Sonntag, 25. August 2013

Vamp (1986)

Noch so einer, mit dem die Zeit nicht gut umgesprungen ist.

Richard Wenks VAMP (Vamp) versuchte Mitte der 80er, auf den erfolgreichen Zug der Horror-Komödien aufzuspringen. Der humorvolle Vampir-Grusler "Fright Night" (1985) hatte sich gerade als äußerst beliebt erwiesen, warum also nicht anstelle eines verführerischen männlichen Vampirs einen bizarren weiblichen Vampir (Grace Jones) präsentieren, der Jugendlichen das Blut aussaugt? Und wenn man schon dabei ist, könnte man doch Scoreses "Die Zeit nach Mitternacht" (1985) gleich mit verwursten! Gute Idee? Es geht so.

VAMP erzählt von zwei jungen Studenten (Robert Rusler und Chris Makepeace), die in eine hippe Studentenverbindung aufgenommen werden wollen und zu diesem Anlass losziehen, um zwei Stripperinnen für eine Party aufzugabeln. Da beide kein Auto haben, müssen sie die Dienste eines nerdigen Mitstudenten (Gedde Watanabe) in Kauf nehmen. Zu dritt fahren sie nachts in die schäbigste Ecke der Stadt und geraten in ein Strip-Lokal, das von Obervampirin Grace Jones und ihren untergebenen Blutsaugern betrieben wird. Bald schon müssen die Jungs um ihr Leben rennen. Aber aus dem Reich der Untoten gibt es kein Entkommen...

Wer jetzt automatisch an Robert Rodriguez' "From Dusk Till Dawn" (1996) denkt, dem sei gesagt, dass der Splatter-Kultfilm sich tatsächlich heftig bei VAMP bedient hat, zumindest inhaltlich. Visuell trennen die beiden Welten. Regisseur Richard Wenk und seine Kameraleute haben viel Freude daran, die nächtliche Parallelwelt, in welche die Studenten nach kurzem Auftakt in der Realität abrupt gestoßen werden, in knalligsten Neonfarben auszuleuchten, weswegen der Hauptteil des Films aussieht wie ein typisches Musikvideo der 80er. Das ist zwar ohne Frage hübsch anzuschauen, nutzt sich als Effekt aber auch schnell ab und hat den Film insgesamt furchtbar altern lassen. Heute fragt man sich, warum genau dieser Streifen eigentlich einen doch so hohen Bekanntheitsgrad hat, denn der Plot ist relativ lahm, wirklich witzig oder spannend wird es eigentlich nie, und das ewige Herumgerenne der Figuren durch die grüne und pinkfarbene Horror-Zwischenwelt ermüdet rasch.

Das Interessanteste an VAMP ist eher die Art, wie das nächtliche Vergnügungsviertel als schräge Parallelwelt geschildert wird, in der sämtliche Gesetze (auch die der Schwerkraft) ausgehebelt sind und die Szenerie ausschließlich von skurrilen und/oder bedrohlichen Gestalten bevölkert wird. Gelungen sind auch die handgemachten Spezialeffekte sowie der Strip-Auftritt von Grace Jones (die keine Zeile Text bekommt). Nach ihrer surrealen Tanzeinlage macht sich die exzentrische Diva gleich über den staunenden Robert Rusler her (so wie es Freddy Krueger kurz zuvor in "Nightmare 2 - Die Rache" vorgemacht hat - offensichtlich können Monster nicht die Finger von ihm lassen. Man kann es verstehen), was gleichermaßen erotisch und schaurig anmutet. Durch die offensichtliche Anspielung auf die seinerzeit grassierende AIDS-Hysterie (ungeschützter Sex mit Fremden = Tod) funktioniert VAMP hier auch als Horrorfilm ganz gut.

Leider verschwindet Rusler durch den Vampirbiss vorzeitig aus dem Film, und man bleibt mit dem langweiligen Chris Makepeace und seinem nervtötenden Sidekick Watanabe zurück, die bis zum Schluss durch Bodennebel und Disco-Lichter rennen. In einer Nebenrolle kann die hübsche Dedee Pfeiffer (die jüngere Schwester von Michelle) für ein bisschen Sex-Appeal sorgen und ist die mit Abstand sympathischste Figur im Film, doch das reicht bei weitem nicht, um VAMP unterm Strich zu einem bemerkenswerten Genre-Beitrag zu machen.

VAMP ist Fast Food-Kino der 80er, das heute allenfalls noch zum Schmunzeln anregt, und das von mir aus gerne in Vergessenheit geraten kann. Für Nostalgiker ist er einen Blick wert, aber an einen "Fright Night" kommt er mangels Ideen und Witz nie heran.

05/10

 Slave to the Rhythm - Grace Jones im 80er-Look in "Vamp"


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