentlich besser.

Trotzdem hat DER FRAUENMÖRDER spannende Sequenzen zu bieten, etwa wenn Karen Young als Oldmans Helferin bei nächtlichem Gewitter (hier gewittert es jede Nacht) in einer Artpraxis nach Beweisen sucht, während Killer-Bacon bereits um sie herumschleicht. Da fühlt man sich an "Dressed to Kill" (1980) erinnert. Zudem ist es schön zu sehen, wie Karen Young dem üblichen Thriller-Klischee entweicht und sich nicht in die Opfer-Rolle drängen lässt, sondern sich zäh gegen Bacon zur Wehr setzt. In einer Nebenrolle liefert Elizabeth Shepherd als Bacons Mutter (und Grund für dessen Untaten) eine grandios-gruslige Leistung ab, und Jerry Goldsmiths zurückhaltender Score sorgt für die passend düstere Untermalung. Auch die Sets sind gut ausgewählt und stimmungsvoll fotografiert.

Wer am Ende hofft, dass Oldman dank eines genialen juristischen Tricks den Frauenmörder zur Strecke bringt, wird leider enttäuscht werden, denn da folgt der Film dem üblichen Schema und endet mit einer simplen Ballerei. Wirklich befriedigend ist das nicht, ebenso wie der gesamte Thriller, der im übrigen auch zu lang geraten ist und stellenweise leicht durchhängt. Insgesamt ist DER FRAUENMÖRDER schwer zu beurteilen. Geschmackssache.

6.5/10

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