Montag, 15. Juli 2013

Der Bohrmaschinenkiller (1978)

Oje, was habe ich diesen Film in den 80ern gesucht, weil doch das Videocover in der örtlichen Videothek einen hübschen Splatterfilm mit kreativen Morden versprach. Leider war die einzige Kopie aber immer verliehen (mit anderen Worten, jemand hatte sie einfach nicht wieder abgegeben und dreist behalten), weswegen ich als jugendlicher Horror-Freak immer mehr ins Sabbern kam und diesen Streifen unbedingt sehen musste.
Es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis ich endlich eine schundige Version erwischte (ich glaube, es war eine niederländische Kopie mit griechischen Untertiteln oder sowas ähnliches). Heute ist der Film natürlich auf DVD in bester Qualität frei erhältlich, und DER BOHRMASCHINENKILLER (The Toolbox Murders) besitzt so etwas wie Kultstatus, aber er hat weder den noch mein jahrelanges Lechzen verdient, denn er ist einfach nur von vorne bis hinten schrecklicher Trash.

Die 'Handlung' ist schnell erzählt. Eigentlich würde es auch reichen, den Titel noch einmal zu nennen. Ein Irrer (Cameron Mitchell) mit Mutterkomplex und brandneuem Werkzeugkasten ermordet in einem Apartmenthaus junge Frauen. That's All, Folks.

DER BOHRMASCHINENKILLER rückt die recht blutigen, aber nicht sensationell splattrigen Morde gleich zu Beginn schön nacheinander ins Bild, wobei er es auch noch schafft, diverse nackte Brüste einzufangen, um auch die Sleaze-Abfahrt nicht zu verpassen. Die Spezialeffekte sind irgendwie ok und nicht besonders drastisch (Tom Savini war noch nicht verfügbar), die wohlgeformten Opfer stehen gern kreischend vor dem Wandteppich oder liegen in der Badewanne und warten darauf, dass der Killer sie zu Tode dübelt. Die Wahl der Waffen ist dabei das einzig kreative Element des Films, aber schließlich gibt so ein Werkzeugkasten ja auch allerhand her. Streng genommen ist DER BOHRMASCHINENKILLER also ein Slasherfilm, bevor es Slasherfilme überhaupt gab. Innovativ kann man ihn aber weißgott nicht nennen.

Ansonsten herrscht geballte Inkompetenz. Weder ist der Thriller spannend, noch gibt es eine einzige interessante Figur. Nach den anfänglichen Morden herrscht gähnende Langeweile, während die Polizei 'ermittelt' (was hier bedeutet, dass sie irgendwelchen Leuten irgendwelche Fragen stellt), und bis das Finale eingeläutet wird, ist man entweder bereits eingeschlafen oder hat genervt abgeschaltet. Ein Film für die Schnellvorlauftaste.
Die Schauspieler sind nicht der Rede wert, einzig Cameron Mitchell in der Rolle des Mörders mit Omas Strickmütze ist zu bedauern. Immerhin hat er mal in Klassikern wie "Wie angelt man sich einen Millionär?" (1954) an der Seite von Monroe und Bacall gespielt - sowie in Bavas "Blutige Seide" (1968). Hier aber chargiert er, bis der Arzt kommt und hat einige wirklich peinliche Momente, für die das Wort "fremdschämen" nicht ausreicht, um sie zu beschreiben, darunter die Gesangseinlage eines Kinderliedes über Muttis Liebling und einen Lutscher. Und dafür habe ich sämtliche Videotheken der näheren Umgebung abgeklappert? Ich muss verrückt gewesen sein.

2004 hat übrigens Kult-Regisseur Tobe Hooper, der seit den frühen 80ern seine Form sucht, ein Remake dieses miesen Mülls angefertigt, das aber nicht mal auf der Trash-Ebene funktioniert. 

02/10

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