Sonntag, 23. Juni 2013

Best Laid Plans (1999)

Nick (Alessandro Nivola) und Lissa (Reese Witherspoon) haben sich gerade erst in einem Kleinstadt-Kaff kennengelernt, da stecken sie auch schon tief in der Klemme. Nick schuldet dem örtlichen Drogengangster Geld, das er in kürzester Zeit auftreiben muss, andernfalls blüht ihm ein übles Schicksal. Das junge Paar entwickelt einen simplen Plan, an eine wertvolle Banknote im Haus von Nicks Schulfreund Bryce (Josh Brolin) zu kommen. Der Plan allerdings läuft völlig aus dem Ruder...

BEST LAID PLANS (Best Laid Plans) von Mike Barker (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen britischen Drama von 2012) ist lupenreiner Neo-Noir und einer meiner Geheimtipps der späten 90er. Die Kritiker konnten dem durchgestylten Thriller nicht viel abgewinnen, und eine größere Anzahl Zuschauer konnte er auch nicht gerade verbuchen. Wer aber Filme wie John Dahls "Die letzte Verführung" (1994) oder "Kill me Again" (1989) mag, der dürfte hier seine Freude haben.

BEST LAID PLANS orientiert sich ganz an den klassischen Noir-Vorbildern und legt deutlich mehr Wert auf die Konstruktion seines verschachtelten Plots als eine glaubwürdige Figurenentwicklung. Die Handlung wird als ausgedehnte Rückblende geschildert und schlägt mehrere unerwartete Haken. Immer wenn man meint, man habe die finsteren Pläne der Charaktere durchschaut, lässt eine weitere Wendung alles plötzlich ganz anders aussehen. Dazu ist der Thriller hervorragend bebildert und raffiniert ausgeleuchtet. Auch das Kostümbild ist exquisit. Die Kleinstadt irgendwo am Arsch der Welt, bzw. Amerikas, in der eine Recycling-Anlage den größten Wirtschaftsfaktor darstellt, liefert ein originelles Setting für die verzwickte Geschichte.

Die Darsteller leisten erstklassige Arbeit. Nivola und Witherspoon sind ein sympathisches und attraktives Loser-Paar, das von einer besseren Zukunft träumt, aber laut Gesetz des Noir werden kleinkriminelle Pläne immer doppelt und dreifach bestraft. Deshalb geraten auch sie von einer aussichtslosen Lage in die nächste und machen durch ihre verzweifelten Versuche, der jeweiligen Situation zu entkommen, alles nur noch schlimmer. Figuren mit weißer Weste existieren in diesem düsteren Universum überhaupt nicht, alle haben Dreck am Stecken und bekommen (mehr), als sie verdienen. Wenn gegen Ende unser Liebespaar völlig ramponiert, verprügelt und misshandelt durch die leeren Straßen zieht, spürt man, dass BEST LAID PLANS auch eine schwarze Komödie sein könnte.

Geschmälert wird das Vergnügen lediglich durch ein paar unnötige Zugeständnisse ans junge Publikum - wie die Verwendung von Popsongs, die hier eigentlich nichts zu suchen haben und den exzellenten Score von Craig Armstrong sabotieren. Da wird man das Gefühl nicht los, dass Regisseur Barker nicht ganz freie Hand hatte und seinen Thriller auf Kassenerfolg hinbiegen musste (der sich nicht einstellte). Dafür sprechen auch die zahlreichen Deleted Scenes und das alternative Ende, die auf der DVD zu begutachten sind.

Bei mir hat BEST LAID PLANS mehrere Steine im Brett, schon weil ich immer eine Schwäche für Alessandro Nivola hatte, der irgendwie nie in die erste Garde aufgestiegen ist, wo er eigentlich hingehört (wem Nivola ebenfalls gefällt, sollte sich "Laurel Canyon" von 2002 ansehen). Reese Witherspoon stand hier noch vor ihrem großen Durchbruch und besitzt eine erfrischende Natürlichkeit (die ihr mittlerweile abhanden gekommen ist), und auch Josh Brolin musste noch einige Jährchen warten, bis er als Schauspieler statt als Pin-Up anerkannt wurde.
BEST LAID PLANS ist kein Meilenstein des Neo-Noir, aber ein raffiniert erdachter und spannend inszenierter kleiner Thriller für zwischendurch. Ich sehe ihn immer wieder gern.

7.5/10


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