Mittwoch, 21. August 2013

Stephen Kings "Es" (1990)

Angst vor Clowns?

Mit dieser Rezension werde ich mir vermutlich keine Freunde machen, aber ich werde es trotzdem mal angehen, denn die vielen positiven Reviews zum Film lassen mich doch eher ratlos zurück. Vorausschicken möchte ich, dass ich in der Jugend absoluter Stephen King-Fan war und alle Romane (zumindest in den 80ern, danach ermüdete meine Bewunderung aufgrund der vielen Wiederholungen in Kings Schaffen) verschlungen habe, und zwar so richtig mit Taschenlampe unter dem Bett und allem.
Kings wohl bekanntestes und meistgeliebtes Buch "Es" ist ein echter Mammutwälzer, der mich damals schon nicht unbedingt begeistert hat. Daraus überhaupt einen Film zu machen, schien lange Zeit unmöglich, bis schließlich ein dreistündiger Mehrteiler für das amerikanische Fernsehen produziert wurde. Die Regie führte Tommy Lee Wallace, der Horror-Fans bekannt sein dürfte, auch wenn er als Autor und Regisseur für mehrere Gurken wie "Halloween III" (1982) und "Fright Night 2" (1988) verantwortlich war.

Die Verfilmung hat mir seinerzeit ganz gut gefallen (wenn auch nicht vom Hocker gerissen) und genießt ohne Frage absoluten Kultstatus, aber bei erneuter Sichtung zeigten sich für mich doch so viele eklatante Schwächen und Längen, dass ich ihn  nur noch unter 'mittelmäßig' einordnen kann. Dabei will ich gar nicht den Roman zum Vergleich heranziehen. Dass viele Elemente der komplexen Geschichte dem Strich zum Opfer fallen mussten, war ohnehin klar und sollte niemanden ärgern oder überraschen.

STEPHEN KINGS ES (It) erzählt - in Kürze - von einer Gruppe Erwachsener, die aus allen Himmelsrichtungen in ihrer Heimatstadt reisen, wo sie als Kinder gegen ein Monster in Clowngestalt gekämpft haben. Damals schworen sie sich, sollte "Es" jemals wieder auftauchen, werden sie den Kampf ein weiteres Mal annehmen. Und wie es aussieht, treibt "Es" erneut sein Unwesen, und unsere Helden müssen sich den Ängsten ihrer Kindheit stellen...

Das ist ohne Zweifel eine fantastische Geschichte, die mehrere Jahrzehnte umspannt und mit vielschichtigen Themen arbeitet. Der größte Coup der Verfilmung ist die Besetzung von Tim Curry als Clown "Pennywise", die Verkörperung von "Es". Pennywise taucht gern hinter Wäschespinnen oder in Regenrinnen auf, um sich Kinder zu schnappen und aufzufressen. Tim Curry, der schon als 'Frank N. Furter' in der "Rocky Horror Picture Show" bizarr agierte, bekommt die mit Abstand erschreckendsten Momente im Film, die aber gleichzeitig grotesk-komisch sind. Hier wird Kings Fantasie sehr lebendig, und hier funktioniert ES als Horrorfilm ausgezeichnet (Currys erster Auftritt sorgt für echte Gänsehaut).
Der erste Teil, der die Kindheit der Außenseiter-Gruppe beschreibt, welche sich gegen Monster, prügelnde Eltern und halbstarke Schul-Proleten zur Wehr setzen muss, fällt überhaupt deutlich besser aus, zumal das Casting der Kinderdarsteller perfekt ist. Das kann man von den erwachsenen Schauspielern nicht durchweg behaupten. Zwar besitzen alle genügend TV-Erfahrung, aber ihr Spiel ist bestenfalls in Ordnung und kommt nicht an die Leistungen der Jungstars heran. Insbesondere Hauptdarsteller Richard Thomas ('John-Boy Walton' aus "Die Waltons" - das sind die, die sich immer "Gute Nacht" wünschen) fehlt es an Charisma.

