Montag, 13. Mai 2013

Amityville 2 - Der Besessene (1982)

AMITYVILLE 2 - DER BESESSENE (Amityville II: The Possession) erzählt die Vorgeschichte des Horror-Hits "The Amityville Horror" (1979). Zumindest behauptet das der Film, obwohl er als Prequel voller Logiklöcher und Continuity-Fehler steckt. Es ist also grundsätzlich besser, ihn als eigenständigen Beitrag der Reihe zu sehen, ohne nach Verknüpfungspunkten zu suchen. Andererseits, muss man ihn überhaupt sehen? Eher nicht.

Ein Jahr vor den Ereignissen im Original (was streng genommen 1978 wäre, der Film spielt aber eindeutig in den 80ern) zieht die Familie Montelli (die laut Original anders hieß) in das berühmte Gruselhaus mit den Glotzaugen-Fenstern ein. Schon kurz nach ihrer Ankunft passieren seltsame Dinge. Möbel fliegen durch die Gegend, es klopft nachts an der Tür, ein Kreuz verhüllt sich von selbst, der Teenager-Sohn Sonny (Jack Magner) wird von einem Dämon besessen und fällt über seine Schwester (Diane Franklin) her, der prügelnde Vater (Burt Young) und seine hysterische, streng katholische Frau (Rutanya Alda) schreien sich nur noch an, bis schließlich Sonny-Boy zum Gewehr greift...

Das stinknormale Leben einer amerikanischen Familie also wird hier porträtiert, und für etwa 20 Minuten ist AMITYVILLE 2 ein ganz guter Horrorfilm. Nach dem atmosphärischen Vorspann (die Musik stammt erneut von Lalo Schifrin und nutzt das bekannte 'Amityville-Thema' optimal) hält sich Regissseur Damiano Damiani nicht lange auf und lässt das Grauen ohne Wartezeit auf die Familie los, so dass bereits das erste gemeinsame Abendessen im totalen Chaos und Gezanke endet. Bis hierhin sind auch die Darstellerleistungen noch ok, immerhin hat man mit Burt Young und Rutanya Alda zwei Method Actor an Bord, einer davon war sogar mal für einen Oscar nominiert (nicht, dass ich Oscar-Nominierungen irgendeinen Wert beimessen würde, immerhin hat sogar Sandra Bullock einen).

Dann aber folgt eine Szene, die dem Film den frühen Todesstoß versetzt, und zwar die mit den schwebenden Pinseln, die im Kinderzimmer ganz böse Dinge an die Wand malen, woraufhin Papa sofort den Gürtel aus der Hose zieht, die Kleinkinder vermöbelt und (ein Aufwasch) gleich noch die kreischende Gattin schlägt, bevor er vom Sohnemann den Gewehrlauf an den Hals gesetzt bekommt. An dieser Stelle hat mich der Film leider komplett verloren. Nicht nur sind die Animations-Effekte um die fliegenden Pinsel des Grauens schrecklich albern, auch die Schauspieler springen unvermittelt in einen dermaßen unerträglichen Overacting-Modus, dass einem die Spucke wegbleibt. Ob Kindesmisshandlungen und häusliche Gewalt  Themen für einen billigen Unterhaltungsfilm wie diesen sind, sei mal dahingestellt, aber das weitere Schicksal der Familie (besonders des kotzbrockigen Vaters und seiner durchgeknallten Ollen) ist einem nach diesem Ausraster leider vollkommen wurscht.
"Was geschieht nur mit uns?" fragt Rutanya Alda mit rollenden Augen. "Ihr befindet euch in einem ganz miesen Film, das geschieht mit euch!" möchte man erwidern. Alda erhielt übrigens eine verdiente Nominierung für die Goldene Himbeere für ihre grauenvolle Leistung.

Wer das ganze Geschrei bis hierhin ausgehalten hat, wird nun mit Inzest belohnt, der zwischen den pubertierenden Kindern stattfindet. Warum auch nicht, als Zuschauer ist man eh schon abgetörnt, da stört das unangenehme Gefummel auch nicht mehr weiter. Der örtliche Priester (James Olson) ist selbstverständlich entsetzt über die Vorgänge, weil seine Weihkugel plötzlich Blut spritzt und seine Bibel zerfetzt im Auto liegt. Schnell ahnt er, dass der Sohn des Hauses von einem Dämon besessen ist, der ausgetrieben werden muss. Jetzt verlässt AMITYVILLE 2 endgültig das Spukhaus-Genre, klaut alles, was ihm aus "Der Exorzist", "Das Omen", "Carrie", "Shinng" und "Poltergeist" in die Klauen kommt und rutscht in totalen Trash ab.

Die Ermordung der Familie durch den Sohn (die wir aus dem Vorgänger bereits kennen, weswegen der Film auch sp gut wie spannungslos ist) ist noch ganz anständig inszeniert, danach aber wird es so richtig bescheuert, wenn der Anwalt des Killer-Sohnes allen Ernstes vor Gericht auf unschuldig plädiert, weil sein Mandant 'von einem Dämon besessen ist'. Es folgt eine Teufelsaustreibungs-Sequenz, in welcher der 'Besessene' Jack Magner (der ansonsten die beste schauspielerische Leistung des Films zeigt) dank bizarrer Maskeneffekte plötzlich wie Malcolm McDowell (plus gelber Augen) aussieht, bis dann der gute Priester den Dämon anfleht, er möge doch in seinen Körper fahren und den Jungen in Ruhe lassen. Das kennen wir doch von irgendwoher, oder?

Trotz der billigen Machart und der völlig vermurksten Geschichte spielte AMITYVILLE 2 dank des erfolgreichen Vorgängers sehr viel Geld ein, was uns bis heute zahllose weitere, immer schlechtere Sequels sowie ein Remake des Originals bescherte. Da hilft kein Beten und kein Exorzismus - die "Amityville"-Reihe ist unsterblich und wird uns alle überleben, das steht schon mal fest.

04/10

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