Mittwoch, 8. Mai 2013

Hollow Man (2000)

Hollow Film?

Der Regie-Exzentriker Paul Verhoeven brauchte nach seinem katastrophalen (aber wunderbar trashigen) Flop "Showgirls" (1995) und dem eher mittelmäßig erfolgreichen "Starship Troopers" (1998) unbedingt einen Hit, um an der Spitze der Nahrungskette in Hollywood zu bleiben. Da lag es nahe, einen futuristischen Action- und Horrorfilm voll atemberaubender Special Effects zu machen, so wie er es in seinen besten und kassenträchtigsten Filmen "RoboCop" (1987) und "Total Recall" (1990) geübt hatte.

Was die Effekte anbelangt, ist HOLLOW MAN (Hollow Man) in der Tat atemberaubend. Die Story allerdings ist so hohl, dass auch der hartgesottenste Fan nur mit dem Kopf schütteln kann. Obwohl sich der Regisseur mit Exzessen stark zurückhält, ist der typische Verhoeven-Touch aber dennoch spürbar, im guten wie im negativen Sinne.

Worum geht es? Eine Gruppe von Wissenschaftlern experimentiert in einem von der Außenwelt abgeschotteten, unterirdischen Labor unter der Leitung des eigensinnigen Forschers Caine (Kevin Bacon) an einer Formel, die Lebewesen unsichtbar machen soll. Diese Formel soll wie üblich militärischen Zwecken dienen, aber das kümmert unsere Wissenschaftler (natürlich) herzlich wenig. Ein Versuch mit einem Gorilla geht furchtbar in die Hose, aber dann gelingt es Caine im Selbstversuch, vor aller Augen zu verschwinden. Leider klappt die Rückverwandlung nicht, und Caine bleibt unsichtbar. Während seine Kollegen hektisch daran arbeiten, ihn wieder sichtbar zu machen, entdeckt Caine die böse Seite seines Ichs und die vielen Möglichkeiten, die ihm sein Zustand bietet...

...und da dies ein Paul Verhoeven-Film ist, bestehen diese vorrangig in Sex und Gewalt. Das Drehbuch stammt diesmal nicht von Joe Eszterhas, dessen Karriere nach "Showgirls" so gut wie erledigt war, aber es bewegt sich auf ähnlich pubertärem Niveau, was die Fantasien seines Protagonisten anbelangt. Der hat tatsächlich als Unsichtbarer nichts Besseres zu tun, als erst mal die sexy Nachbarin heimlich in ihrer Wohnung zu beobachten, um sie dann später zu vergewaltigen. Durch diesen Akt gerät er vollends außer Kontrolle, tötet einen fiesen Militär-Oberst (William Devane), bevor er sich anschickt, sämtliche seiner Kollegen ins Jenseits zu befördern.
Dieser 180 Grad-Schwenk in Kevin Bacons Charakter wird nur dadurch begründet, dass er sich schon von Anfang an wie ein Arschloch benimmt, leichte Anzeichen von Größenwahnsinn zeigt und die schöne Kollegin und Ex-Freundin Elisabeth Shue jetzt mit seinem Untergebenen Josh Brolin zusammen ist (was man verstehen kann, weil Brolin den deutlich trainierteren Körper hat, und darum geht es nun mal in Verhoeven-Filmen). Sinn ergibt das Verhalten von Bacon nie, und man fragt sich doch, ob ein studierter Wissenschaftler sich wirklich wie ein 12-jähriger, der davon träumt, allein im Süßigkeitenladen eingesperrt zu sein, verhalten muss, oder ob es nicht doch andere Betätigungsfelder gibt, auf denen er sich als Unsichtbarer austoben kann.

Verhoeven würde dazu wahrscheinlich sagen, die gäbe es, dann hätten wir aber keinen Horrorfilm mit nackten Brüsten und Metzeleien, also sei's drum. Vielleicht will uns der Film auch erzählen, dass selbst die zivilisiertesten Menschen sich wie Neandertaler verhalten, wenn man sie nur lässt. Das ist zwar eine etwas zynische Grundhaltung, doch die passt schon ins Universum des Herrn Verhoeven. Der gibt sich alle Mühe, HOLLOW MAN zumindest, was das Tempo anbelangt, auf Hochtouren zu halten. Der erste Akt zieht sich zwar ein bisschen und folgt etwas zu sehr der Storyline von Cronenbergs "Die Fliege" (der schief gegangene Testlauf, der Selbstversuch aus Eifersucht, das fatale Ergebnis), aber nachdem Kevin Bacon sich in ein blutgeiles Monster verwandelt hat, gibt es so viel Action, dass man sich über die vielen Logiklöcher keine Gedanken mehr zu machen braucht. Die Special Effects sorgen für immer neues Erstaunen, und der Film schafft es ziemlich gut, jedes erdenkliche Szenario durchzuspielen, den Unsichtbaren sichtbar zu machen, sei es durch Wasser, Feuer, Dampf, oder indem man ihn mit Blutkonserven beschmeißt.

Den sarkastischen Verhoeven erkennt man in den Details, etwa in der Art, wie Elisabeth Shue im Finale nonchalant durch eine Blutlache schlittert, anstatt drum herum zu laufen. Überhaupt muss die Ärmste einiges einstecken und den Schlusskampf gegen Bacon alleine über die Bühne bringen, was ihr fabelhaft gelingt. Nachdem sie zuvor stets als nette Blondine in romantischen Drecks-Komödien wie "Cocktail" (1988) verschwendet wurde und mit "Leaving Las Vegas" (1995) endlich auch als Schauspielerin Anerkennung fand, ist es schön, sie in solch einem Kracher zu sehen, der kaum Talent, aber viel Körpereinsatz verlangt. Dazu sind sie und Josh Brolin ein heißes Paar, und im Gegensatz zu Sharon Stone in "Basic Instinct" (1991) darf Shue ihren Schlüpfer anbehalten. Der Film schenkt ihr sogar einen absurden 'MacGyver'-Moment, in dem sie mit ein paar Utensilien schnell mal eine Bombe baut, um aus einem verschlossenen Kühlraum zu entkommen. Tolles Mädel!

Dass man sämtlichen Darstellern keine Sekunde die Wissenschaftler abnimmt, macht nichts, das gehört zum B-Film dazu, und HOLLOW MAN ist exakt das - ein B-Film, der dank protziger Production Values und Effekte, sowie dank freundlicher Unterstützung von Jerry Goldsmiths Brachial-Score so tut, als sei er großes Kino. Mehr als nette Unterhaltung, bei der man lieber sein Gehirn an der Kasse abgeben sollte, bevor man sich setzt, ist nicht dabei herausgekommen, aber man kann sich auch schlechter amüsieren. Mit dem großen Klassiker "The Invisible Man" (1933) hat das alles selbstverständlich gar nichts mehr zu tun.

07/10

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