Sonntag, 9. Juni 2013

House (1986)

HOUSE (House) war seinerzeit ein Überraschungserfolg in den Kinos und gehört zu den besseren Vertretern der Horror-Komödien, die in den 80ern an der Tagesordnung waren. Der Gruselspaß von Steve Miner ist zwar nicht unbedingt gut gealtert, aber ich erinnere mich noch wohlig an meinen damaligen Kinobesuch, bei dem ein voller Saal ordentlich gelacht, gekreischt und sich bestens amüsiert hat. Es war der richtige Film zur richtigen Zeit.

Worum geht es? Der Schriftsteller Roger Cobb (William Katt) erbt das Haus seiner verstorbenen Tante, die Zeit ihres Lebens dem Okkultismus zugewandt war - oder wie der übergewichtige Nachbar (George Wendt) erklärt: "Die Alte hatte nicht mehr alle Tassen im Schrank". Roger will in der Abgeschiedenheit des Hauses ein neues Buch schreiben, in dem er von seinen Vietnam-Erfahrungen berichtet. Außerdem versucht er, über den Verlust des Sohnes hinwegzukommen, der vor einiger Zeit spurlos verschwand. Bald schon hört er mysteriöse Geräusche im alten Haus, entdeckt ein Monster im Wandschrank, und die Gartenwerkzeuge machen Jagd auf den Autor. Wie sich herausstellt, liegt der Schlüssel zu Rogers unerledigten Traumata im Haus verborgen...

HOUSE ist durch und durch Mainstream-Horror und deswegen auch vollkommen harmlos. Tatsächlich werden die Lachmuskeln deutlich mehr strapaziert als die Nerven, was besonders am Spiel von Hauptdarsteller Katt liegt, der auf sämtliche Vorgänge im Haus eigenwillig bis merkwürdig reagiert. Weder wundert er sich sonderlich, dass sich hinter Badezimmerspiegeln Tore zu anderen Dimensionen befinden, noch macht es ihm viel aus, als er seine Ex-Frau, die zufällig vorbeikommt und sich in ein dickes Muppet-Monster mit Abendkleid verwandelt, über den Haufen schießt. Er ist mehr damit beschäftigt, deren Überreste zu beseitigen und die sexy Nachbarin nicht merken zu lassen, dass eine abgetrennte, aber höchst lebendige Hand den Rücken ihres Kindes hinaufkrabbelt.

Neben den Schmunzlern sorgt Regisseur Steve Miner aber auch für ein paar herzhafte Erschrecker ('Schocker' würde ich sie jetzt nicht nennen), und er baut in bester John Landis-Manier an mehreren Stellen Popsongs als ironische Kommentare ein (z.B. "This is Dedicated to the One I Love", während Roger seine mutierte Ex-Frau mit der Axt zerstückelt). Der Einfluss von Sam Raimis "Evil Dead" (1981) ist praktisch überall erkennbar (auch in dem toten Fisch an der Wand, der plötzlich zum Leben erwacht), ohne dass HOUSE aber jemals dessen Intensität (oder Goregehalt) erreicht.

Man sieht schon, es ist allerhand los in diesem Spukhaus, und langweilig wird es irgendwie nie, richtig spannend aber auch nicht, weil sämtliche Ereignisse ohne Logik oder inneren Zusammenhang über Roger hineinbrechen. Da es keine Regeln gibt, nach denen die geisterhaften Geschehnisse sich richten, kann man als Zuschauer auch nicht wirklich mitfiebern, es kann ständig alles Mögliche passieren. Hinter dem ganzen Hokuspokus steckt dann tatsächlich die unbearbeitete Vietnam-Vergangenheit, und da muss man anerkennen, dass der Film sich zumindest Mühe gibt, einen ernsten Subtext für seine Spukhaus-Geschichte anzubieten. Nachdem das Thema Vietnam lange Zeit von Hollywood totgeschwiegen wurde, hatte Oliver Stone es mit "Platoon" (1986) gerade ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Dass sich ein alberner Spaß wie HOUSE dieses Themas annimmt, zeigt, wie aufnahmebereit das Publikum dafür war. Da ist es auch nur halb so schlimm, wenn das Happy-End ein paar Nummern zu zuckersüß ausfällt.

Vor und hinter den Kulissen von HOUSE tummeln sich mehrere Bekannte. Produzent Sean S. Cunningham hat den Original "Freitag der 13." (1980) inszeniert, und HOUSE-Regisseur Steve Miner war für die Fortsetzung "Freitag der 13. Teil 2" (1981) zuständig. Von Cunningham hat er sich Komponist Harry Manfredini ausgeborgt, der einen hübschen Score (Elektronik und Cello) beisteuert. Kameramann Mac Ahlberg ("Re-Animator", 1985) ist eine feste Größe im Horror-Genre, und Hauptdarsteller William Katt hat einst als blonder Jüngling den berüchtigten Eimer mit Schweineblut auf den Schädel bekommen, der das arme Mädel "Carrie" (1976) auf deren misslungenem Abschlussball etwas...äh, überreagieren ließ. Der lustige Nachbar George Wendt saß hingegen jahrelang am Tresen von "Cheers".

Eine einigermaßen originelle Story, gute Masken und Spezialeffekte, sowie ein guter Schuss trockener Humor ("Ups" sagt der Makler, als er versehentlich eine Harpune abfeuert, die William Katt nur um Haaresbreite verfehlt) sorgen dafür, dass man diesem Spukhaus der 80er getrost mal einen Besuch abstatten kann, wenn man nichts Sensationelles erwartet. Für mich hat er eher nostalgischen Wert, weil ich ihn damals in einer Doppelvorstellung mit dem wesentlich besseren "Fright Night" (1985) sah. Das war ein toller Abend. Um die Fortsetzungen von HOUSE - ganz besonders den sentimentalen Quatsch "House II" (1987) - sollte man aber lieber einen großen Bogen machen.

07/10

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