Freitag, 5. Juli 2013

Hard Rain (1998)

Über HARD RAIN (Hard Rain) wird sich nach dem diesjährigen Hochwasser womöglich nicht jeder amüsieren. Die Mischung aus Katastrophenfilm und Action-Thriller lockte allerdings schon seinerzeit kaum Leute ins Kino, und die Kritiker verrissen das Regiedebüt des Kameramanns Mikael Salomon in Grund und Boden. Natürlich ist der Film von vorne bis hinten albernes Entertainment, aber er ist auch nicht schlechter als manch anderer Beitrag des Genres und kann absolut Spaß machen, wenn man in der richtigen Stimmung dafür ist - und gerne Schauspieler in nassen Klamotten sieht.

Worum geht es? Christian Slater spielt den Fahrer eines Geldtransporters, der bei einem Überfall durch eine von Morgan Freeman angeführte Bande zuerst seinen Onkel (Edward Asner) verliert und dann mit dem Geld um sein Leben läuft. Dumm nur, dass ausgerechnet an jenem Tag die Stadt nach heftigen Regenfällen überflutet ist und evakuiert wurde. Als dann auch noch der örtliche Staudamm zu brechen droht, eskaliert die Situation...

HARD RAIN ist vor allem eins - konsequent. Von der (schlecht) animierten Vorspannsequenz bis zum Abspann schüttet es ununterbrochen wie aus Eimern auf die armen Darsteller herab. Regisseur Mikael Salomon hatte schon Erfahrung mit Wassermassen, er hat immerhin James Camerons "The Abyss" (1989) fotografiert. Und in heutigen Zeiten, in denen CGI-Rechner sämtlichen inszenatorischen Aufwand übernehmen, ist es doch schön zu sehen, wie hier wirklich hart von allen Beteiligten mit den Fluten gearbeitet wird - wobei man einige Darsteller wahrlich nicht beneidet (und sie selbst wahrscheinlich nach einigen Drehtagen ihre Zusage bitter bereut haben).

Dass die Charaktere nicht allzu interessant sind, macht bei diesem Szenario nichts, es sind halt genau die Typen, die man in einem Katastrophenfilm erwartet. Da gibt es die ambitionierte Restauratorin (Minnie Driver), die gerade eine Kirche instandgesetzt hat und nun zusehen muss, wie ihre Arbeit im wahrsten Sinne den Bach runtergeht, dazu den frustrierten Sheriff (Randy Quaid), der von allen Einwohnern gehasst wird, einen jugendlich-tölpelhaften Deputy und ein altes Zausel-Ehepaar (Richard Dysart und die wunderbare Betty White, uns allen bekannt als 'Rose' aus den "Golden Girls"), das sich weigert, die Stadt zu verlassen, obwohl diese bereits halb unter Wasser steht. Das Paar wird übrigens am Ende des Films seltsamerweise vergessen. Nachdem beide mit einem Paddelboot durch den Regen unterwegs waren, erfahren wir nicht mehr, welches Schicksal sie erlitten haben.

Christian Slater, der auch als Co-Produzent fungiert (das Geld hätte er lieber auf dem Sparbuch gelassen, denn HARD RAIN hat kaum seine Kosten wieder eingespielt), bewirbt sich mit dem Film um den Titel des 'Mr. Wet T-Shirt' und ist ein sympathischer Held. Die Chemie mit Partnerin Minnie Driver stimmt, und das Drehbuch bemüht sich, seine Figur in dem abgeschlossenen Setting vor immer neue Herausforderungen zu stellen. Er muss das Geld verstecken, Kugeln ausweichen, wird von Jet Skis durch eine leere Schule gejagt und wechselt dabei mehrfach die Verbündeten. Befindet er sich anfangs noch auf der Flucht vor Morgan Freemans Drecksbande, rennt (und schwimmt) er kurz darauf mit Freeman vor dem Sheriff davon, der sich überraschend als wahrer Bösewicht entpuppt (ups, Spoiler, macht aber nix), bis es auf dem Dach eines davonschwimmenden Hauses zur ultimativen Ballerei kommt - inklusive einer sehr schönen Einstellung, in der ein Regentropfen in Zeitlupe auf dem Lauf der letzten abgefeuerten Waffe landet (Tzzzzisch...).

Die Stunts im Film sind erste Sahne (besonders der Jet Ski-Fahrer, der während der Jagd durch die Schule gegen eine Treppe rast und kopfüber in eine Trophäenvitrine fliegt), und Mikael Salomon hetzt das Publikum von einer Suspense-Sequenz zur nächsten. In der besten muss Slater aus einer Gefängniszelle entkommen, während das Wasser bis zur Decke steigt. Da hält man gern selbst mal die Luft an, wenn sämtliche Versuche scheitern und er schließlich durch ein Metallrohr atmet, bis ihn... nein, ich will nicht zu viel verraten.

Natürlich ist HARD RAIN kein filmisches Juwel. Der Humor ist gelegentlich gewöhnungsbedürftig (wie eine frühe Unterhaltung über Ohrenhaare), einige Nebenfiguren sind schlimme Klischees (der schwarze Gangster, der ständig Bibelsprüche zitiert, weil er entweder "Die Nacht des Jägers" oder "Pulp Fiction" einmal zu oft gesehen hat), und der begrenzte Schauplatz hat sich irgendwann abgespielt. Trotzdem, HARD RAIN ist nette, harmlose B-Unterhaltung (vergleichbar mit einem "Octalus", 2000), die sich selbst für nichts Besseres hält. Mir ist das hundertmal lieber als Actionfilme, die sich selbst zu ernst nehmen oder glauben, sie hätten Tiefschürfendes über das Leben zu erzählen.
Bei HARD RAIN sieht man die Schwerarbeit, die die Darsteller leisten, das Tempo stimmt, und dazu gibt es noch einen wuchtigen Soundtrack von Christopher Young. Und Christian Slater im nassen T-Shirt ist alles andere als ein schlimmer Anblick. Wirklich, was gibt es da zu meckern?

7.5/10

Kommentare:

  1. Ich war damals sehr überrascht wie gut der Film funktioniert. Und Slater ist ohnehin immer wieder einen Blick wert.

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  2. Eben! Ich weiß gar nicht, was alle an dem auszusetzen haben. Gruß von Mathias

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