Montag, 3. Juni 2013

Camp des Grauens 2 (1988)

Ende der 80er war das Horror-Genre bereits so am Boden, dass man - anstatt auf neue, originelle Ideen zu setzen - sich einfach umschaute, welcher ältere Titel einen zumindest gewissen Bekanntheitsgrad besaß, um dann mit billigen Mitteln schnell eine 'Fortsetzung' herunterzukurbeln und diese gleich auf Video zu veröffentlichen (daran hat sich übrigens bis heute nicht viel geändert, wenn man sich den immer noch grassierenden Remake-Wahn ansieht).
Umso besser, wenn das Original handlungsmäßig im Wald angesiedelt war, da kann man sich als Produzent das Geld für Sets sparen. Gute Darsteller braucht man ebenfalls nicht, sondern castet stattdessen einen mehr oder weniger prominenten Namen (in diesem Fall Pamela Springsteen, die Schwester von "The Boss" Bruce), und das Zielpublikum wird ohnehin für so anspruchslos gehalten, dass man mit ein paar nackten Brüsten und Kunstblut schon über die Runden kommt.

"Blutiger Sommer im Camp des Grauens" (1983) war ein kleiner, schmuddeliger Slasher-Film mit wenig Spannung, aber einer haarsträubenden Auflösung, die dem Film zu Kultstatus verholfen hat. Voilà: CAMP DES GRAUENS 2 (Sleepaway Camp 2: Unhappy Campers).

(Achtung, SPOILER) Wir erinnern uns: Angela war das Mädel, das eigentlich ein Junge war und ihre Mitschüler im Sommercamp blutig dahingemetzelt hat. Heute, mehrere Geschlechtsanpassungen und Therapien später, ist sie erwachsen geworden und arbeitet als Aufsichtsperson in einem - na was wohl? - Sommercamp. Dort sorgt sie auch schnell für Ordnung, denn wie wir alle wissen, mag Angela es gar nicht gerne, wenn die Teenager-Wandervögel lieber vögeln als wandern, und auch bei Drogen zieht Angela einen klaren Schnitt - meistens durch die Hälse der Kiffer. Offiziell werden die unangepassten Kids von ihr nach Hause geschickt, inoffiziell landen sie abgemurkst in einerWaldhütte, wo sie wohlig vor sich hin verwesen...

CAMP DES GRAUENS 2 ist ein Film vom Bodensatz des Genres. Hier gibt es weit und breit nicht einen Funken Qualität zu sehen. Eine Regie ist praktisch nicht vorhanden (Regisseur Michael 'nie gehört' Simpson war wahrscheinlich schon froh, dass man das Mikro nicht in jeder Szene sieht), die Darsteller sind nicht nur viel zu alt für ihre Rollen (kennt man ja schon), sondern spielen auch unterirdisch, die Spezialeffekte sind billig, und so etwas wie Spannung will zu keiner Zeit aufkommen.
Natürlich soll man das alles nicht ernst nehmen, und wenn CAMP DES GRAUENS 2 überhaupt etwas irgendwie richtig macht, dann sind das die schwarzhumorigen Sprüche von Springsteen, wenn sie die Kids um die Ecke bringt, aber - seien wir ehrlich - gut sind die auch nicht. Hier biedert sich der Film lediglich bei den 'Elm Street'-Filmen an, in denen Kindermeuchler Freddy Krueger zu jedem Tod einen Oneliner auf Lager hatte ("Welcome to Prime Time, Bitch" ist mein Favorit). Diese waren aber schon nach Teil 3 nicht mehr lustig und werden hier nur wiedergekaut. Lediglich die Szene, in der Springsteen von zwei Kids in Freddy- und Jason-Masken überfallen wird und dann selbst in der Leatherface-Maske zurückschlägt, kann für etwas Kichern beim Fan sorgen.

Für die pubertierenden Jungs, die vor dem Fernseher noch eine Hand frei haben, gibt es stattdessen wippende Busen, verklemmten Sex und jede Menge Tote. Ein Geschwisterpaar wird von Angela auf dem Barbecue-Grill bei lebendigem Leib abgefackelt, andere Camper stranguliert sie mit Gitarrensaiten oder schlitzt sie mit dem guten alten Jagdmesser auf, und ein besonders freches Gör wird von Angela im Plumpsklo entsorgt. Am Ende landet das (öde) Final Girl Renée Estevez in besagter Hütte zwischen den Leichen ihrer Freunde und muss um ihr Leben fürchten, aber wer jetzt Parallelen zu Tobe Hoopers Klassiker sucht, wird sie hier nicht finden.

CAMP DES GRAUENS 2 ist reiner Trash und besitzt als solcher einen gewissen Unterhaltungswert, weil er immer nahe an der Parodie vorbeischrammt, aber man sollte auf gar keinen Fall mehr erwarten als das. 
Und was macht eigentlich Walter Gotell, der immerhin in mehreren James Bond-Filmen den russischen Geheimdienstchef spielte, in diesem Unfug? Da wären sogar Werbespots für Gebisshaftcreme oder Erwachsenenwindeln würdevoller gewesen.

03/10

Kommentare:

  1. Ja, und mit Camp des Grauens 3 wurde es nicht besser. Der Reiz doch mal Teil 1 zu sehen kommt beim lesen jedoch auf, auch wenn ich den Schluss nun kenne. Aber keine Sorge, das stört mich nicht weiter und bin ich beim Lesen einer Review zu Teil 2 ja auch selbst dran schuld. :)

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  2. Ups, das tut mir sehr Leid, ich hätte gewettet, dass Du den schon kennst. :-) Ich habe aber doch mal eine Spoiler-Warnung eingefügt, ich will ja niemandem den Spaß verderben... Camp 3 folgt in Kürze, aber der macht ja in der Tat noch weniger Spaß als Teil 2. Gruß!

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