Freitag, 30. August 2013

Schizoid (1980)

Normalerweise war der selige Klaus Kinski ja auf Sozio- und Psychopathen abonniert, daher ist es zumindest mal eine schöne Abwechslung, wenn er in SCHIZOID ("Schizoid", oder auch "Murder by Mail") die Seite wechseln und einen Therapeuten spielen darf. So ganz geistig gesund scheint der aber auch wieder nicht zu sein...

In David Paulsens weitgehend uninteressantem Slasherbeitrag treibt sich ein irrer Schlitzer herum, der - mit schwarzen Handschuhen und Schere bewaffnet - die vornehmlich weiblichen Mitglieder von Kinskis Therapiegruppe niedermetzelt und einer Kummerkasten-Journalistin (Marianna Hill) Beicht-Briefe schickt.
Könnte hinter dem Killer der sanfte Ex-Mann (Craig Wasson, "Body Double", 1984) stecken, der die Trennung nicht verkraftet? Oder doch der einsame Handwerker (Christopher Lloyd in einer seiner seltenen seriösen Rollen, kurz bevor er den Flux-Kompensator entwickelte)? Ist es vielleicht der schwarze Glatzkopf, der Frau Hill bis zur Wohnungstür folgt (nein, denn der stellt sich gleich darauf als kreischende Tunte heraus, womit der Film sich in nur einer Szene gleichzeitig als rassistisch und homophob entlarvt - Applaus!)? Oder sitzen beim Ex-Edgar Wallace-Butler Kinski doch wieder die Schrauben etwas locker?

Fragen über Fragen, deren Antwort reichlich unspannend bleibt. SCHIZOID ist ein lahmer und uninspirierter Versuch, auf den Slasherzug aufzuspringen, ohne diesem einen nennenswerten Mehrwert zu verleihen. Hier werden lediglich die Formalitäten abgehakt. Regisseur Paulsen schert sich weder um Glaubwürdigkeit noch um Atmsophäre. Die Morde sind durchschnittlich blutig, die Schocks halten sich sehr in Grenzen und sind teilweise ungeschickt inszeniert. Der Whodunit funktioniert ganz gut, da sich alle männlichen Darsteller so merkwürdig verhalten müssen, dass jeder von ihnen als Täter in Frage kommt.

Kinskis Anwesenheit sorgt natürlich für einen gewissen (nämlich den einzigen) Reiz, und der berüchtigte Exzentriker spielt seinen Therapeuten anfangs überraschend zurückhaltend. Das ändert sich allerdings schnell, wenn sein bekanntester Manierismus - von jetzt auf gleich völlig auszurasten und augenrollend herumzubrüllen - durchschlägt und sich alle paar Minuten, zuverlässig wie eine Schweizer Kuckucksuhr, wiederholt. Sein Englisch ist hier so schlecht, dass es unfreiwillig komisch wird, und ohne Kinski hätte der Film nicht mal diesen Trash-Faktor, der ihn rudimentär unterhaltsam macht.

Die Frauen im Film fliegen übrigens alle auf Kinski. Das war wohl auch im wahren Leben so und bleibt mir ein ewiges Rätsel, aber über Geschmack lässt sich ja nicht streiten. Die Mitglieder seiner Therapiegruppe überschlagen sich jedenfalls, von ihm die Finger in den Mund gesteckt zu bekommen, befummelt oder gleich im Stehen penetriert zu werden, ohne dass er auch nur den Anzug ablegen würde. Glücklicherweise befinden sich nur attraktive junge Damen in der Therapie (und sitzen schon mal zusammen im Whirlpool), und gottseidank ist eine von ihnen zufällig auch noch Stripperin von Beruf, so kann SCHIZOID auch noch ein paar nackte Brüste präsentieren und sich im Sleaze suhlen. Nicht, dass das sonderbare, nach Inzest schreiende Verhältnis von Kinski zu seiner Filmtochter, die zum Abendbrot die Negligés der verstorbenen Mama aufträgt und mit Schokopudding um sich schmeißt, alleine nicht  ausreichen würde.

Was Kinskis amerikanische Horrorfilme angeht, ist "Killerhaus" (Crawlspace, 1986) auf jeden Fall empfehlenswerter, weil der viel abstruser, geschmackloser und daher wesentlich unterhaltsamer ausgefallen ist. SCHIZOID kann nicht mal als Slasher-Beitrag wirklich überzeugen und war bislang auch schwer aufzutreiben. In den USA ist der Film soeben auf Blu-Ray veröffentlicht worden, als Double Feature mit (dem wesentlich besseren) "X-Ray - Der erste Mord geschah am Valentinstag" (1982).

3.5/10


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