Mittwoch, 31. Juli 2013

Dark Society (1989)

Horrorfilme mit scharfzüngiger Gesellschaftskritik findet man nicht allzu häufig, wenn man von den Werken George A. Romeros absieht.
Brian Yuznas Regiedebüt DARK SOCIETY (Society) aus dem Jahr 1989 ist da eine rühmliche Ausnahme. Hier verbinden sich Teenager-Ängste und sarkastische Gegenwartsbetrachtung, mit (seinerzeit) bahnbrechenden Spezialeffekten zu einem äußerst interessanten und - was das Finale anbelangt - spektakulären Horrorbeitrag der 80er.

Worum geht es? Der junge Bill ('Baywatch'-Schnuckel Billy Warlock) lebt als Spross stinkreicher Eltern in Beverly Hills. Langsam kommt ihm aber der Verdacht, dass seine komplette Familie und deren nobler Freundeskreis auf Kosten der Armen existiert und heimlich ausschweifende Orgien feiert. Die Wahrheit aber sieht noch viel schlimmer aus, denn die, die er bislang für seine Verwandten hielt, sind gar keine Menschen...

DARK SOCEITY wurde nach seiner Fertigstellung  in den USA drei Jahre unter Verschluss gehalten - vermutlich, weil man nicht genau wusste, wie die Zuschauer dieses bizarre Werk annehmen würden. In Deutschland erschien DARK SOCIETY ohne Kinostart gleich auf VHS und entwickelte sich schnell zum Geheimtipp und Kultfilm, insbesondere wegen der letzten Viertelstunde, in der wir die (nicht näher benannte) Rasse von Ausbeutern bei einer Schlemmerorgie bestaunen dürfen, die David Cronenberg in jungen Jahren zum Jubeln gebracht hätte - immerhin wird sein in "Videodrome" (1983) ausgegebener Schlachtruf "Long Live the New Flesh" hier wirkungsvoll in Szene gesetzt (so wie Cronenberg es in "Videodrome" selbst vor hatte, aber nicht realisieren konnte/durfte).
Da verschmelzen Körper miteinander oder setzen sich ganz neu zusammen (es gibt sogar ein buchstäbliches 'Arschgesicht' unter den Teilnehmern), ein zuvor verschwundener (und mittelloser) Schulfreund Billys wird von den Anwesenden auf groteske Weise verschlungen, daneben gibt es Inzest, Sex in allen möglichen Varianten, sowie jede Menge schleimiger Latexeffekte aus der Hand von Screaming Mad George, der für seine grotesken Ekelszenarien (die weitgehend ohne Blut auskommen) bekannt ist und mit DARK SOCIETY vielleicht sein Meisterstück abliefert. Hier bekommt der Gore-Hound alles, was das Herz begehrt - und mehr.

Regisseur Brian Yuzna steuert zielgenau auf dieses Finale zu, indem er seinen Film zunächst wie einen typischen Paranoia-Thriller beginnen lässt, in welchem der junge Held einer vermeintlichen Verschwörung auf die Spur kommt und sich immer mehr isoliert, weil er niemandem mehr trauen kann. Um dem Zuschauer das Warten auf die makabere Auflösung schmackhaft zu machen, baut er surreale Visionen und Irritationen ein. Die Allegorie auf die ausbeutende Herrscherklasse, die in ihrer Glitzerwelt aus Villen, Yachten und endlosen Partys lebt, während die Unterschicht lediglich als Futter dient, wartet mit hübsch sarkastischen Spitzen auf und nimmt sich selbst nie zu ernst. Tatsächlich macht DARK SOCIETY einen eher trashigen Eindruck, aus heutiger Sicht sogar mehr als seinerzeit. Statt hoch erhobenem Zeigefinger bietet er lieber von innen nach außen gekrempelte Körper, nackte Haut und schwarzen Humor.

Schauspielerisch gibt es nichts Außergewöhnliches zu sehen, aber immerhin ist Billy Warlock ein ganz sympathischer Held. Auch wenn die Spannung nicht durchweg gehalten wird und die Handlung ab und zu auf der Stelle tritt, wird man gegen Ende mehr als entschädigt. In einem Jahrzehnt, das von Slasherfilmen sowie 'Nightmare on Elm Street'-Klonen geprägt war, darf man DARK SOCIETY aufgrund der fantastischen Ausgangsidee als durchaus herausragenden Genrebeitrag bezeichnen.

DARK SOCEITY stand seit seinem Erscheinen bei uns auf dem Index, ist aber kürzlich (Juli 2013) von der Liste gestrichen und mit einer FSK 16-Freigabe versehen worden. Wer hätte damit gerechnet?

7.5/10

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