Dienstag, 21. Mai 2013

Bloody Marie - Eine Frau mit Biss (1992)

Für BLOODY MARIE (Innocent Blood) griff Regisseur John Landis auf das Rezept eines seiner größten Erfolgsfilme zurück, die Mischung aus Horror und Komödie, die seinen "American Werewolf" (1981) zu einem Hit und modernen Klassiker gemacht hatte. Statt haariger Monster gibt es hier nun eine sexy Vampirin, doch die Mixtur aus verschiedenen Genre-Elementen will nicht so recht zünden.

Worum geht es? Marie (Anne Parillaud) ist eine moderne Vampirin in Pittsburgh (was wollen Vampire ausgerechnet in Pittsburgh?), die - wie ihre Vorfahren - Blut zum Überleben braucht und deswegen töten muss, doch hat sie ein weiches Herz und nimmt sich nur Menschen vor, die den Tod auch irgendwie verdient haben. Als sie den Mafia-Boss Macelli (Robert Loggia) erledigen will, wird sie allerdings gestört, so dass dieser nun selbst zum Untoten mutiert. Als solcher kann er seinen Laden erst so richtig böse führen. Marie muss mit Hilfe des sensiblen Cops Gennaro (Anthony LaPaglia) die Dinge wieder gerade rücken...

Der deutsche Untertitel "Eine Frau mit Biss" ist zwar nett gemeint, bringt aber das Hauptproblem des Films bereits auf den Punkt, denn der hat nämlich keinen. Die unterschiedlichen Elemente aus Mafiafilm, Splatterkomödie und düsterer Liebesgeschichte (zwischen Cop und Vampirin) stehen sich eher gegenseitig im Weg, als dass sie eine schmackhafte Verbindung eingehen. Natürlich gibt es den einen oder anderen guten Lacher oder spannenden Moment, doch insgesamt lässt BLOODY MARIE ziemlich kalt.

Das ist besonders schade, weil die Besetzung mit Anne Parillaud, die sich als "Nikita" durchs französische Kultkino ballerte, ein Glücksgriff ist. Im Gegensatz zu den heutigen Kino-Vampir-Girlies ist sie eine reife, sinnliche und auch melancholische Blutsaugerin (als einsames Wesen in einem fremden Land finden sich mehrere Parallelen zur "Dracula"-Figur) mit genau der exotischen Ausstrahlung, die eine solche Rolle braucht. Leider aber haben sie und ihr Partner LaPaglia keinen Funken Chemie, da helfen auch keine offenherzigen Bettszenen mit kinky Handschellen-Sex (die eher die pubertäre Seite von John Landis zeigen). Auch die Cameo-Auftritte von Genre-Kultfiguren wie Sam Raimi, Dario Argento (als Rettungssanitäter) und Tom Savini sind lediglich nette Gags, die für ein paar kurze Schmunzler sorgen, den Film aber auch nicht besser machen.

Sehenswert ist (wie immer) Robert Loggia als Mafiaboss, der erst einmal begreifen muss, was mit ihm geschehen ist, dann aber Spaß an seinem Untoten-Dasein entwickelt, bevor er spektakulär abdankt. Die Spezialeffekte sind dabei absolut erste Sahne, und es wird stellenweise ordentlich gesplattert. Die atmosphärische Kameraführung kann man ebenfalls loben. Ähnlich wie in "American Werewolf", wo Landis jeden bekannten Song, in dem das Wort "Moon" vorkam, für den Soundtrack nutzte, um eine ironische Brechung zu erzielen, baut er hier Klassiker wie "I Got You Under My Skin" oder "That Old Black Magic" ein, doch der Effekt ist einfach nicht derselbe. Alles in allem ist die Handlung schlicht zu uninteressant, und da, wo "Werewolf" noch gut beobachtete Unterschiede zwischen Engländern und Amerikanern auf die Schippe nahm, hat BLOODY MARIE an dieser Stelle nichts zu bieten. Die Mafia-Strukturen in Pittsburgh sind nicht mal halb so aufregend.

BLOODY MARIE ist ein gut gemeinter Versuch, frisches Blut ins Horror-Kino der frühen 90er zu bringen. Leider kann John Landis aber seine Stärken niemals zeigen (abgesehen von einigen schmissigen Autostunts, die im Film gar nichts zu suchen haben). BLOODY MARIE ist leidlich unterhaltsam, aber ebenso unausgewogen wie unausgegoren. Schade.

06/10

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