Montag, 6. Mai 2013

Murder Rock (1984)

Wie sehr Regisseure von Drehbüchern abhängig sind, zeigt uns MURDER ROCK (Murderock - Uccide a passo di danza), eine Mischung aus 'Flashdance' und Giallo (ja, ehrlich), mit einem Schuss "Suspiria".
Gedreht hat diesen mäßig spannenden und oft unfreiwillig komischen Thriller Lucio Fulci, der noch wenige Jahre zuvor für einige Meisterwerke des Genres verantwortlich war. Von dessen Talent aber ist hier weit und breit kaum etwas zu merken, und das betrifft leider alle seine Spät-Werke. Mitte der 80er befand sich das italienische Horror-Kino ohnehin im steilen Sinkflug, und MURDER ROCK ist ein trauriger Beleg dafür.

Der Plot ist schnell erzählt. In einem Jazzdance-Studio geht ein schwarzbehandschuhter Killer um (wie oft denn noch?), der die begabtesten Tänzerinnen erst chloroformiert und dann mit einer Hutnadel zu Tode piekst. Die Ermittlungen der Polizei kommen nicht voran, dafür leidet die Besitzerin des Studios (Olga Karlatos) unter Alpträumen, in denen sie vom Mörder verfolgt wird...

Wer sich noch an die geile Fernsehballett-Szene aus Umberto Lenzis "Großangriff der Zombies" (1980) erinnert, in der ein Haufen Zombies über die Hupfdohlen des örtlichen TV-Aerobic-Studios herfällt, der weiß ungefähr, auf was er sich bei MURDER ROCK einlassen muss. Nur ohne Zombies, leider. Und wer jetzt in Gedenken an Fulcis Klassiker Blutorgien erwartet, der hat falsch gedacht, denn die Morde sind bis auf ein paar diskrete Stiche in den Brustkorb der weiblichen Opfer komplett blutleer. Dafür geht das Licht immer mal wieder an und aus (die Tanzschule scheint ein ernstes Problem mit der Elektrik zu haben), und auf dem Soundtrack hört man während der Mordsequenzen die Herztöne der Opfer - mit schönen Grüßen von Dario Argento.

Apropos Soundtrack, der stammt von Keith Emerson (von Emerson, Lake & Palmer), welcher schon Argentos "Inferno" (1980) ganz wunderbar untermalt hat, hier aber nur Plastik-Pop mit einigen haarsträubenden Disco-Nummern abliefert, bei denen man nicht weiß, ob man schreiend weglaufen oder in die Auslegware beißen soll.
Überhaupt ist schon die Grundidee von MURDER ROCK grauenvoll. Wer will denn bitte 'Flashdance' mit Mord sehen? War der nicht schon Horror genug? Na, macht ja nichts, die Kamera bleibt jedenfalls immer schön auf Beckenhöhe der schwitzenden Damen und Herren, die sich in ihren heißen Aerobic-Outfits die Seele aus dem dürren Leib hoppeln. In einer Szene klaut Fulci dann mal so richtig und lässt eine Tänzerin ein Solo veranstalten, das eine 1:1-Kopie der 'Maniac'-Nummer aus "Flashdance" darstellt, inklusive fliegender Schweißperlen, Lockenköpfchen und Nahaufnahmen ekstatisch hämmernder Oberschenkel. Peinlich!

Was gibt es sonst? Unter den Darstellern findet man viele Fulci-Veteranen (sogar der unvermeidliche Al Cliver hat einen ungenannten Gastauftritt als Stimmen-Analytiker), allen voran Olga Karlatos. Die hat in Fulcis Zombie-Klassiker "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" (1979) den berühmten Holzsplitter ins Auge bekommen, und als Zuschauer wünscht man sich beim Anschauen von MURDER ROCK ein ähnlich gnädiges Schicksal. Karlatos sieht aber toll aus und spielt ihre hysterische Tanzstudio-Besitzerin ganz überzeugend, besonders, wenn sie in ihren Träumen im durchsichtigen Negligé vor dem Killer davonrennt. Genre-Schönling Ray Lovelock ("Das Leichenhaus der lebenden Toten", 1974) bleibt dagegen blass, und auch der Rest vom Cast kommt nicht übers Mittelmaß hinaus. Dazu müssen die italienischen Darsteller wieder mal so tun, als wären sie Amerikaner und tragen als solche klingende Groschenheft-Namen wie Jill, Joan, George und Bob. Die deutsche Synchronfassung macht alles noch schlimmer.

Der beste Einfall ist wohl das gleißende Licht, in das die Darsteller an den jeweiligen Tatorten getaucht werden, wenn der Polizeifotograf Aufnahmen von den Leichen macht. Das sieht nett aus und deutet zumindest an, dass hier jemand hinter der Kamera stand, der es viel, viel besser kann. So funktioniert aber MURDER ROCK weder als Krimi noch als Slasher. Es erübrigt sich zu sagen, dass die Auflösung der Mordgeschichte aus der Kategorie 'abstrus' stammt.

Den Vogel schießt übrigens die hiesige DVD (vom Label CCI) ab. Die präsentiert den Film in eigentlich guter Qualität, wenn man aber den englischen oder italienischen Originalton anwählt, darf man sich den gesamten Film über den Schriftzug "Only for Sale in Germany, Austria and Switzerland" am unteren Bildrand durchlesen. Da möchte man doch gerne selber zur Hutnadel greifen.

04/10

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