Freitag, 12. Juli 2013

Die Stewardessen Academy (1986)

Und hier noch ein kleiner Schundklassiker aus der untersten Humor-Schublade der 80er, wo dank des Erfolgs von "Police Academy" (1984) mehr Vollidioten in Ausbildungsberufen auf der Leinwand zu sehen waren als der durchschnittliche Kinogänger ertragen konnte. Und wenn man schon über vertrottelte Polizistenanwärter ablachen kann, wie komisch ist dann erst eine Komödie über saudumme Saftschubsen hoch über den Wolken, zumal man gleich noch das typische Katastrophenszenario à la "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" (1980) nachspielen kann?
Richtige Antwort: gar nicht! Es sei denn, man ist stark alkoholisiert, verrückt, oder man hat den Film 1988 auf abgenudelter VHS in der Videothek gesehen, in der ich gearbeitet habe, denn da hat er mal so richtig Spaß gemacht, wenn er zum Feierabend eingelegt wurde.

Der 'Plot' von DIE STEWARDESSEN ACADEMY (Stewardess School): mehrere Außenseiter - darunter ein kurzsichtiger Pilot, sein notgeiler Kumpel, eine athletische Domina (Sandahl Bergman), eine verzogene Göre aus reichem Haus, ein affektierter Schwuler, eine übergewichtige Ulknudel, ein sexhungriges Biest (Judy Landers, Schwester von Audrey, die in den 80ern so etwas wie eine Karriere hatte, auch wenn man es kaum glauben mag) und eine ungeschickte Schönheit (Mary Cadorette) melden sich bei der Stewardessen-Schule an und taumeln von einer Katastrophe in die nächste. Nach bestandener Ausbildung absolvieren sie ihren ersten Flug für die 'Stromboli'-Airlines, bei dem auch gleich ein Irrer mit Bombe an Bord ist...

Hui, sind die Witzchen schlecht in diesem Trash, der eindeutig zu der 'so schlecht, dass er schon wieder gut ist'-Kategorie gehört. Die deutsche Synchronfassung setzt allem noch die Krone auf, aber wirklich kaputtmachen kann die auch nichts mehr. Man fragt sich eher, ob diese Ansammlung stereotyper Charaktere eigentlich politisch total unkorrekt oder schon wieder liberal ist. Immerhin raufen sich ja hier sämtliche Minderheiten zusammen, helfen sich gegenseitig gegen sadistische Ausbilder und 'Normalos' und triumphieren am Ende als geschlossene Gemeinschaft gegen den Rest der Welt. Das hat doch was.

So ganz mag man den Film aber nicht wegen seiner Intelligenz bejubeln, wenn nach einer Bombenexplosion die übergewichtige Auszubildende mit ihrem Hintern in das entstandene Loch in der Bordwand gesaugt wird, wo sie wie ein Pfropfen stecken bleibt, bis die Maschine sicher gelandet ist. Oder wenn der halbblinde Pilot mal wieder seine Kontaktlinsen verliert und sich in die Mädchendusche verirrt, wo der Film schnell ein paar nackte Brüste ins Bild rückt, damit die pubertierenden Jungs was zu glotzen haben. Ein paar der Brüste gehören Sandahl Bergman, die schon in Bob Fosses Meisterwerk "All That Jazz - Hinter dem Rampenlicht" (1979) beim Tanz-Striptease begeistern konnte - wobei diese beiden Filme eigentlich nicht im selben Satz erwähnt werden sollten, ohne dass der Verfasser vom Blitz erschlagen wird.

Neben blanker Busen gibt es noch Sex-Witze im Überfluss, die zumeist auf das Konto der nymphomanischen Judy Landers gehen. Sehr witzig ist der panische Passagier, der bei Turbulenzen nur durch Oralverkehr von Judy ruhig gestellt werden kann, während die zickige Ausbilderin Notizen macht (Zitat der Crew: "Blasen schreibt man ohne H!"). Zum Glück sagt der später bei einer Gerichtsverhandlung für die Stewardessen aus und betont, dieser Flug sei der beste seines Lebens gewesen. Desweiteren bietet der Film eine Ladung blinder Passagiere (und zwar im buchstäblichen Sinn), ein Flugzeug, das ein Hochhaus streift (das waren noch Zeiten, als man in den USA darüber lachen konnte) und meinen absolut persönlichen Lieblingsmoment: um die Bombe zu entschärfen, bittet der schwule Flugbegleiter seine Kollegen um eine Haarnadel - mit der er seine Haare festklemmt ("Viel besser!"), bevor er weitermacht. Ein Brüller! Sorry, ich bin auch nur ein Mensch.

Ich will's mal so sagen. Ließ ich "Jenseits von Afrika" in der Videothek über die Monitore laufen, konnte ich mir in aller Ruhe den gesamten Film während der Arbeit ansehen. Wenn DIE STEWARDESSEN ACADEMY lief, waren sämtliche Exemplare des Films nach 15 Minuten ausgeliehen.Wer "Klimbim" mochte (und ich habe "Klimbim" geliiiiebt), wird auch hier unweigerlich seine Freude haben. Und das Beste: man braucht kein bisschen Verstand, um DIE STEWARDESSEN ACADEMY lustig zu finden. Vermutlich würde der sogar stören.


02/10 (objektive Wertung)
08/10 (80er Nostalgie-und Sentimentalitäts-Wertung plus Jugenderinnerungs-Bonus)



Sie sind jung, schön und toupiert! 
Die Mitglieder der "Stewardessen Academy"


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