Samstag, 1. Juni 2013

Predator (1987)

"Dann wollen wir den Ballermann mal aus dem Sack holen!"

Irgendwo im Dschungel Zentralamerikas geht ein außerirdisches Wesen um, nachdem dessen Raumschiff dort gestrandet ist. Es jagt, tötet und sammelt Trophäen. Gut, dass Major Dutch (Arnold Schwarzenegger) gerade mit einer Söldner-Eliteeinheit unterwegs ist, um einen angeblich entführten Minister aus den Händen von Guerillas zu befreien. Als seine Gruppe nach und nach von dem Alien dezimiert wird, muss er einsehen, dass er zum ersten Mal einen vielleicht übermächtigen Gegner gefunden hat...

PREDATOR (Predator) gehört zweifelsohne zu den besten (und bis heute beliebtesten) Filmen, die Arnold Schwarzenegger in seiner Karriere gemacht hat. Die Mischung aus Action- und Horrorfilm war ein Mega-Hit an den Kinokassen und wurde von konservativen Kritikern natürlich unisono verrissen. Dabei entging den meisten, dass sich hinter der eindimensionalen Oberfläche des Splatter-Abzählreims eine gar nicht so dumme Vietnam-Parabel verbirgt. Deswegen landet der kampferprobte Schwarzenegger auch unter falschen Voraussetzungen (sein Auftrag stellt sich als Finte heraus) im Dschungel, wo er auf einen Feind trifft, der sich besser auskennt, der 'unsichtbar' für das menschliche Auge ist, und in dessen Territorium er selbst zum Gejagten wird, ohne Hoffnung auf Hilfe von außen. Hat Schwarzenegger in vorigen Rollen noch das gute Gewissen Amerikas verkörpert, das im Auftrag von CIA, Polizei oder Militär agiert, steht er hier ganz alleine da, ist von seinen Bossen (und Freunden) verraten worden und dem Killer aus dem All hilflos ausgeliefert. Unverständlich, warum erst Jahre ins Land ziehen mussten, bevor dieser schlichte, aber effektive Subtext erkannt und anerkannt wurde.

Selbstverständlich ist PREDATOR nicht in allen Belangen innovativ. Überreste voriger Schwarzenegger-Vehikel finden sich noch in den Macho-Sprüchen ("Ich habe keine Zeit zum Bluten!"), den Onelinern ("Stick Around!") und den Großaufnahmen geschwollener Muckis. Über die erste Viertelstunde des Films muss man großzügig hinwegsehen (besonders über Shane Black, der einen Söldner spielt, der unentwegt schlechte Witze über zu groß geratene weibliche Geschlechtsteile reißt). 
Schwarzenegger war nie ein überzeugender Schauspieler, aber er besitzt eine Präsenz und war immerhin so klug, konsequent an seinem Image zu arbeiten und es an die Zeit anzupassen. So muss er nach viel Geballer in der Anfangspassage feststellen, dass seine Kanonen  nutzlos im Kampf gegen den Außerirdischen sind. Den kann er erst besiegen, wenn er sich im Schlamm wälzt, wie ein Neandertaler grunzt und (à la 'MacGyver') aus einfachsten Mitteln altertümliche Fallen baut. Mit Pfeil, Bogen und Speer bewaffnet tritt er zum finalen Duell an und darf vorher sogar echte Panik zeigen, wenn das Monster hinter ihm aus dem Wasser auftaucht. Das alles wäre in einem "Phantom Kommando" (1985) nicht möglich gewesen. Die Kampfmaschine findet zu einer Menschlichkeit zurück, die es ihm sogar erlaubt, am Ende den 'Predator' sich selbst zu überlassen, anstatt ihm den Rest zu geben.

Verantwortlich dafür ist neben den Autoren auch Regisseur John McTiernan, der bald darauf mit Bruce Willis in "Stirb langsam" (1988) einen neuen Typus des Action-Helden entwerfen sollte - einen immer noch kampfeslustigen, aber ungleich verletzlicheren und selbstironischeren. So darf sich Schwarzenegger auch hier bereits vom Monster ordentlich vermöbeln lassen. McTiernan verlässt sich dabei nicht auf Explosionen und Stunts (von denen es trotzdem reichlich gibt), sondern sorgt für allerhand Suspense und Nervenkitzel. Die letzten zwanzig Minuten des Films finden (fast) ohne Dialog statt, das sieht man durchaus nicht jeden Tag im Action-Kino. Trotz des begrenzten Schauplatzes findet McTiernan immer neue Ideen, um den Film spannend und abwechslungsreich zu halten.
Die Entscheidung, das Monster erst sehr spät zu zeigen, geht bis zu Spielbergs "Der weiße Hai" (1974) zurück. Ist das Wesen dann vollständig in Sicht, darf man feststellen, dass Effektemeister Stan Winston ganze Arbeit geleistet hat. Der 'Predator' ist irgendwas zwischen Mensch und Echse, mit Netzhemd, Stahlhelm und Dreadlocks, inklusive Selbstzerstörungsknopf. Eine originelle und durchaus furchteinflößende Erscheinung, die so prägnant ist, dass sie sogar im aktuellen Kino ("Predators", 2010) noch funktioniert. Einen großen Anteil am Erfolg des Films hat auch Komponist Alan Silvestri, der hier seinen ersten großen Actionfilm orchestrierte, und dessen bombastischer Score sich heute noch gut verkauft.

PREDATOR bedient sich bei zahlreichen Erfolgsfilmen (hauptsächlich "Aliens", 1986), wirkt aber dennoch nicht beliebig zusammengeklaut und macht einen geschlossenen Eindruck. Und er kennt seine Wurzeln. Neben dem zeitgenössischen Kino bezieht er sich mit seiner klassischen Einer-nach-dem-anderen-Story auf Agatha Christies "Ten Little Indians", und natürlich - Cineasten mögen kurz die Augen schließen - steckt eine ganze Menge "Graf Zaroff - Genie des Bösen" (1932) im Film, wenn die Protagonisten durch den Dschungel gejagt und die Jäger selbst zur Beute werden. Nicht umsonst jagt der 'Predator' keine Wildschweine, sondern Menschen. 'The Most Dangerous Game', eben.

Diese Bezüge - zusammen mit dem Vietnam-Text - machen PREDATOR zu einer mehr als nur unterhaltsamen Action-und Splatter-Achterbahn. Der mit einem Budget von 35 Millionen seinerzeit sehr teure Film hat sich erstaunlich gut gehalten (anders als die Fortsetzung "Predator 2", 1990) und sieht heute noch so gut aus wie damals.

8.5/10

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