Freitag, 7. Juni 2013

American Monster (1982)

Ein geflügeltes Untier namens 'Quetzalcoatl' (genannt 'Q') macht New York unsicher und verspeist über den Dächern der Großstadt Fensterputzer, Bauarbeiter und Sonnenanbeter. Der Kleinkriminelle Jimmy (Michael Moriarty) entdeckt nach einem geplatzten Juwelenraub auf seiner Flucht hoch oben im Chrysler Gebäude das Nest des Monsters, inklusive überdimensionalem Ei. Nun wittert er die Chance aufs große Geld und verlangt für die Enthüllung des Verstecks von der Stadt eine ansehnliche Summe...

AMERICAN MONSTER (Q - The Winged Serpent) ist vielleicht der beste Monster-Film der 80er, ein ebenso ruppiger wie  humorvoller Low Budget-Film von Larry Cohen, dessen Werke nicht immer gleich gut, aber nie langweilig sind. Cohen wurde mit seinem Killer-Baby-Film "Die Wiege des Bösen" (1974) berühmt und verpackte oft gesellschaftlich relevante Themen in fantastische Horror-Geschichten.

AMERICAN MONSTER ist aber eher eine Hommage an die Monsterfilme seiner Jugend. Das schmale Budget sieht man an allen Ecken und Enden, dafür wird das Flügelmonster aber mit hübsch altmodischer Stop-Motion-Technik zum Leben erweckt, die jedem Nostalgiker ein Lächeln ins Gesicht zaubert, während junge Zuschauer wahrscheinlich nur den Kopf über die naiven Tricks schütteln können. Das Wort 'Charme' ist hier das Zauberwort, denn so durchschaubar die Effekte auch sind, sie sind liebevoll handgemacht, und sie hauchen dem Monster trotz (und wegen) ihrer Begrenztheit Leben und Charakter ein.

Obwohl Anfang der 80er inszeniert, verbreitet AMERICAN MONSTER durchweg ein typisches 70er-Feeling, allein schon wegen der vielen Außenaufnahmen an Originalschauplätzen im sommerlichen New York, insbesondere wegen der vielen Kleindarsteller und Komparsen, die sich in den Straßen tummeln, wenn das Monster zuschlägt und Köpfe, Beine und Atme auf sie hinabregnen. Die Panik der Massen gehört zum Monsterfilm seit eh und je dazu, und sie ist auch eine Spezialität von Cohen, der in einem seiner besten Filme, dem Okkult-Thriller "God Told Me To" (1976), zuerst einen Sniper durch die Großstadt schickte und danach eine ganze St. Patricks Day-Parade außer Kontrolle geraten ließ.

Wie üblich belässt es Cohen nicht bei einem simplen Plot, sondern verzweigt die Handlung in mehrere Nebenstränge. Deshalb muss David Carradine als ermittelnder Detective noch eine Serie von Ritualmorden aufklären, die indirekt mit dem blutrünstigen Ungetüm zu tun haben, und das Hauptaugenmerk des Films liegt eindeutig bei Michael Moriartys fabelhafter Darstellung eines dümmlichen, schmierigen Losers, der durch die Entdeckung des Monster-Verstecks die Chance sieht, sein Leben zu verändern.
Mit Moriarty hat Cohen einen Schauspieler (und Method Actor) gefunden, der perfekt zum skurrilen Ton seiner Filme passt. Jede von Moriartys schrägen Darbietungen in Cohen-Filmen ("Die Wiege des Schreckens", 1987, "The Stuff", 1985) ist sehenswert, aber die in AMERICAN MONSTER ist fraglos seine beste. Allein der katastrophale Juwelenraub, bei dem Moriarty - nachdem er mit den erbeuteten Diamanten eilig den Laden verlässt - zuerst die Autoschlüssel für den Fluchtwagen vergisst, dann vor Panik in ein Taxi rennt und dabei die Tasche mit den Juwelen im hohen Bogen durch die Straße segelt, wonach er humpelnd das nächste Versteck sucht und direkt in die Monsterbehausung gerät, ist ein echter Brüller und könnte direkt aus Slapstick-Komödien wie "Is' was, Doc?" (1972) stammen - wenn sie nicht so tragisch wäre.

Es gehört zu Moriartys Kunst, einen komplett unsympathischen, großmäuligen und intelligenzbefreiten Antihelden, den man in dieser Form niemals im Hollywood-Mainstream sehen würde, ungemein liebens- und bemitleidenswert zu gestalten, so dass man als Zuschauer stets hin- und hergerissen ist, ob man ihn in den Arm nehmen oder übers Knie legen möchte, ob man mit ihm oder über ihn lachen soll. Besonders gelungen sind seine (offensichtlich improvisierten) Szenen mit David Carradine, in denen sich beide konsequent ins Wort fallen und beleidigen. Da haben Schauspieler mal so richtig Spaß an ihrer Arbeit.

AMERICAN MONSTER ist als One-Man-Show von Moriarty bereits eine  Klasse für sich, aber er funktioniert dank einiger bizarr-blutiger Einfälle und seiner Unvorhersehbarkeit (und einer herrlich kindischen Schluss-Pointe) auch wunderbar als klassisches Monster-Spektakel. Hochspannend ist er nicht, aber unterhaltsam und abwechslungsreich. Da fallen ein paar kleinere Längen und die bei Cohen üblichen Holperer, die zumeist aufgrund der Ideenfülle entstehen (Cohen neigt dazu, viele unterschiedliche Einfälle in seine Filme einzubringen, die sich manchmal gegenseitig im Weg stehen, aber wer will schon ein Zuviel an Kreativität kritisieren?), gar nicht ins Gewicht.

AMERICAN MONSTER ist sicher nicht jedermanns Sache, aber wer die kleinen, unabhängigen und unpolierten Filme Cohens mag, die so abseits vom üblichen Hollywood-Schema liegen, wird hier bestens bedient.

09/10


Hallo, da oben! 
Das Monster mit dem unaussprechlichen Namen, oder schlicht: "Q", in "American Monster"

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