Mittwoch, 24. Juli 2013

Deep Blue Sea (1999)

"Wir sind kurz davor, tote Gehirnzellen wieder zum Leben zu erwecken!" verspricht die fesche Alzheimerforscherin Dr. Susan McAllister (Saffron Burrows) ihren Geldgebern in Renny Harlins Hai-Horror-Action-Kracher DEEP BLUE SEA (Deep Blue Sea). Der Film selbst dürfte allerdings keine einzige tote Gehirnzelle beim Publikum wieder zum Leben erwecken.

Im Prinzip haben wir es hier mit einer Mischung aus "Jaws" (1975), "Poseidon Inferno" (1972) und "The Abyss" (1989) zu tun, plus ein paar Anleihen bei ähnlich gelagerten Filmen. Eine Handlung kann DEEP BLUE SEA nicht wirklich vorweisen, stattdessen besteht der Plot aus einer langen Exposition und einer anschließenden, ausgedehnten Verfolgungsjagd Hai gegen Mensch. Der Film spielt auf einer abgelegenen Forschungsstation mitten im Ozean, in welcher zum Zweck der Demenzbekämpfung superintelligente Haie gezüchtet werden. Als diese aber böse werden, müssen die Wissenschaftler und Angestellten - abgeschnitten von der Außenwelt - um ihr Leben rennen, klettern, tauchen und paddeln.

DEEP BLUE SEA ist ein klassischer B-Film mit zwar unglaubwürdigen, aber auf trashige Art sympathischen Charakteren, die einen Klischee-Dialog nach dem anderen vom Stapel lassen. Saffron Burrows - eine Art 'Ocean's Next Top Model' - steht als knallhart-seriöse Forscherin, die schon mal die Brille aufsetzt, wenn es ernst wird, in der Tradition attraktiver B-Film-Schönheiten wie Julie Adams ("Creature from the Black Lagoon" (1952) und Mara Corday ("Tarantula", 1955).
Daneben gibt es solch altbekannte Figuren wie den schweigsam-harten Kerl mit weichem Kern (sexy in der Badehose: Thomas Jane) oder den lustigen Pummel (Michael Rapaport), der zu jeder Situation einen coolen Spruch auf Lager hat.
Dann braucht man noch einen europäischen Schauspieler, der ein bisschen Klasse in den Film bringt (Stellan Skarsgård), der aber als Erster dran glauben muss, weil schließlich die Amerikaner gewinnen müssen. Ein Kultschauspieler wie Samuel L. Jackson kann auch nicht schaden. Mit dem erlaubt sich DEEP BLUE SEA dann auch die größte Überraschung, wenn er als prominentestes Mitglied des Ensembles plötzlich und ohne Vorwarnung vom Hai verspeist wird, nachdem er just eine aufbauende, pathetische Rede an die Überlebenden geschwungen hat, welche direkt aus "Poseidon Inferno" stammen könnte - ebenso wie die beste Szene des Films, eine Klettertour durch einen senkrechten Schacht, in dem oben Feuer und unten Wasser und Haie lauern.

Die schwächste Rolle hat LL Cool J, der hier exakt seinen Part aus "Halloween H20" (1998) wiederholt und als lustiger schwarzer Koch (bitte jetzt mit den Augen rollen!) getrennt von der Gruppe ums Überleben kämpfen muss, während er einen bedauernswerten Nymphensittich vollquatscht, der auf seiner Schulter wohnt. 
Vorsicht, Spoiler: LL Cool J war dem Testpublikum übrigens so sympathisch, dass seine Figur den Film lebendig verlassen durfte, obwohl zunächst sein Tod im letzten Akt vorgesehen und gedreht worden war. Mit Saffron Burrows sprang selbiges Publikum weniger sanft um. Weil ihr Charakter letztendlich verantwortlich für den ganzen Hai-Schlamassel ist, wollten die Zuschauer sie als Fischfutter enden sehen. Pech für Miss Burrows, die nun kurz vorm Abspann von Haizähnen in Einzelteile zerlegt wird, anstatt mit Thomas Jane in den Sonnenuntergang zu segeln.

Apropos Einzelteile: ein Großteil der Action übernimmt der CGI-Rechner, und der gibt leider in DEEP BLUE SEA nicht viel her. Viele der Tricks sehen heute ziemlich mies aus, einige waren schon seinerzeit im Kino nicht so doll anzuschauen. Die Größe der Haie wechselt im Laufe des Films mehrfach, je nach Bedarf. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass die Darsteller auch 'echte' Action abliefern müssen und ordentlich nass gemacht werden. Überhaupt ist DEEP BLUE SEA eine ziemlich spannende Achterbahnfahrt, die ein bisschen braucht, um in die Gänge zu kommen, dann aber von einem Set Piece zum nächsten spurtet und dem Zuschauer kaum Zeit zum Luftholen und Nachdenken lässt.

Renny Harlins Karriere war nach den Mega-Flops "The Long Kiss Goodnight" (1996) und "Die Piratenbraut" (1995) fast am Ende, insofern war der beachtliche (wenngleich nicht sensationelle) Kassenerfolg des Hai-Spektakels eine gute Nachricht für den finnischen Filmemacher. Kritiker und Publikum waren gespalten. Für die einen ist DEEP BLUE SEA ein netter Zeitvertreib, die anderen bemängeln (zu Recht), dass er sich ausgiebig links und rechts bedient, ohne etwas Neues zu erzählen. Immerhin klaut er von den Besten. Spielbergs Vorbild kann er natürlich nicht das (reichlich vorhandene) Wasser reichen.

07/10

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