Sonntag, 18. August 2013

Die Hölle der lebenden Toten (1980)

Okay, hier haben wir einen ernsten Kandidaten für den schlechtesten Zombie-Film aller Zeiten - trotz der vielen Fans des Films, die sich heulend im Netz über die vielen bösen Verrisse ihres Lieblings beschweren.
DIE HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN ("Hell of the Living Dead", auch bekannt als "Virus" oder "Zombie Creeping Flesh") ist nicht nur simpler Trash, sondern Trash vom Boden des Müllcontainers. Dass diese Tatsache nicht zwangsläufig bedeutet, man könne nicht viel Spaß mit dem Film haben, versteht sich von selbst, und wer nach Charakterisierungen, Plot, Logik, Schauspieltalent oder Regieleistung sucht, ist hier ohnehin im falschen Film.

Worum geht es? Aus einer Chemiefabrik irgendwo in der Nähe des Dschungels in Neuguinea entweicht eine radioaktive Wolke, die aus Lebenden zunächst Tote und dann lebende Tote macht. Ein vierköpfiges SWAT-Team, das gerade eine Geiselnahme blutig beendet hat, trifft im Dschungel auf eine fesche Reporterin und ihren Kameramann. Verzweifelt kämpfen sie gegen die Horde Zombies, die durchs Dickicht torkelt, bis sie schließlich das Chemiewerk erreichen, wo alles begann...

Bruno Mattei (im Vorspann "Vincent Dawn" genannt - Anspielung erkannt?) hat dieses Rip-Off auf dem Höhepunkt der Zombie-Welle inszeniert und bedient sich bei Romeros "Dawn of the Dead" (1978), als gäbe es kein Morgen. Da werden nicht nur Handlungsstränge geklaut, nein, sogar die Kostüme werden kopiert, es gibt einen Tom Savini-Doppelgänger, und die Musik von Goblin wurde einfach mal aus Romeros Werk...äh... übernommen (die Rechte daran wurden flugs nach Klage-Androhung seitens der Musiker von der Produktion besorgt, weswegen Goblin jetzt im Vorspann erwähnt werden, obwohl die Band keine Minute am Film gearbeitet hat). Glücklicherweise ist der Score so gut, dass er auch hier funktioniert und dem billigen Ramschfilm wenigstens ein bisschen Klasse verleiht, während Batterien von Zombie über die schlechten Darsteller herfallen.
Die Untoten sehen aus, als würden sie entweder unter Tage arbeiten, oder als hätte man ihnen schwarze Schuhcreme ins Gesicht geschmiert. Die Spezialeffekte sind blutig und weitgehend überzeugend - außer im Finale, wenn die Überlebenden in der Chemiefabrik allesamt von Zombies überrollt werden (ups, Spoiler, sorry) und der Hauptdarstellerin erst die Zunge aus dem Mund gezogen und dann die Augäpfel - plopp - von innen (!) aus dem Kopf gedrückt werden. Da musste leider eine arme Schaufensterpuppe dran glauben.

Um die Hauptdarstellerin ist es im übrigen auch nicht schade, denn die spielt von Anfang an immer nur das gleiche - jedesmal, wenn sie über Leichen oder Zombies stolpert (was ca. alle fünf Minuten passiert), steht sie da, reißt die Augen auf und kreischt sich die Seele aus dem Leib (siehe unten). Nur einmal verkleidet sie sich als Urwaldgöttin, um ungeschoren in ein Eingeborenendorf zu kommen. Dafür zieht sie schnell ein neckisches Röckchen aus Blattwerk über und bepinselt sich den nackten Luxuskörper mit Farbe. Den Trick kennen wir schon von Black Emanuelle, Ursula Andress und anderen Kannibalenfilm-Heroinen, aber fürs Überlebenstraining ist das eine sehr wichtige Lektion - wenn du in den Dschungel gehst, vergiss' die Fingerfarbe nicht, dann landest du auch nicht im Kochtopf. Die Ureinwohner setzen der Heldin dann noch einen Gipskopf auf, mit dem sie wie ein ZDF-Mainzelmännchen aussieht.

