Samstag, 3. August 2013

Hotel zur Hölle (1980)

In Farmer Vincents Räucherfleisch stecken jede Menge guter Zutaten - unter anderem auch die Gäste seines Motels, das er irgendwo in der Einöde führt, und dessen Name 'Motel Hello' sich gern in 'Motel Hell' verwandelt, weil das 'O' der Leuchtreklame ständig flackert. Vincent (Rory Calhoun) lebt hier zusammen mit seiner Schwester Ida (Nancy Parsons). Im Garten seines Grundstücks baut er neben Obst und Gemüse auch Durchreisende an, die lebendig bis zum Hals dort vergraben sind und nicht nur guten Dünger abgeben, sondern auch den besonderen Geschmack ins Räucherfleisch bringen...

HOTEL ZUR HÖLLE (Motel Hell) wurde von Kevin Connor auf dem Höhepunkt der Slasher-Welle inszeniert und bewegt sich irgendwo zwischen Splatterfilm, schwarzer Komödie, Parodie und Satire. Er nimmt Vorbilder wie "The Texas Chainsaw Massacre" (1974) oder "The Last House on the Left" (1972) auf die Schippe und besitzt wegen seines extrem bizarren Einfalls der eingebuddelten Opfer, denen Farmer Vincent die Stimmbänder herausoperiert hat, damit sie nicht schreien können (und deswegen nur ein sehr unangenehmes Gurgeln von sich geben), einen beachtlichen Kultstatus. Ich persönlich konnte mit HOTEL ZUR HÖLLE nie wirklich viel anfangen und kann ihm auch nach erneuter Sichtung nicht mehr abgewinnen. Er ist weder wirklich komisch noch spannend, das Tempo geht durchweg gegen Null, und die Figuren sind uninteressante Abziehbilder - oder eben Parodien uninteressanter Abziehbilder aus ähnlichen Werken. Der Film weist außerdem wegen seines Settings starke Ähnlichkeiten zu Tobe Hoopers "Blutrausch" (1977) auf, in dem Tobe Hooper bereits selbst ironisch mit seinem Texas-Meisterwerk umgeht, und der im Vergleich deutlich besser abschneidet.

In der Hauptrolle schlägt sich Rory Calhoun als Farmer Vincent wacker, aber wenn man bedenkt, dass er 30 Jahre zuvor an der Seite von Marilyn Monroe und Robert Mitchum im Klassiker "Fluss ohne Wiederkehr" (1954) mitspielte, ist das schon ein ganz schöner Abstieg. Den Sprung zum Top-Star hat er nie geschafft, weswegen er sich die Rente mit Filmen wie diesem (oder Gastauftritten bei "Hart aber herzlich") aufbessern musste. Als Vincents übergewichtige Schwester führt Nancy Parsons ein Schmierentheater auf und wird vom Film als 'fette Lesbe' denunziert, was nicht wegen der Unkorrektheit sauer aufstößt, sondern wegen der Einfallslosigkeit.

Inszeniert wurde HOTEL ZUR HÖLLE von Kevin Connor, der nach mehreren Trashfilmen (wie "Caprona - Das vergessene Land") für die große Leinwand beim Fernsehen landete, wo er heute noch bombig im Geschäft ist und einen Film nach dem anderen dreht.
Warum genau HOTEL ZUR HÖLLE so viele Fans hat, erschließt sich mir nicht wirklich. Ich bin bei zwei Versuchen eingeschlafen und konnte mich auch jetzt nur mühsam wach halten. Sehenswert ist lediglich das Finale, wenn Farmer Vincent in einer grotesken Schweinemaske im Schlachthaus zum ultimativen Kettensägen-Duell gegen seinen jüngeren Bruder antritt, während eine junge Schönheit - gefesselt an ein Förderband - unaufhaltsam in Richtung rotierender Fleischsäge rollt. Das ist Grand Guignol vom Feinsten. Bis dahin aber sollte man sich Streichhölzchen in die Augen stecken, sonst könnte man es sanft schlummernd verpassen.
Was mordgierige Hinterwäldler angeht, ist mir ein kleiner, feiner "Tourist Trap" (1979) zehnmal lieber.

4.5/10

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