Dienstag, 16. Juli 2013

Alien - Die Saat des Grauens kehrt zurück (1980)

Tja, soll man das nun bewundern oder den Kopf schütteln? Ein bisschen nostalgisch wird man ja schon, wenn einem ein solches Schundprodukt vor die Augen kommt, das sich an einen Mega-Hit wie Ridley Scotts "Alien" (1978) schamlos dranhängt und einfach mal dessen Titel in leichter Variation benutzt.
Dass ein Film wie ALIEN - DIE SAAT DES GRAUENS KEHRT ZURÜCK (Alien 2 - Sulla Terra) überhaupt mal in den Kinos lief, das ist schon irgendwie toll. Was waren das für Zeiten, als Leute (wie ich) tatsächlich Geld (nochmal: G-E-L-D) bezahlten, um sich so einen Schrott anzusehen, der dermaßen stinklangweilig, billig, dümmlich und amateurhaft daherkommt? Der dann noch Jahre später wegen eines ganz nett zermatschten Kopfes auf dem Videocover zu einem gesuchten Sammlerobjekt wird? Und machen wir uns nichts vor, der abgetrennte Kopf ist dann auch schon der einzige Moment im kompletten Film, der irgendwie sehenswert ist.

Selbstverständlich kommt ALIEN - DER FILM DES GRAUENS aus Italien, wo man Anfang der 80er alles kopierte, was die Kassen klingeln ließ. Da kam ein "Alien" gerade recht. Wie aber soll man als kleiner italienischer Produzent ohne Kohle einen so teuren Edel-Schocker wie Scotts Film kopieren? Ganz einfach. Zuerst fliegt mal das Weltraum-Setting raus. Science-Fiction muss ja nicht zwangsläufig im All stattfinden, zumindest steht das nirgendwo geschrieben. Stattdessen spielt dieser Aufguss in einer unterirdischen Wüstenhöhle, wo sich das Monster aus dem All, welches von einer Weltraum-Mission irrtümlich mitgebracht wurde, versteckt hält und eine Gruppe Forscher dezimiert, die in Bergarbeiter-Montur das Höhlenlabyrinth durchsucht. Die Overalls und Kostüme der Darsteller sorgen dafür, dass man auch ja keinen auseinander halten kann, man weiß nicht einmal, wie viele es eigentlich sind. Da niemand der Anwesenden spielen kann, ist das auch nicht so wichtig. Man erkennt allerdings das markante Gesicht Michele Soavis, den Regie-Assistenten Dario Argentos, der später selbst ein paar (gute) Horrorfilme inszenieren sollte.

Da schon an Ausstattung und Darstellern kräftig gespart wurde, war als nächstes die Musik dran. Statt atmosphärischer Klänge aus der Feder Jerry Goldsmiths gibt es also nun die Tralala-80er-Mukke der 'Oliver Onions' - ein paar von uns erinnern sich noch an diese sympathischen Italo-Brüder, die zahllose Spencer/Hill-Filme vertonten und den Ohrwurm 'Santa Maria' schrieben, der in der deutschen Version von Roland Kaiser geträllert wurde und auch heute noch auf keiner Betriebsfeier fehlen darf, bevor am Ende des Abends die Chefsekretärin nackt auf dem Kopierer sitzt.

Für die letzten Piepen, die der Produktion noch zur Verfügung standen, wurden dann die 'Spezialeffekte' kreiert, die durchweg das Niveau einer Kasperle-Theater-Aufführung besitzen. Und bis auf den bereits erwähnten Matschkopf mit Sturzhelm gibt es hier weit und breit nichts zu sehen, weswegen man aus seinem Tiefschlaf schrecken müsste. Der Film braucht allein eine halbe Stunde, bevor die eigentliche Handlung mal losgeht. Bis dahin muss man aus diversen Archiven zusammengeklaubtes Material von Raketenstarts sowie unzählige Interviews von Raumfahrern in schmucklosen TV-Studios über sich ergehen lassen - weil Romeros "Dawn of the Dead" (1978) auch noch nicht allzu lange her war und ähnlich viel Kohle eingespielt hat wie "Alien". Und wenn man schon die eine Leiche fleddert, kann man doch die zweite gleich noch mitnehmen.

Leider gehört ALIEN - DIE SAAT DES SCHWACHSINNS nicht zu der "so schlecht, dass er schon wieder gut ist"-Fraktion. Vielleicht kann man diesem Werk mehr abgewinnen, wenn man es seinerzeit im örtlichen Bahnhofskino gesehen hat, zwischen TamTam-Filmwochen und Schulmädchen-Report. Ihn heute zu betrachten, löst lediglich Gehirnblutungen oder Narkolepsie aus.

01/10

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