Donnerstag, 9. Mai 2013

Das Kabinett des Professor Bondi (1953)

Der Gruselklassiker DAS KABINETT DES PROFESSOR BONDI (House of Wax) hat Vincent Price als feste Größe im Horrorkino etabliert und war der erste Farbfilm, der in 3-D und Stereo in die Kinos kam. Er ist außerdem einer der besten Horrorfilmen der 50er - wenn nicht gar der beste. Er ist außerdem der Beweis dafür, dass Remakes nicht grundsätzlich etwas Schlechtes sind.

Der Film spielt um 1910. Price spielt den Bildhauer Henry Jarrod ('Professor Bondi' in der deutschen Synchronfassung, die aus der Heldin 'Sue' eine 'Susi' macht!), dessen Wachsfigurenkabinett in Flammen aufgeht, weil sein Geschäftspartner die Versicherung betrügen will. Jarrod verschwindet in den Flammen. Kurz darauf wird der gedgierige Brandstifter von einem deformierten Monster im schwarzen Umhang ermordet, und seine Leiche taucht Jahre später im neu eröffnetem Wachsfigurenmuseum des inzwischen wieder genesenen Jarrod auf. Doch auch andere Wachsfiguren kommen der Polizei merkwürdig bekannt vor...

DAS KABINETT DES PROFESSOR BONDI ist eine Remake des legendären Horror-Klassikers "Mystery of the Wax Museum" (1933) von Michael Curtiz, welcher lange als verschollen galt, heute aber restauriert als Extra auf der 'Bondi'-DVD zu bewundern ist (womit die DVD zum Pflichtkauf für Horrorfans wird). Die Neuverfilmung folgt der Story des Originals sehr dicht, verzichtet aber auf den Comic Relief und lässt die weibliche Protagonistin (Phyllis Kirk) selbst zur Zielscheibe des wahnsinnigen Wachsfigurenkünstlers werden. Im Original hatte der von Lionel Atwill gespielte Bildhauer es noch auf deren beste Freundin (Fay Wray) abgesehen.

Inszeniert wurde das Remake von André de Toth, der ironischerweise auf einem Auge blind war und den 3-D-Effekt überhaupt nicht wahrnehmen konnte. Dennoch hat er einen furiosen Thriller gedreht, der keinerlei Längen aufweist und mit sehr guten und aufwändig produzierten Spezialeffekten aufwarten kann. Er ist außerdem wundervoll ausgestattet und geleuchtet. Das barocke Design erinnert nicht zufällig an spätere Werke von Bava und Argento. Die Sequenz, in der unsere schöne Heldin vom vermummten Mörder durch die nebligen Gassen gejagt wird, findet sich deckungsgleich in Bavas "Lisa und der Teufel" und "Baron Blood" (1972) wieder, während das unheimliche Schaufenster, an dem sie mehrfach vorbeikommt, fast exakt dem des Antiquitätenhändlers Kazanian in Argentos "Inferno" (1980) entspricht.

Die 3-D-Effekte beschränken sich auf zumeist amüsante Gimmicks, wenn Ping-Pong-Bälle oder Stühle in die Kamera geworfen werden oder zartbesaitete Damen beim Anblick der Wachsfiguren in Ohnmacht, bzw. dem Zuschauer direkt in den Schoß fallen. Vincent Price spielt seinen verrückten Professor mit typischer Hingabe und hinterlässt einen so bleibenden Eindruck, dass er bald darauf mit den Poe-Verfilmungen Roger Cormans zur Horror-Ikone wurde. Der Moment, in dem unsere Protagonistin auf Price einprügelt und dabei dessen Wachsmaske zerschlägt, unter der sein entstelltes Gesicht zum Vorschein kommt, ist eine deutliche Anspielung auf einen weiteren  Klassiker des Horrorkinos, "Das Phantom der Oper" (1929), und Price tritt damit das Erbe des großen Lon Chaney an. Die große Kunst von Price besteht darin, jede auch noch so absurde Figur ernst zu nehmen und ihr einen guten Schuss Melodramatik zu verleihen. Man glaubt ihm, dass er als Künstler von der Schönheit seiner Kreationen besessen ist, und man glaubt ihm die Trauer und Verzweiflung, wenn er zusehen muss, wie diese in Flammen aufgehen.

Unter den Nebendarstellern findet sich übrigens der junge Charles Bronson (ja, wirklich), der als taubstummer Handlanger des Professors nur grunzen und die Muskeln spielen lassen darf. Ein Schelm, wer jetzt denkt, dass er in seinen späteren Star-Rollen auch nicht viel mehr gezeigt hat.
Zu den frühen Opfern des Monsters gehört die ununterbrochen kichernde Carolyn Jones (die spätere 'Morticia Addams' in der "Addams Family") mit der schmalsten Wespentaille des Universums.

Der Plot von PROFESSOR BONDI schnurrt nur so vor sich hin, allerdings lösen sich die Konflikte gegen Ende sehr schnell auf (ähnlich wie im Original). Dafür greift die Polizei zu einer etwas bizarren Methode und lässt den alkoholkranken Angestellten Professor Bondis so lange nach einer vollen Whiskyflasche geifern, bis er alles zugibt. Während die Polizei ins Wachsfigurenkabinett saust, genehmigt er sich dann erst mal einen großen Schluck, ohne dass ihn jemand irgendwie belangen, verhaften oder einsperren würde. Hm... diese Art der Folter wäre heute wohl nicht mehr politisch korrekt.

Es erübrigt sich zu sagen, dass DAS KABINETT DES PROFESSOR BONDI um Lichtjahre besser ist (auch aus heutiger Sicht) als das erneute Remake von 2005, dessen Macher nicht ahnen konnten, wie schnell 3-D plötzlich wieder in Mode kommen sollte und den Film lediglich im 2-D-Verfahren drehten - was für eine verpasste Gelegenheit! Noch schöner aber ist die Nachricht, dass im 50er-Original von Paris Hilton weit und breit nichts zu sehen ist.

09/10

Kommentare:

  1. Klassiker! Endgeil.
    Wobei ich Morticia Adams bisher nicht entdeckt hatte in dem Film. Also hey, dann muss ich den mal wieder gucken.

    AntwortenLöschen
  2. Das ist die Blondine, die als Wachs-Johanna auf dem Scheiterhaufen landet. :-) Toller Film!

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...