Donnerstag, 6. Juni 2013

Camp des Grauens 3 (1989)

Den Unterschied zwischen Trash und Müll kann man gut am Beispiel der beiden "Sleepaway Camp"-Sequels erklären. "Camp des Grauens 2" (1988) ist billiger Schund, der sich an einen bekannten Titel dranhängt und durch seinen absurden Humor beinahe als Slasher-Parodie durchgeht. Als solche ist er zumindest ansehbar.

CAMP DES GRAUENS 3 (Sleepaway Camp 3: Teenage Wasteland), der mit ähnlich begrenzten Mitteln schnell hinterher geschossen wurde, kann hingegen nicht einmal die rudimentärsten Bedürfnisse des Publikums befriedigen. Er ist weder witzig noch blutig noch sonst irgendwas. Er ist auch nicht so schlecht, dass er schon wieder Spaß machen würde. Er ist schlicht und ergreifend zeitvergeudender Müll.

Pamela Springsteen schlüpft hier wieder in die Rolle der Serienkillerin Angela, die ihre Freizeit am liebsten in Sommercamps verbringt, wo sie Teenager beseitigt, die sich nicht an die Spielregeln halten, beziehungsweise sich nicht Angelas verklemmten Moralvorstellungen unterordnen. Um die Sache wenigstens ein bisschen interessanter zu machen, findet im aktuellen Camp gerade ein 'soziales Experiment' statt, in dem reiche und arme Teenager unter gleichen Bedingungen den Sommer verbringen. Angela aber kennt keine sozialen Unterschiede - für sie sind alle gleich gutes Kanonenfutter...

Angela schleicht sich übrigens ins Camp ein, indem sie gleich zu Beginn eine Teilnehmerin mit dem Müllwagen (in dem sich vermutlich die Rollen dieses Films befinden und dort auch hingehören) über den Haufen fährt. Und weil sie ein helles Mädel ist, trägt sie die gleiche Perücke wie ihr Opfer, so dass im Camp (natürlich) niemand bemerkt, dass sich eine Massenmörderin unter den Anwesenden befindet. Kaum angekommen, stapeln sich auch schon die Leichen, wobei der Gore-Gehalt hier überraschend gering ausfällt. Wahrscheinlich war kein Geld für Spezialeffekte da. Überhaupt macht der Film durchweg den Eindruck, keiner der Beteiligten vor und hinter der Kamera hätte auch nur einen Dollar bekommen - was angesichts der erbärmlichen Leistungen auch gerechtfertigt wäre.

Unter den Laiendarstellern darf ein bekanntes Gesicht selbstverständlich nicht fehlen. War es im Vorgänger der bedauernswerte Walter Gotell, der sich zum Affen machen musste, darf nun Michael J. Pollard sein Knautschgesicht in die Kamera halten. Zur Erinnerung: Pollard spielte mal in "Bonnie & Clyde" (1967) mit! Was für ein Abstieg. Dafür darf er eine minderjährige Camperin im Zelt zum Beischlaf nötigen. Soll witzig sein. Ist aber peinlich.

Über Pamela Springsteen habe ich in Teil 2 nichts gesagt, aber da sie hier mit ihrem wiederholten Auftritt als Slasherbraut in die Fußstapfen von Robert Englund und Kollegen treten möchte, sollte doch erwähnt werden, was für eine schwache Darbietung sie zeigt. Sie besitzt weder Präsenz noch Talent, außerdem scheint sie nicht einmal besonderen Spaß an der Rolle zu haben. Sie dachte wohl, sie könne das Geld einstreichen, einen simplen Job erledigen, und den Film würde ohnehin niemand sehen. Falsch gedacht, Pam, wir haben es alle gesehen. Hoffentlich war das Geld gut angelegt, denn mit der Schauspielkarriere sollte es nix werden (nach einer weiteren Rolle war diese beendet).

Dass man weder Springsteen noch ihre Rolle und schon gar nicht den gesamten Film ernst nehmen soll, ist so klar wie Kloßbrühe, trotzdem würde ich gern kurz auf die Figur Angela eingehen, die ja mal dem anderen Geschlecht angehörte und sich nun als Hüterin einer durch und durch reaktionären Moral aufspielt. Das ist genau so sinnlos wie fragwürdig. Man fragt sich, warum es eigentlich keinen Slasherflm gibt, der mal den Spieß umdreht (im übertragenen Sinn, nicht in den Eingeweiden der Teenager) und einen Killer auf brave, anständige und pflichtbewusste Charaktere loslässt, während die Kiffer, Fummler und Scherzkekse verschont bleiben. Nur ein Vorschlag.
Die Macher von CAMP DES GRAUENS 3 würden vielleicht erwidern, dass ihr Film gerade durch die bodenlose Übertreibung jener Moralvorstellungen diese ins Lächerliche zieht und damit ins Gegenteil verkehrt, aber ich fürchte, so viel Subversivität wäre eine grundlose Unterstellung meinerseits, wenn man bedenkt, was für eine künstlerische Bankrotterklärung dieser Film ist.

Trash kann gut und schlecht sein. Müll bleibt Müll. 

01/10

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