Mittwoch, 25. September 2013

Class (1983)

Als typische Teenie-Komödie und Jungstar-Vehikel ist CLASS (Class), der vom deutschen Verleih den grauenvollen Untertitel "Vom Klassenzimmer zur Klassefrau" bekam, ein Musterbeispiel. 
Die heißen 'Brat Pack'-Stars Andrew McCarthy und Rob Lowe spielen hier zwei Jungstudenten, welche sich die unterrichtsfreie Zeit im Studentenwohnheim mit originellen Streichen versüßen. Lowe ist der verwöhnte Spross aus reichem Hause, McCarthy der sympathische Underdog, der noch nie Sex hatte. Den bekommt er bald in Hülle und Fülle bei einem Ausflug nach New York, als er die reife Millionärsgattin Jacqueline Bisset trifft, die sich sofort in seine Naivität und jugendliche Unschuld verliebt. Wie sich aber schnell herausstellt, ist die gute Jacqueline keine geringere als die Mutter seines Zimmergenossen!

Klingt nach reichlich Stoff für turbulente Verwicklungen, doch nach anfänglichen Pubertär-Witzchen und Sex-Scherzen (inklusive nackter Brüste der jungen Virgina Madsen, die als überhebliche und politisch korrekte Schulkönigin sämtliche Demütigungen über sich ergehen lassen muss - von einem vollgereiherten Auto bis zu unfreiwillig heruntergerissener Bluse) hält sich CLASS eher mit boulevardesken Einfällen zurück und konzentriert sich auf die Charaktere, insbesondere den von Jacqueline Bissets unglücklicher High Society-Dame, die in einer lieblosen Ehe mit Cliff Robertson gefangen ist und den jungen McCarthy mit Sex und Klasse um den Finger wickelt. So ganz entscheiden kann sich CLASS nicht, ob er eher eine Liebesgeschichte, eine Coming-of-Age-Story oder eine fluffige Sexkomödie sein will. Er ist alles gleichzeitig und wirkt deshalb nicht sonderlich homogen. Wer nur sinnfrei ablachen will, wird sich nach der ersten Hälfte eher langweilen, wer etwas Romantisches sehen möchte, muss sich durch viel Klamotte quälen.

Die Geschichte über die Liebe einer Frau mittleren Alters zu einem unreifen Bürschchen klingt sehr französisch, ist aber in der Umsetzung von Regisseur Lewis Carlino (keine Sorge, den muss man nicht kennen) CLASS dann doch sehr amerikanisch geworden. Die Sex-Szenen sind nicht sonderlich gewagt oder natürlich, sondern eher schwerfällig und auf Witz getrimmt (der erste Sex findet in einem gläsernen Fahrstuhl statt, bei dem es immer 'rauf und runter' geht, alles klar?). Dafür sind die Teenager-Streiche zu Beginn sehr erfrischend erdacht und derb ausgeführt (McCarthy muss an seinem ersten Tag in Damenunterwäsche über den Campus laufen und täuscht dann effektiv einen Selbstmord vor), ohne allzu tief unter die Gürtellinie zu gehen.

Auf jeden Fall ist es schön, neben den dumm-dödeligen Teenies auch erwachsene Schauspieler wie Robertson und Bisset zu sehen. Besonders Jacqueline Bisset hebt mit ihrer Darstellung den Film stellenweise auf höheres Niveau und zeigt eine ganz wunderbare Leistung. McCarthy ist ein sehr ansprechendes Sensibelchen und genau die richtige Besetzung, Rob Lowe hingegen hat wie üblich Charme und Ausstrahlung einer Schaufensteruppe. Kein Wunder, dass er später sein privates Sex-Video veröffentlichte, sonst hätte man ihm nie eine menschliche Regung zugetraut. In Nebenrollen sind einige damals unbekannte Darsteller wie John Cusack und Alan Ruck ("Ferris macht blau", 1986) zu sehen, deren Durchbruch kurz bevor stand.

Insgesamt ist CLASS eine unausgewogene, aber dennoch sehenswerte Mixtur für Nostalgiker und 80er-Fans. Neben Jacqueline Bissets Dauerwelle und Kunstpelzen, mit denen sie gelegentlich wie ein Transvestit wirkt, gibt es allerhand weitere Mode- und Designersünden zu bestaunen.

6.5/10

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