Mittwoch, 29. Mai 2013

Das Haus des Satans (1978)

Die junge Innenarchitektin Maggie (Katharine Ross) reist mit ihrem Freund Pete (Sam Elliott) aus den USA nach England, um dort einen gutbezahlten Auftrag auszuführen. Dort landen beide auf dem Landsitz Ravenhurst, wo sich gerade die Mitglieder einer Sippschaft versammeln und auf das Erbe des Schlossbesitzers hoffen, der im oberen Stockwerk in einem Krankenzimmer dahinsiecht, obwohl er kurz zuvor noch unseren Helden gesund und munter auf der Landstraße erschienen ist (was übrigens nie erklärt wird). Kurz darauf fällt ein Verwandter nach dem anderen einem bizarren Unglück zum Opfer, und Maggie scheint als einzige auserwählt, das Erbe anzutreten...

DAS HAUS DES SATANS (The Legacy) ist ein kleiner, solider, britischer Spukhaus-Thriller, der sich kräftig bei Vorbildern aus aller Welt bedient, namentlich "Das Omen" (1976) und "Suspiria" (1977). Von Erstgenanntem übernimmt er die kreativen Morde, die auch der einzige Grund sind, sich diesen Grusler anzuschauen, der ansonsten eher stil- und profillos von Richard Marquand inszeniert wurde. Gestorben wird durch Flammenstöße, die aus dem Kamin hervorlechzen, zerberstende Spiegel, deren Glassplitter sich in die Haut bohren, sowie durch Hühnchenknochen, die im Hals steckenbleiben und unschöne Luftröhrenschnitte unumgänglich machen. In der besten Sequenz wird eine attraktive Erbin im hauseigenen Swimming Pool erledigt, als sich plötzlich eine unsichtbare Wand über das Wasser schiebt und die Schwimmerin nicht mehr an die Wasseroberfläche kommen kann.

Aus "Suspiria" stammen die Okkultismus-Bezüge sowie die Gestalt des merkwürdigen Schlossherren (und Hexenmeisters), dessen Geist die Todesfälle in Gang setzt, und der unserer schönen Heldin mit seinen Klauenhänden einen alten Ring auf den Finger schiebt, der sie als legitime Erbin brandmarkt. Daneben gibt es noch eine Krankenschwester, die sich in ein weißes Kätzchen verwandeln kann, sowie eine recht originelle Sequenz, in der Ross und Elliottt versuchen, per Pferd und Auto das Anwesen zu verlassen, sämtliche Fluchtwege aber immer wieder zum Schloss führen.

Das klingt alles irgendwie unterhaltsam, aber das Tempo ist leider zu schleppend, die Charaktere zu uninteressant, und auch schauspielerisch mag niemand begeistern. Die hübsche Katharine Ross, die uns noch aus "Die Frauen von Stepford" (1975) in guter Erinnerung ist, muss lediglich ängstlich dreinschauen, ihr Partner Elliott darf immerhin in einer Duschszene (bei der, nein, kein Blut, sondern nur ganz, ganz heißes Waser aus der Brause kommt - shocking!) seinen nackten Hintern präsentieren. Popstar Roger Daltrey dürfte wohl das prominenteste Ensemblemitglied sein, verendet aber frühzeitig bei o.g. Hühnchen-Menü am Esstisch. Ex-Bond-Bösewicht Charles Gray ("Diamantenfieber", 1971) spielt einen deutschen Waffenhändler namens Karl Liebknecht (ohne Worte).

DAS HAUS DES SATANS lief mal vor Urzeiten im TV, ist ansonsten aber bei uns weder auf DVD noch VHS erhältlich. Auf YouTube kann man sich (momentan noch) den gesamten Film ansehen. Man kann es aber auch lassen.
Regisseur Richard Marquand inszenierte übrigens kurz darauf seinen größten Hit "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" (1983) sowie den fabelhaften Thriller "Das Messer" (1985), bevor er 1987 überraschend im zarten Alter von nur 49 Jahren an einem Schlaganfall verstarb - was uns allen vor Augen führen sollte, wie kurz das Leben ist, und dass man seine Zeit lieber nicht mit mittelprächtigen Horrorfilmen wie diesem verplempern sollte, wenn es doch richtig gute gibt. 

05/10

Kommentare:

  1. Lieber Karl Liebknecht,
    ich bin überrascht, dass du in Horrorfilmen mitgespielt hast. Hätte ich nicht für möglich gehalten! Na ja, man lernt eben nie aus. Ein bisschen sauer bin ich schon darüber. Wo ich doch die weiße Katze spielen wollte...
    deine Rosa Luxemburg

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...