Apropos Dschungel: DIE HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN ist bekannt, bzw. berüchtigt, für den Einsatz von haufenweise Stock Footage aus irgendwelchen Natur-Dokumentationen, weswegen sämtliche Aufnahmen von Flora, Fauna und Eingeborenenritualen filmisch nicht zu den fiktionalen Teilen passen wollen (weil völlig anderes Filmmaterial verwendet wurde), den Film aber mühsam auf die nötige Lauflänge bringen. Das ist so haarsträubend dreist und billig, dass man schon wieder applaudieren möchte.

Aber ich will nicht nur meckern. DIE HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN bietet gleich zu Beginn einen schön-scheußlichen Moment, wenn eine untote Ratte in den Schutzanzug eines Chemiewerk-Angestellten kriecht und sich dort sozusagen durchbeißt. Später gibt es noch ein sehr geiles Zombie-Kind mit dem fiesesten Zombie-Kinder-Blick der Splatter-Filmgeschichte, sowie eine Zombie-Oma. Dass beide von Maschinenpistolen durchlöchert werden, ist nicht nett, passt sich aber der inneren Logik des Films an, nach der zwar schnell allen Beteiligten klar wird, dass man die Zombies nur per Kopfschuss erledigen kann, die bewaffnete Guerilla aber trotzdem fröhlich weiter auf Brustkörbe und Bäuche zielt, weil das schönere Einschusslöcher macht. Am Ende haben die Zombies dann gewonnen, aber das ist wahrlich keine Überraschung, wenn man die vielen Vorbilder kennt, bei denen sich der Film bedient (dazu gehören natürlich auch Fulcis Werke).

Letzten Endes ist es eine Frage von persönlichem Geschmack. Ich liebe ja Lenzis "Großangriff der Zombies" (1980) und dürfte schon deshalb Matteis Film nicht kritisieren, weil er im Grunde kein bisschen besser ist. Trotzdem fehlen mir hier Tempo, Spannung und die wirklich absurden Einfälle. Das Herumgerenne im Dschungel und in irgendwelchen Baracken wird schnell unglaublich öde, und das immer gleiche Kreisch-Gesicht der Hauptdarstellerin, die auch in größten Gefahrensituationen ständig nur herumsteht und sich von Kerlen mit Mega-Wummen retten lassen muss, geht mir mörderisch auf den Keks. Kann die nicht selbst mal eine Waffe in die Hand nehmen? Gaylen Ross hat es doch in "Dawn of the Dead" vorgemacht! Wenn man schon so schamlos bei Romero klaut, warum dann nicht die guten Einfälle?

04/10


Hilfe, die Zombies kommen, da kreisch ich doch mal!
Margit Newton in "Die Hölle der lebenden Toten"



Kommentare:

  1. Gleichberechtigte Frauen in einem italienischen Horrorfilm zu dieser Zeit? Wovon träumst Du nachts? Das gab es nur bei Argento.

    "Die Hölle der lebenden Toten" ist einer dieser Kandidaten, bei denen mir eine Neusichtung schwer fällt, ich schieb sie noch immer vor mich hin, und Dein Artikel macht deutlich warum dies auch berechtigt ist. Unfreiwillige Komik ja, aber zu wenig um nicht zu sehr angeödet zu werden. Genau das hatte ich befürchtet und habe nun einen weiteren Grund die Zweitsichtung zu verzögern. Dabei war meine Erstsichtung in den 90er Jahren und ein Wiedersehen ist somit längst überfällig. *g

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  2. Das ging mir genau so! Aber nachdem ich in letzter Zeit so viele positive Rezensionen las (von wegen 'unterschätzt', 'missverstanden', etc.), musste ich mir den Film doch noch mal antun. Nun reicht es aber auch. Mit dem freunde ich mich in diesem Leben nicht mehr an. Vielleicht im nächsten, untoten... :-) Gruß!

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