Samstag, 20. Juli 2013

Bizarre Morde (1968)

Ein Serienkiller (Rod Steiger), der in verschiedenen Masken auftritt, ermordet alleinstehende Frauen mittleren Alters, weil er von einem unbearbeiteten Mutterhass zerfressen wird. Der ermittelnde Cop (George Segal), der selbst unter einer dominierenden Mama leidet, baut eine Beziehung zu dem Täter auf, der ihn stets nach seinen Morden anruft und ein psychologisches Katz- und Mausspiel mit dem Detektiv spielt...

Jack Smight verfilmte mit BIZARRE MORDE (No Way to Treat a Lady) die Romanvorlage des vielgerühmten Drehbuchautors und Schriftstellers William Goldman. Der Roman basiert wiederum auf dem wahren Fall des 'Boston Stranglers' und geht der Frage nach, was wäre, wenn es zwei Würger in Boston gegeben hätte. Da der Film eben jene Idee komplett ignoriert und mit Rod Steiger einen Alleinunterhalter auf die Reise schickt, hat Goldman übrigens auch bis heute keine netten Worte für den Film übrig.

Der Film ist - dem deutschen Titel entsprechend - eine bizarre Mischung aus Thriller, Satire und schwarzer Komödie. Die Hauptattraktion ist Rod Steiger, der als vielschichtiger Killer eine One-Man-Show abzieht, in der er wechselnd als irischer Pfarrer, deutscher Handwerker oder Drag Queen auftritt, mit verschiedenen Akzenten spricht und immer 800 Prozent gibt. Das ist manchmal beeindruckend, manchmal belustigend und manchmal nervend (ganz besonders, wenn er als schwuler Friseur auftritt und kein Tuntenklischee auslässt). Der Film aber steht und fällt mit seiner Darstellung.

Als ermittelnder Cop macht George Segal wie immer eine überzeugende Figur und ist auf Anhieb sympathisch, er spielt aber die zweite Geige. Die Szenen zwischen Segal und seiner Filmmutter Heckart sind dabei ebenso durchwachsen wie die von Rod Steiger, weil Heckart ebenfalls ein paar Schippen zuviel drauflegt und nahe an der Parodie spielt. Überraschend liebenswert (und sexy) agiert die sonst eher kühle Lee Remick als quirlige Augenzeugin, die sich in Segal verliebt und (natürlich) zur Zielscheibe des Killers wird, obwohl sie eigentlich nicht dessen Beuteschema entspricht. Da muss sie leider dem typischen Frauenbild folgen und die Opferrolle einnehmen.

BIZARRE MORDE erhält einen makaberen Touch durch die Todesopfer (die Morde bleiben überwiegend im Off), die mit verrenkten Gliedern stranguliert auf der Toilette sitzen, mit einem knallroten Kussmund, den ihnen der Killer mit Lippenstift auf die Stirn gemalt hat. In diesen Momenten erinnert der Film an Hitchcocks "Frenzy" (1972), ohne aber dessen Klasse und Bösartigkeit zu erreichen (zugegeben, BIZARRE MORDE entstand früher). Das Tempo ist gelegentlich etwas schwerfällig, einige Dialogszenen sind zu lang, und er ist auch nicht unbedingt gut gealtert. Als ich BIZARRE MORDE als Kind im Fernsehen sah, hat er mich sehr gefesselt (und auch verstört), heute habe ich doch das eine oder andere Mal zwischendurch auf die Uhr geschaut. Unterhaltsam ist diese Mörderjagd aber wegen der schauspielerischen Leistungen allemal.

Fazit: ein durchschnittlicher Serienkiller-Krimi mit grotesk-komödiantischen Spitzen, der aber von Hitchcock besser inszeniert und von William Goldman (vermutlich) spannender geschrieben worden wäre. 

07/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...