Donnerstag, 18. Juli 2013

Das Spiegelbild (1992)

Und noch so ein vergessener TV-Thriller aus der Zeit, als jeder erfolgreiche US-Kinofilm schnell und günstig im Fernsehen kopiert wurde.
Mit DAS SPIEGELBILD (Body Language) inszenierte Arthur Allan Seidelman eine Mischung aus "Die Waffen der Frauen" (1988) und "Weiblich, ledig, jung sucht..." (1991). In der Hauptrolle spielt Heather Locklear eine weibliche Spitzenmanagerin, die für den Beruf ihre Beziehung zu dem schnuckeligen Restaurantbesitzer James Echeson vernachlässigt. Ihre Assistentin Linda Purl geht ihr nicht nur eifrig zur Hand, sondern hat ganz eigene Ziele. Nach und nach schleicht sie sich in das Leben der Chefin ein, kopiert deren Frisur, schnappt sich deren Lover und bringt jeden um die Ecke, der ihr auf die Schliche kommen...

Der Kampf einer erfolgreichen Frau, die sich gegen eine aufstrebende, aber skrupellose Rivalin zur Wehr setzen muss, geht zurück bis zum Klassiker "Alles über Eva" (1950), und DAS SPIEGELBILD verlegt die Handlung ins Top-Management der frühen 90er, wo die Schulterpolster noch zackig, die Frisuren aus Beton, die Ohrringe gigantisch und die Schuhe potthässlich waren. An denen findet Regisseur Seidelman übrigens besonderen Gefallen und verweilt mit der Kamera stets länger als nötig auf den High Heels der Business-Damen, gelegentlich beginnt er sogar Szenen mit Großaufnahmen der schicken Treter. Das könnte man als Hommage an Hitchcocks "Der Fremde im Zug" (1952) verstehen, der ebenfalls mit den Schuhen der beiden (männlichen) Gegenspieler begann, aber wir wollen mal nicht zu hoch greifen. Allerdings heißt die psychopathische Sekretärin ausgerechnet Norma! Das dürfte nun wieder kein Zufall sein. 

Apropos Namen: Heather Locklears Filmname lautet 'Betsy Frieze', gesprochen 'Freeze', damit auch jeder mitbekommt, dass sie etwas unterkühlt ist. DAS SPIEGELBILD ist - wenn schon nicht so hochklassig wie seine Vorbilder - zumindest sehr unterhaltsam (und zwar mehr als der aufwändigere "Die Aushilfe", 1993). Linda Purl spielt die irre Sekretärin, die immer mehr zur Kopie ihrer Vorgesetzten wird, hervorragend und ist besonders creepy, wenn sie die Chefin Locklear stumm nachäfft. Heather Locklear, die wir alle als Sammy Jo im "Denver-Clan" geliebt und in "Melrose Place" gehassliebt haben, sieht vor allem gut aus, fällt aber weder positiv noch negativ auf (sie bekommt aber einen netten Insider-Gag, wenn sie als Managerin eine Fluglinie kaufen soll, die 'von Dallas nach Denver' fliegt). In Filmen wie diesem haben immer die Durchgeknallten die besseren Rollen. Schade, dass Locklear am Ende für den schmollenden Lover den Job aufgibt, da rutscht der Film locker ein paar Jahrzehnte in der Frauenbewegung zurück.

Der Regie gelingen ein paar hübsche Parallelmontagen - etwa wenn Locklear eine Leiche im Aktenschrank findet (hassen Sie es nicht auch, wenn das passiert?), während ihre Sekretärin gleichzeitig heißen Sex mit Locklears Freund hat - und das Drehbuch schreitet zügig voran, wobei es manchmal etwas einfallslos bleibt. So gehen Locklear ungefähr fünfmal irgendwelche Büro-Utensilien aus, die sie dann jedesmal im Schreibtisch ihrer Assistentin suchen muss, um dort auf mysteriöse Dinge zu stoßen. Man hat den Bogen schnell raus -  wenn Locklear eine Büroklammer braucht, schnellt gleich wieder eine Mumie aus der Ablage.

Leider sind die Mordsequenzen äußerst holprig (mit schlechten Zeitlupen) inszeniert und überzeugen so gar nicht, außerdem fehlen insgesamt die Überraschungen, so dass am Ende ein Film herauskommt, der ganz ok ist, den man aber weißgott nicht gesehen haben muss. Auf DVD ist DAS SPIEGELBILD leider nicht erhältlich.
Das Thema Zickenkrieg in der Geschäftswelt wird aber nicht alt, wie man an aktuelleren Beiträgen wie "Love Crime" (2010) sehen kann. Da stellt sich die Frage, sind das nur männliche Vorurteile, oder können Frauen auf der Vorstandsebene (oder auf irgendeiner Ebene) einfach nicht friedlich miteinander auskommen?

6.5/10

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