Sonntag, 30. Juni 2013

Final Destination 3 (2006)

Spätestens mit FINAL DESTINATION 3 (Final Destination 3) ist die Reihe zum Äquivalent der "Nightmare on Elm Street"-Saga für das 2000er-Jahrzehnt geworden. Der dritte Teil ist bunter und poppiger als seine Vorgänger, der Splatterfaktor wird deutlich nach oben korrigiert, und die Todesarten der Teenager sollen vor allem für Lacher sorgen, während die Charaktere fast ausschließlich nur noch Cartoons sind und durch nervige Angewohnheiten (oder schlechtes Spiel) zu reinem Kanonenfutter verkommen. Ebenso wie Freddy Krueger die Elmstreet-Kids gern anhand ihrer speziellen Eigenschaften um die Ecke gebracht hat, werden auch hier die Figuren nicht durch Charakterzeichnung, sondern über Requisiten und Macken definiert, die ihnen schließlich zum Verhängnis werden. Die positiven und negativen Aspekte des Films halten sich dabei ungefähr die Waage.

FINAL DESTINATION 3 beginnt gewohnt spektakulär mit dem obligatorischen Katastrophen-Szenario, diesmal in Form einer Achterbahnfahrt, die außer Kontrolle gerät und mehrere High School-Absolventen ins Jenseits befördert. Wie gehabt stellt sich das Ganze aber nur als Vision unserer weiblichen Protagonistin Wendy (Mary Elizabeth Winstead) heraus, die in Panik das Gefährt des Todes noch vor dem Start mit einigen Schulfreunden verlässt. Nachdem die Achterbahn tatsächlich entgleist, holt der Tod sich nun nacheinander die Überlebenden. Alles bekannt, nichts variiert, Dienst nach Vorschrift.  Wen kümmert schon der Plot?

Die Ähnlichkeiten mit der "Omen"-Trilogie, die bereits in den Vorgängern offensichtlich waren, werden in diesem dritten Teil noch einmal verstärkt. So knipst unsere Wendy in bester David Warner-Manier zu Beginn des Films Fotos der potentiellen Opfer, auf denen sie später deren Todesarten erkennen kann, und im weiteren Verlauf wird ein Mädel auf so ziemlich exakt die gleiche Weise von einem Speer gepfählt wie weiland der düstere "Omen"-Pfarrer, nachdem er Gregory Peck warnen wollte, dass er den Sohn des Satans großzieht. Aber wie sagte schon Billy Wilder, wenn schon, dann soll man bei den Besten kopieren.
Schauspielerisch ist das alles Durchschnitt und darunter, besonders der punkige Baumarkt-Teenager, der einen absurden Gefühlsausbruch während einer Beerdigung hinlegt, geht einem mit seiner miesen Leistung mächtig auf die Nerven. Hauptdarsteller Ryan Merriman ist vor allem niedlich, und Mary Elizabeth Dingsbums (die eine verblüffende Ähnlichkeit mit Jill Schoelen, Scream-Queen der 80er, hat), versucht mit viel aufgerissenen Augen und Schmollmund zu überspielen, dass ihre Rolle null Substanz hat. Zwar wird alle fünf Minuten über sie gesagt, dass sie ein Kontroll-Freak sei, leider aber sieht man das nie, es bleibt nur behauptet. Kontroll-Freak!

Die anfängliche Achterbahn-Katastrophe ist mit ordentlich Schmackes in Szene gesetzt, auch wenn einige CGI-Effekte von der Marke 'billig' sind. Aber jeder, der schon einmal in einer Achterbahn saß und das Gefühl hatte, dass der Sicherheitsbügel vielleicht nicht ganz so fest sitzt wie er sitzen sollte, kann den Horror dieses Alptraums nachvollziehen.
Nach dem Auftakt folgt die zu erwartende Dezimierung der Überlebenden, die Füllszenen zwischen den Horror-Momenten fallen diesmal allerdings besonders schwach aus. Das Drehbuch bemüht sich zwar anfangs um etwas Konfliktstoff, verliert dann aber alle eingeführten Stränge aus den Augen und baut lediglich ein bisschen Geseier und kullernde Tränchen ein, kümmert sich ansonsten aber lieber um die Ausarbeitung der Splatterszenen. Und seien wir ehrlich, wegen denen gehen die Kids auch ins Kino. KontrollFreak!

So darf man stattdessen herzlich mitlachen, wenn zwei nach Paris Hilton modellierte Luxus-Tussen im Sonnenstudio gegrillt werden (eine Szene, die überhaupt keinen Sinn ergibt, dafür aber mit einem herrlich bösen Gag endet, wenn die qualmenden Sonnenbänke sich per Überblendung in Särge verwandeln), der Kopf eines aufdringlichen Kamera-Nerds von einem Automotor zerschreddert und eine großmäulige Sportskanoner von einem Fitnessgerät zermatscht wird. Das Blut spritzt, als gäbe es kein Morgen, und weil die letzte Szene in "Final Destination 2" (2003) mit dem fliegenden Arm so ein Brüller war, segeln hier ständig Körperteile durch die Luft.
Das ist auf seine uncharmante, rotzige und bewusst makabere Art durchaus unterhaltsam und im klassischen Sinne Grand Guignol, aber die Ermüdungserscheinungen des Formats sind bereits unübersehbar. Hier zeigen sich übrigens die Vorteile von DVD und Blu-Ray, bei denen man die Spielszenen so praktisch überspringen kann. Was wäre das früher bei VHS für ein Akt gewesen, ständig vorspulen zu müssen...

Kontroll-Freak! 

6.5/10


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