Mittwoch, 10. Juli 2013

Flanell No. 5 (1993)

Satin Chow (Morgan Fairchild) hat es nicht leicht. Ihr Ehemann geht fremd, sie wird von einem anonymen Telefonstalker belästigt, ihr Duschgel macht viel zu viel Schaum, und nun verliert sie bei der Vorstellung ihres neuen Parfums 'Puppy' auch noch ihren Geruchssinn - der Anfang einer tödlichen Krankheit, die nur durch die Transplantation eines olfaktorischen Nervs geheilt werden kann, für den sich ein Spender aus der Familie finden muss.
Doch wie sich zu Satins Überraschung herausstellt, wurde sie als Baby adoptiert (ihre Eltern sind Asiaten, was Satin zuvor nie aufgefallen ist), und von ihren leiblichen Schwestern Velour (Ricki Lake) und Schurwolle (Victoria Jackson) existiert nur ein Foto.
Satin macht sich auf die zermürbende Suche nach ihnen. Dabei helfen ihr ein Chauffeur namens Crack (Michael St. Gerard), dessen Name immer wieder für Verwirrung sorgt ("Crack?" - "Nein danke, jetzt nicht."), und der so schön ist, dass sich alle Menschen bei der ersten Begegnung in ihn verlieben, sowie der abgehalfterte Privatdetektiv Caprawolski (Dan Hedaya), dessen Name sich kein Schwein merken kann (er wird u.a. als Petrocelli, Cannelloni und Kowalski betitelt). Auch ihre beste Freundin Varda (Dyan Cannon) steht ihr zur Seite. Varda hat mehrere gescheiterte Ehen sowie eine Geschlechtsanpassung hinter sich, und ihr Sohn ist der gesuchte Oben-ohne-Tänzerinnen-Serienmörder, obwohl das niemand ahnt, selbst wenn er mit Strick in der Hand am Tatort aus dem Gebüsch taumelt...

Aus der Rubrik "Filme, die keiner kennt" stammt dieser TV-Film aus den frühen 90ern, der als FLANELL NO. 5 oder auch "Tödlicher Duft" auf VHS und in TV-Ausstrahlungen zu sehen war. Der Originaltitel "Based on an Untrue Story" macht schon deutlich, dass es sich hier um eine Parodie auf ähnlich gelagerte 'Movies of the Week' handelt, in denen meist Frauen um die 40 von Sucht und Krankheit heimgesucht werden, um nach langer Leidenszeit am Ende über ihr Schicksal zu triumphieren. Der Film selbst will so etwas wie "Die nackte Kanone" für Melodramen sein, aber an diesem schwierigen Grad aus Irrsinn und Satire sind schon ganz andere Werke grandios gescheitert.

FLANELL NO. 5 schlägt sich ganz gut, wenn man überhaupt nichts erwartet. Viele Gags sind komplett dämlich, eine Regie ist nicht erkennbar, aber die Darsteller sind in allerbester Blödel-Laune. Mit Michael St. Gerard und Ricki Lake hat FLANELL NO. 5 gleich zwei Schauspieler aus der John Waters-Liga dabei, und die Besetzung mit Morgan Fairchild und Dyan Cannon ist insofern passend, als beide Damen gern in den ernsthaften Vertretern des Schmonzetten-Genres mitwirkten und sich hier über ihr eigenes Image lustig machen können.

Neben ein paar echten Brüllern gibt es auch einige Beobachtungen über die typischen Klischees des Genres - so trägt Fairchild in jeder Szene ein neues, extravagantes Kostüm passend zur jeweiligen Situation, und selbst wenn ihre Figur am Boden zerstört ist, sitzt die Frisur perfekt. Sämtliche Schwierigkeiten sind absurd einfach zu überwinden (um ihre wegen Mordes verurteilte Schwester aus der Todeszelle zu bekommen, studiert Satin über Nacht Jura und kann in einer aufrüttelnden Gerichtsverhandlung das Todesurteil aufheben), und zum Finale gibt es ein schmalziges Happy End im Krankenhaus, bei dem sämtliche Haupt- und Nebendarsteller noch einmal zur Tür hereinkommen, um der Hauptdarstellerin viel Glück für die Zukunft zu wünschen. Vor dem Abspann tritt Morgan Fairchild dann noch einmal als sie selbst auf und weist auf eine Hotline hin, bei der sich interessierte Zuschauer über die Hintergründe der 'schrecklichen Krankheit' informieren können, die der Film gerade so realistisch geschildert hat.

Sehr gelungen ist auch der Werbespot für das ominöse Parfum 'Puppy' im Stil der Calvin Klein-Spots, und das vielleicht Beste am Film ist eine bizarre Nebenhandlung um ein Kleinkind (namens 'Nivea'), das in einen Recycling-Container in Beverly Hills gefallen ist, aus dem es in einer 'Großaktion' befreit werden muss, die mehrere Tage dauert, während Schaulustige herumstehen und die Medien alle fünf Minuten live von dieser 'erschütternden Tragödie' berichten, die 'Amerika in Atem hält'.

Ich habe FLANELL NO. 5 vor über fünfzehn Jahren mal zufällig im TV erwischt, als es mir gerade nicht besonders gut ging, und er hat mich trotz - und wegen - seiner oft blöden Gags zum Lachen gebracht. Seitdem hat der Film - obwohl er weißgott nicht gut ist - einen Sonderbonus bei mir. Wer mal reinschauen möchte, kann sich das Werk momentan noch auf Youtube komplett ansehen (unter dem Originaltitel und in sehr bescheidener Qualität). Auf DVD ist es bislang nirgendwo erschienen, und ich vermute, das wird es auch nie.

05/10 (objektive Wertung)
09/10 (sentimentale Wertung)

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