Donnerstag, 11. Juli 2013

Ladies' Club (1987)

In den amerikanischen Komödien der 80er waren vor allem Yuppies die Helden. Wer erfolgreich im Job war, auf der Karriereleiter nach oben purzelte und graue Maßanzüge mit Schulterpolstern und Aktenköfferchen trug, hatte es geschafft. Viel Geld zu verdienen, dabei aber sein Herz zu behalten (keine Pflicht), das war das Mantra der Dekade. So erklärt sich auch ein Film wie LADIES' CLUB (The Women's Club), in dem sich die Hauptfigur für Geld sogar prostituiert. Wie gut, dass es sich dabei um einen Mann handelt, denn die gleiche Geschichte mit einer weiblichen Protagonistin wäre wohl kaum so gleichgültig behandelt worden wie diese schlüpfrige Frauenfantasie, die kaum mehr als Achselzucken verursachte.

Michael Paré spielt den erfolglosen Hollywood-Drehbuchautor Patrick, dessen Bücher sich nicht verkaufen, und dessen Beziehung zu der (todlangweiligen) Freundin in die Brüche geht, und zwar beides aus demselben Grund: Patrick versteht nichts von Frauen. Das ändert sich, als er die erfolgreiche Business-Lady Maud Adams trifft, die ihn flink vernascht und gleich an ihre High Society-BFFs weiterreicht. Schon bald wird Patrick zum gefragtesten Callboy der Stadt. Als die Damen aber dahinterkommen, dass er die Treffen heimlich auf Band aufnimmt (um sie für seine Bücher zu verwenden), geraten die Ladies in Aufruhr...

Regisseurin Sandra Weintraub hat diese Sexkomödie mit vertauschten Geschlechterrollen leider ohne viel Esprit und Witz in Szene gesetzt, dabei ist die Idee gar nicht so übel, einen Mann von Frauen ausbeuten zu lassen. Das Amüsanteste sind noch die erotischen Begegnungen Patricks mit seiner Kundschaft, bei denen er wahlweise als Sklave ans Bett gefesselt oder in Whirlpools bestiegen wird. Für alle Freunde des 'Sploshings' gibt es ein romantisches Candlelight-Dinner, bei dem Patricks Klientin lüstern über eine reich gedeckte Tafel kriecht und sich dabei mit Wackelpudding und Sahnetorte einschmiert, während er an einem Hühnchenbein knabbert. Da hat wohl jemand zu oft "9 1/2 Wochen" (1986) gesehen.
Der Rest ist mehr oder weniger vorhersehbar, und am Ende muss der Callboy eine schmalzige Ansprache vor versammelter Damenmannschaft halten und verkünden, dass sie alle doch ziemlich viel Spaß hatten, dann ist ihm auch keiner mehr böse. Die öde Freundin kriegt er noch obendrauf, und über Frauen weiß er nun Bescheid. Klappe zu, Affe tot. Naja.

Die Besetzung ist gar nicht mal so schlecht. Michael Paré war nach "Straßen in Flammen" (1984) und "Das Philadelphia Experiment" (1984) ein vielversprechender Newcomer und sieht hier durchweg sexy aus, aber der große Durchbruch sollte für ihn nie kommen. Hauptdarstellerin Maud Adams war immerhin zweimal Bond-Girl ("Octopussy" und "Der Mann mit dem goldenen Colt") und kann als coole Managerin des Auftragslovers, die heimlich in ihr 'Geschöpf' verliebt ist, durchaus überzeugen. Schade nur, dass der Film lediglich die Klischees bedient anstatt satirisch mit ihnen umzugehen. Witzig wird er höchstens mal, wenn Parés bester Freund auftaucht, ein strunzdummer, aber sympathischer Latino, der sich als Kleindarsteller durchschlägt und im späteren Verlauf für Paré als Deckhengst einspringen muss.

Ansonsten ist LADIES CLUB zwar ganz unterhaltsam anzuschauen, aber zu Recht vergessen. Für eine Sexkomödie ist er insgesamt viel zu brav, aber was will man von einem amerikansichen Film zum Thema auch verlangen? Von LADIES CLUB gibt es übrigens auch eine Teenager-Variante namens "Loverboy" (1989), in der Patrick Dempsey einen Schüler spielt, der sich nebenbei als Pizzalieferant und Callboy (für u.a. Kirstie Alley und Carrie Fisher) verdingt. Der funktioniert im direkten Vergleich besser als die erwachsene Version. 

05/10

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