Da es sich bei ES um einen TV-Film handelt, müssen natürlich auch bei der Darstellung von Gewalt und Terror Abstriche gemacht werden. Die Tricks und Effekte, von denen es viele gibt, halten den Film auf einem unterhaltsamen Level, waren aber schon damals nicht sonderlich überzeugend und sind noch schlechter gealtert. Das seltsame Spinnen-Monster, gegen das die Darsteller im Finale kämpfen müssen, scheint dann auch eher aus einem Werk Ed Woods zu stammen und sieht schlicht lächerlich aus. Der ultimative Fight, auf den die Story immerhin drei Stunden lang zusteuert, verkommt dadurch zu einer Monster-Muppetshow und verliert jede emotionale Wucht, die dieser 'Befreiungsschlag' der Gruppe eigentlich entfachen müsste.

Aufgrund der Beschränkungen des Mediums will sich auch kaum echte Atmosphäre einstellen. Zumeist ist alles hübsch bunt ausgeleuchtet und sieht heute sehr nach dem aus, was es ist - Fernsehen der 90er mit schlimmen Kostümen und Haarschnitten (besonders die der Männer, die ohnehin nicht sonderlich attraktiv anzuschauen sind, während Annette O'Toole eine ganz reizende Erscheinung ist - schade, dass ihre Karriere nie so recht in Schwung kam). Dafür kann der Film zwar nichts, weil er nunmal ein Produkt seiner Zeit ist, aber er hat sich dadurch eben auch nicht gut gehalten. Ein besserer Regisseur als Wallace, wie Romero oder Hooper (der immerhin "Salem's Lot" sehr gelungen fürs Fernsehen adaptiert hat), hätte wahrscheinlich auch visuell mehr aus der Geschichte herausgeholt.

Lange Rede, kurzer Sinn: für King-Fans ist ES auf jeden Fall zu empfehlen, weil hier eines seiner wichtigsten Werke zumindest teilweise adäquat umgesetzt wurde. Für sich genommen überzeugt ES allenfalls in den ersten 90 Minuten, bevor sich die Längen einschleichen. Das Wiedersehen war für mich eine Enttäuschung, aber die Massen von Bewunderern des Films sprechen eine deutliche Sprache. Da Stephen King in ES den Außenseiter feiert, bin ich in diesem Punkt aber gerne ein Sonderling. Mich haut ES nach wie vor nicht vom Hocker.
Sorry.

05/10

Kommentare:

  1. Mich hat beim erneuten Sichten vor kurzem gewundert aus wie viel geradezu klassischem, und damit meine ich eher abgenutztem, Hokuspokus "Es" eigentlich besteht, so dass ich mich gefragt habe, ob überhaupt noch irgendwer dem Charme des Films verfallen kann, der "Es" erst heute kennen lernt, ohne ihm in seiner Jugend verfallen zu sein. Die heute extrem billig wirkenden Tricks verstärken das holprige Grusel-Feeling sogar. Und das Spinnen-Finale ist nach wie vor ein Schlag ins Gesicht der enttäuscht.
    Aber ich persönlich mag den Film trotz aller berechtiger Kritikpunkte durchaus. Auch ich finde den Part mit den Kindern besser, kann mit John Boy im Cast der Erwachsenen jedoch recht gut leben. Allein dass John Ritter mitspielt finde ich eine gute Entscheidung. Lediglich Audra finde ich völlig unnötig eingebracht und lustlos gespielt, obwohl die Darstellerin einst die Scream-Queen aus "Black Christmas" war.
    Kurzum: so provokativ anders oder unberechtigt finde ich Deine Sichtweise von "Es" gar nicht. Wahrscheinlich hast Du Dich vom Film damals einfach nicht so einlullen lassen wie ich und manch anderer und schon immer erkannt, dass er gar nichts wirklich besonderes ist. Denn im Grunde besitzt er einen sehr simplen Kern, dessen Wirkung fast lediglich vom Charme seiner Charaktere und der Besetzung lebt. Aber genau diesem Charme bin ich nach wie vor, trotz Blick hinter die Kulissen, verfallen. :)

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  2. Bei Audra gebe ich Dir Recht, dabei mag ich Olivia Hussey sonst sehr gerne (sie war doch eine tolle Mama von Norman Bates in dem ansonsten überflüssigen "Psycho 4"). Und John Ritter mag ich auch seit "Three's Company", allerdings lieber in komischen Rollen.
    - Ja, man muss wohl damals einfach ein Faible für "It" gehabt haben oder nicht, anders kann ich mir nicht erklären, dass es so viele 10/10-Wertungen überall im Netz gibt. Gruß!

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