Dienstag, 14. Mai 2013

Puppet Master (1989)

PUPPET MASTER (Puppet Master) war der erste Film aus Charles Bands' 'Full Moon'-Schmiede, die der Produzent nach dem Bankrott seiner Empire Pictures gründete. Ursprünglich für die Kinoauswertung gedacht, veröffentlichte Band den Film aber auf doch lieber auf Video, wo er seiner Ansicht nach mehr Geld bringen würde. Die Rechnung ging auf, und der kleine Puppen-Horror entwickelte sich schnell zum Kult, dem noch viele weitere Teile folgen sollten. Die PUPPET MASTER-Reihe ist das wohl erfolgreichste Franchise, das Charles Band je geglückt ist, auch wenn das Original nicht gerade zu dein Meilensteinen des Horrorfilms zählt.

Inszeniert wurde PUPPET MASTER von David Schmoeller, und der hatte mit mordenden Püppchen (sowie mit Klaus Kinski) bereits Erfahrung, hat er doch den wundervollen B-Klassiker "Tourist Trap" (1979), eine meiner Lieblingsperlen, atmosphärisch und spannend in Szene gesetzt.
PUPPET MASTER beginnt auch sehr vielversprechend mit einem netten Vorspann-Design zur verspielten Musik Richard Bands, es folgen einige Einstellungen vom Hauptschauplatz des Films, einem einsamen Küstenhotel namens 'Bodega Bay Inn'. Trotz des von Hitchcock geborgten Namens fallen aber keine mörderischen Vögel über unschuldige Gäste oder Tippi Hedren her, stattdessen erschießt sich ein alter Puppenmacher (William Hickey) in seiner Suite, als ihn zwei Nazis aufsuchen, um ihm das Geheimnis seines teuflischen Handwerks zu stehlen. Ein paar Jahrzehnte später ist das Hotel stillgelegt, und vier übersinnlich begabte Menschen kommen zu einer Trauerfeier zusammen. Der Tote war ein Bekannter der vier und dem Mysterium des ewigen Lebens auf de Spur. Sein Plan ist es, aus dem Reich der Toten zurückzukehren und seine ehemaligen Freunde zu töten - mit Hilfe der lebenden Puppen, die sich mittlerweile in seinem Besitz befinden...

Das klingt zugegebenermaßen etwas konfus, und das ist es auch. PUPPET MASTER benutzt das klassische "Cat and the Canary"-Setting, in dem sich mehrere Personen zu einer Testamentseröffnung in einem von der Außenwelt abgeschnittenen Gemäuer einfinden, um dann nach und nach ermordet zu werden. Hier geht es zwar nicht um Geld, sondern um das ewige Leben (schwierig, sich da zu entscheiden), doch der Ablauf ist so ziemlich der gleiche. Den Reiz des Films, der aus heutiger Sicht einen eher preiswerten und flachen Eindruck macht, was zu seinem Direct-to-Video-Status passt, besteht in den Spezialeffekten rund um die Puppen, die originell erdacht und effektiv eingesetzt werden - auch wenn man sich bei einigen Attacken fragt, warum sich ein normal großer Mensch nicht gegen sie zur Wehr setzen kann.

Zu den Horror-Gestalten gehören u.a. ein kleiner Kobold mit Trenchcoat und Schlitzermesser, ein asiatisches Modell, das tödliche Blutegel spuckt, eine Puppe mit Bohrer auf dem Kopf, und einen Bodybuilder mit kleinem Köpchen (Pinhead, aber nicht der aus den 'Hellraiser'-Filmen), der mit seinen Pranken ordentlich zudrücken kann. Die Tricks sind schön altmodisch (viel Stop Motion), der Splatterfaktor ist relativ hoch, dazu würzt Schmoeller das Ganze noch mit einer guten Prise Sex (ein weibliches Medium empfängt vor allem erotische Signale), und auch, wenn nie wirkliche Spannung aufkommt, bleibt PUPPET MASTER auf trashige Art durchweg unterhaltsam. Einen echten Shocker oder eine Gänsehaut erlebt man bei dem Spektakel aber nicht, und abgesehen von dem blutigen Abzählreim hat der Film auch nichts zu erzählen.

Die Schauspieler sind kaum der Rede wert und müssen hinter den animierten Puppen die zweite Geige spielen, es ist aber schön, Irene Miracle wieder zu sehen, die einst in einen Keller voll Wasser (und Leichen) abtauchte (in Argentos "Inferno"). Hauptdarsteller Paul Le Mat und der restliche Cast sind dagegen eher von der Sorte uninteressant. Einen humorigen kleinen Gastauftritt hat Barbara Crampton ("Re-Animator", 1985), die zur Abwechslung mal ihre Kleider anbehalten darf, und den alten Puppenspieler vom Mexiko, äh, Bodega Bay, spielt das skurrile Faltengesicht William Hickey.

PUPPET MASTER ist sicher keine große Kunst und kommt auch nicht eine Sekunde an "Tourist Trap" heran, aber für knapp 90 Minuten anspruchsloser Horror-Unterhaltung ist gesorgt. Stuart Gordons "Dolls" (1987) gefällt mir trotzdem besser, weil er wesentlich mehr Stil und Atmosphäre hat. Als ich PUPPET MASTER seinerzeit zum ersten Mal sah, fand ich ihn überraschend gut. Heute überrascht mich eher, wie billig der Film wirkt - ganz zu schweigen von den schrecklichen 90er-Kostümen und Frisuren...

5.5/10

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