Dienstag, 23. April 2013

The Faculty (1996)

An der Herrington Highschool benehmen sich die Lehrer plötzlich noch merkwürdiger als sonst. Sie trinken Unmengen von Wasser, sehen attraktiver aus, zeigen keinerlei Emotionen mehr und machen Jagd auf die Schüler. Könnte es sein, dass Aliens von ihnen Besitz ergriffen haben? Ein paar misstrauische Außenseiter kommen der Invasion der Außerirdischen auf die Spur und müssen bald um ihr Leben rennen...

Die Geschichte um Körper-Invasoren aus dem All, die seelenlose Doppelgänger unserer Liebsten produzieren, um die Erde zu übernehmen, wurde bekanntermaßen bereits mehrfach verfilmt, weil sie zahlreiche Möglichkeiten zur Interpretation bietet und mit universellen Urängsten spielt. Don Siegel benutzte sie als Metapher für Kommunisten-Paranoia ("Die Dämonischen", 1956), in Philip Kaufmans Remake ging es um Entfremdung und Anonymität in der Großstadt ("Die Körperfresser kommen", 1978), Abel Ferrara erzählte von Uniformität beim Militär ("Body Snatchers", 1993), und "Invasion" (2007) - die zweifellos schwächste Adaption - handelte von Nicole Kidmans viel zu engem Pullover. Kein Wunder also, dass auch im Zuge der Teenie-Horror-Welle Ende der Stoff noch einmal aufgewärmt wurde, diesmal von Robert Rodriguez, der eine unterhaltsame und ironische Mischung aus Horror und Science Fiction schuf, die allerdings unter ihren Möglichkeiten bleibt.

Das Drehbuch zu THE FACULTY (The Faculty) stammt von Kevin Williamson (der von Miramax hastig eingeflogen wurde, um das ursprüngliche Buch zweier Autoren auf 'cool und hip' zu trimmen), der das Genre des Teenie-Slashers kurz zuvor mit "Scream" (1996) auffrischte und zu den heißesten Nummern im Hollywood der späten 90er zählte. Er konnte praktisch schreiben, was er wollte, es wurde ihm nur so aus den Händen gerissen. Sein augenzwinkerndes, selbstreflexives Spiel mit Traditionen und Klischees des Horrorfilms war die große Mode und findet sich heute noch in Genre-Beiträgen. Sein FACULTY-Drehbuch greift die klassischen Verfilmungen von Siegel und Kaufman wieder auf, verlegt sie aber an den Ort der größten Teenage Angst, die amerikanische Highschool, in der man sich ohnehin schnell als Außenseiter fühlt, wenn man nicht perfekt ist.

THE FACULTY zeichnet mit seinen Protagonisten einen Mikrokosmos sozialer Randfiguren - den Nerd (Elijah Wood), den Kleinkriminellen Sohn reicher Eltern (Josh Hartnett), die Introvertierte, die von allen als 'Lesbe' beschimpft wird (Clea Duvall), oder die 'Neue' (Laura Harris), die keinen Anschluss findet (und ein böses Geheimnis mit sich herumträgt...). Dass ausgerechnet diese Außenseiter, die sowohl von der Mehrheit abgelehnt werden als auch sich gegenseitig nicht leiden können, gemeinsam mit zwei Vertretern der 'perfekten' Front (Shwan Hatosy als Football-Ass und Jordana Brewster als Schulkönigin) gegen die Aliens antreten müssen, ist eine nette Idee, die vom Film gut umgesetzt wird, auch wenn sich die Charakterisierungen aufs Nötigste beschränken und gelegentlich klischierter sind als die Klischees, die das Drehbuch eigentlich aufs Korn nehmen möchte.
Selbstverständlich macht sich Williamson die Sache auch sehr einfach, indem er als Feindbild schlicht die Lehrer (bzw. die Aliens) erklärt, womit er die Sympathien des Publikums auf seiner Seite hat. Leider verliert er oft die Übersicht über seine zahlreichen Charaktere, so dass manche Figuren, die prominent eingeführt werden, erst nach längerer Zeit wieder auftauchen, während andere ganz verschwinden oder schlicht vergessen werden.

Sehenswert ist THE FACULTY vor allem wegen der Besetzung, und damit sind weniger die Jungstars gemeint (die allesamt gute Vorstellungen zeigen) als die Lehrerschaft, die gleich aus mehreren Kultfiguren besteht. Da hätten wir den bösen Terminator Robert Patrick (aus "Terminator 2", 1992) als Sportlehrer und Schülerschinder, Piper Laurie ("Carries" Mutter), Bebe Neuwirth ("Frasier) als kaltherzige Rektorin und natürlich meinen besonderen Liebling Famke Janssen als mausgraue, verschüchterte Literaturdozentin, die nach ihrer 'Übernahme' durch die Aliens zur (wer hätte das gedacht?) sexy Femme Fatale mutiert. Warum allerdings Rodriguez-Stammschauspielerin Salma Hayek, die eine dauerverschnupfte Schulkrankenschwester spielt, nach ihrer Verwandlung genau so unattraktiv zurecht gemacht ist wie zuvor, erklärt sich überhaupt nicht. Schade eigentlich, aber sie verschwindet in der zweiten Hälfte ohnehin spurlos, weil sie vermutlich nur wenige Drehtage zur Verfügung stand.

Regisseur Robert Rodriguez drückt stark aufs Tempo, damit der Zuschauer die vielen Logiklöcher nicht bemerkt, und statt eines durchgehenden Spannungsbogens bietet THE FACULTY eher episodenhafte Einzelteile, die aber für sich so gut sind, dass man über die dramaturgischen Schwächen hinwegsehen kann. Die Spezialeffekte können ebenfalls überzeugen - außer im Finale, wenn das große CGI-Monster zuschlägt und der Film unerwartet in den Trash-Bereich rutscht. Der Gore-Gehalt ist allenfalls minimal. Hier und da holpert die Inszenierung, und der Film erweckt insgesamt den Eindruck, dass er eilig produziert und im Nachhinein ordentlich dran herumgeschnippelt wurde.

Was den Spaßfaktor betrifft, ist THE FACULTY weniger witzig als man erwarten würde und beschränkt sich eher auf Insider-Gags. Der beste Einfall ist vielleicht das von unserem jungen Dealer Hartnett verteilte 'Gegenmittel' gegen die Aliens - eine synthetische Droge, die sich die Teenager durch die Nase ziehen müssen. Sehr politisch unkorrekt. Auf jeden Fall ist es schön, einen Teenager-Horror ohne maskierten Slasher zu sehen, der stumpfsinnige Gören abmurkst. Auch wenn Rodriguez hier nicht mehr als hübsches Fast Food-Kino gelungen ist - THE FACULTY beweist immerhin, dass man durchaus auch klassischere Gruselstoffe für ein junges Zielpublikum aufbereiten kann und gute Ideen nie altern. 

07/10

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