Sonntag, 14. Juli 2013

Wild Things (1998)

Was könnte besser zum Sommerwetter passen als dieser kleine, heiss-feuchte Erotik-Thriller, der ein ziemlicher Überraschungs-Hit der späten 90er war?
WILD THINGS (Wild Things) wurde von Kritikern eher belächelt, hat aber sein Publikum sowie zwei Fortsetzungen gefunden und ist intelligenter als man glauben würde, wenn man sich die Namen der Beteiligten anschaut. Das gilt natürlich nicht für Regisseur John McNaughton, dem mit "Henry - Portrait of a Serial Killer" (1986) ein Geniestreich gelang, und der dieser Geschichte um Sex, Gier und Mord ein paar schwarzhumorige Kanten verleiht.

WILD THINGS erzählt von einem attraktiven Sportlehrer (Matt Dillon), der von einer Schülerin aus reichem Hause (Denise Richards) der Vergewaltigung bezichtigt wird. Mit Hilfe eines schmierigen Anwalts (Bill Murray) kann er seinen Namen vor Gericht reinwaschen, doch dann mehren sich plötzlich Zweifel an seiner Unschuld. War das Ganze vielleicht ein abgekartetes Spiel, um an eine große Geldsumme zu kommen? Und wer war alles an dieser Intrige beteiligt? Der ermittlende Cop (Kevin Bacon) versucht verzweifelt, Licht ins Dunkel zu bringen. Oder steckt er selbst tiefer drin als man denken würden?

WILD THINGS beginnt mit einem rasanten Kameraflug über die malerischen Sümpfe Floridas, und ein Krokodil blinzelt listig unter dem Filmtitel aus dem Wasser heraus - der perfekte Kommentar zum folgenden Thriller, in dem nichts ist, wie es zu sein scheint, und wo dunkelste Abgründe hinter schönen Fassaden lauern. John McNaughton und sein Kameramann Jeffrey Kimball folgen einschlägigen Vorbildern à la "Body Heat" (1981) und sorgen für eine überzeugend schwüle Sommer-Atmosphäre, die man förmlich spüren kann. Der Schauplatz der Handlung ist dabei ebenso doppelbödig wie seine Charaktere - auf der einen Seite die Yachten und Designer-Häuser der High Society, und gleich nebenan am Rand der Stadt der Trailer-Park, heruntergekommene Spelunken und zahnlose Opas, die Touristen altersschwache Alligatoren präsentieren.
Heruntergekommen sind auch die Figuren, die allesamt Dreck am Stecken haben. Das Drehbuch schlägt so viele Haken, dass man als Zuschauer stets im Unklaren über die Motive der Charaktere bleibt, und immer wenn man meint, das Geschehen durchschaut zu haben, wird man wieder übers Ohr gehauen. Man denkt unwillkürlich an Thriller wie "Masquerade" (1992), und wer den mochte, wird auch hier seine Freude haben.

Die Darsteller haben ebenfalls sichtlich Spaß und sind interessant gegen den Typ besetzt. Die sonst so brave Neve Campbell darf hier überraschend böse agieren (auch wenn man ihr den Trailerpark-Abschaum nicht wirklich abnimmt), Matt Dillon wird als harmloses Opfer einer gemeinen weiblichen Intrige eingeführt, offenbart dann aber immer finstere Seiten. Die beste schauspielerische Leistung zeigt (wie so oft) Kevin Bacon, dessen Figur gleich mehrfach um 180 Grad gedreht wird, und die absolute Abräumer-Rolle bekommt Bill Murray, der mit nur wenigen Szenen den Film schamlos an sich reißt und alle Partner an die Wand spielt (ganz besonders Matt Dillon).
Denise Richards ist hier zur Abwechslung perfekt besetzt als verzogenes Kunstpüppchen aus besseren Verhältnissen, der man schon deshalb nicht über den Weg trauen sollte, weil ihre Mutter von Theresa Russell gespielt wird, die als "schwarze Witwe" (1987) diverse Kerle um die Ecke brachte. Richards sorgt dann auch für die nötige Erotik, die allerdings immer im züchtigen Rahmen bleibt, um das anvisierte Teenager-Publikum nicht zu verschrecken. Da ist ein Zungenkuss zwischen Richards und Campbell schon das höchste der Gefühle.

Erwähnt werden muss noch der originelle Abspann, in dem wir zwischen den Titeln genau die Schlüsselszenen zu Gesicht bekommen, die der Film zuvor weglassen musste, damit die überraschenden Wendungen funktionieren. Alle noch offenen Fragen werden hier beantwortet. Ein netter Gimmick, den es in der Form noch nicht gab.

Natürlich ist WILD THINGS letztlich nichts weiter als ein harmloser Spaß, der ohne Substanz bleibt, und in dem sich die Figuren immer der Konstruktion unterordnen müssen. Für spannende, abwechslungsreiche Unterhaltung mit Augenzwinkern ist aber gesorgt. Und dazu gibt es noch eine feucht-fröhliche Autowasch-Sequenz, in der Denise Richards und Kollegin in klatschnassen T-Shirts und Shorts Matt Dillons Stoßstange aufpolieren. Hat was.

7.5/10

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