Samstag, 6. April 2013

Scream 3 (2000)

Und da sind wir wieder im Schlitzerland von Wes Craven, zum erneuten Aufguss, oder besser gesagt, zum dritten Teil seiner "Scream"-Trilogie. Wobei ich mich immer frage, ob sich Trilogien nicht eigentlich dadurch auszeichnen, dass sie eine durchgehende Geschichte in drei Abschnitten erzählen, während doch die "Scream"-Reihe aus mehreren Filmen besteht, die alle jedes Mal das gleiche erzählen. Man sollte nicht so lange darüber nachdenken. SCREAM 3 (Scream 3) beweist auf jeden Fall, dass man immer aufhören sollte, wenn es am schönsten ist, und nicht, wenn die Luft bereits komplett raus ist.

Worum geht es? Sidney Prescott (Neve Campbell), die durch maskierte Killer bereits mehr Freunde und Bekannte verloren hat als sie zählen kann, lebt nun abgeschieden von der Außenwelt und arbeitet als Telefonseelsorgerin für Frauen in Not, dabei ist sie die größte Heulsuse von allen. Unterdessen wird ohne ihre Mithilfe am neuen "Stab"-Sequel gearbeitet, und erneut schmeißt sich jemand ins bekannte Gruselkostüm und massakriert die Beteiligten...

Sagen wir, wie es ist. SCREAM 3 ist (weitgehend) witzlos, spannungsfrei und mittlerweile so alter Kaffee, dass er weder für Gelächter noch für Gänsehaut, sondern nur noch für gähnende Langeweile sorgt. Nicht einmal die ironische Brechung der Slasherfilm-Regeln findet noch statt, weil dritte Teile schlicht und ergreifend keinen Regeln unterworfen sind. Das sagt uns auch der Film selbst, in Form des wieder aus dem Totenreich ins Rampenlicht gezerrten Randy (Jamie Kennedy), der mittels Video-Rückblende noch einmal mitspielen darf, obwohl er doch in "Scream 2" (1997) dahingemetzelt wurde. Das zeigt schon den Grad der Verzweiflung, die hier am Werk ist. In Teil 3 kann seiner Meinung nach also ALLES passieren. Leider passiert aber außer den bekannten Szenarien herzlich wenig in SCREAM 3, und Wes Craven (der es wirklich besser wissen müsste) hat nicht einmal die Chuzpe, eine seiner Hauptfiguren umbringen zu lassen, um so ein bisschen Anarchie ins vorgestanzte Schema zu bringen, obwohl doch angeblich ALLES passieren kann. Von wegen!

Lediglich zwei Einfälle sind es wert, erwähnt zu werden. Der erste ist die von Parker Posey herrlich schräg gespielte Jungschauspielerin, die im Method-Acting-Wahn ständig hinter Journalistin Gale Weathers (Courteney Cox) herläuft und deren Mimik, Gestik und Aussprache imitiert, was dieser mächtig auf die Nerven geht. Das hat eine skurrile Qualität, die man im restlichen Film vermisst.
Der zweite Einfall betrifft die Szene, in der Neve Campbell im Filmstudio vom Killer durch eine Nachbildung ihres Hauses gejagt wird, wo sich hinter scheinbar vertrauten Türen plötzlich dunkle Abgründe auftun, weil das Set nur Kulisse ist. Diese Doppelbödigkeit sucht man ansonsten vergebens. Die Charaktere sind mittlerweile komplett uninteressant, und die Darsteller liefern uninspirierte Vorstellungen ab. Kein Wunder, wenn man immer das gleiche spielen muss.
An Courteney Cox' Stelle hätte ich übrigens die Verantwortlichen der Frisur- und Maskenabteilung entweder feuern lassen oder eigenhändig erschossen, denn sie muss den Film mit einer schreiend hässlichen Perücke (die Art Faschings-Cleopatra vom Grabbeltisch) und grusligem Makeup absolvieren. Die Haare rangieren auf einer Stufe mit Franka Potentes als Singvogel-Nest getarntem Kopfschmuck in "Anatomie" (2000) und Joan Crawfords "Ich mach' mal auf jugendlich, obwohl ich hundert bin"-Look in "Die Zwangsjacke" (1964).

Gibt es noch was zu sagen? Nö, außer, dass der Täter einer ist, den man - oh Wunder! - nie verdächtigt hätte, und den ich zwölf Minuten nach dem Abspann wieder vergessen habe. Es hätte auch der Gärtner sein können. Seine Motivation für die Morde ist so sehr an den Haaren (leider nicht denen von Cox) herbeigezogen, dass man nicht mehr weiß, ob hier Cravens Ironie Purzelbäume schlägt oder der Regisseur gerade seine eigene Bankrotterklärung unterschreibt. Sagen wir einfach, die Auflösung in "Eine Leiche zum Dessert" (1976) ist glaubwürdiger.

Bleibt noch eine (nicht sonderlich) brennende Frage: Wenn ein Filmemacher weiß, wie blöd Slasherfilme sind und dem Zuschauer unentwegt signalisiert, dass er das weiß, so dass er und die Zuschauer immer mal wieder drüber lachen können - ist sein Film dann letzten Endes nicht trotzdem nur ein blöder Slasherfilm? Bei SCREAM 3 ist die Antwort eindeutig: Ja.
Da schaue ich mir doch lieber einen "Hell Night" (1981) oder "Terror Train" (1980) an. Die klopfen sich wenigstens nicht ständig selbst auf die Schulter und halten sich für wahnsinnig sophisticated, sondern wollen lediglich gut unterhalten - was SCREAM 3 überhaupt nicht hinbekommt.

03/10

Kommentare:

  1. Williamson war gar nicht mehr Autor von Teil 3. Das sollte er nur ursprünglich sein, und dessen Vision war es die Geschichte weiter im College anzusetzen. Ob das besser geworden wäre bleibt jedoch anzuzweifeln. *g
    Dass "Scream 3" lediglich ein weiterer Teil und inhaltlich keine Trilogie ist, wie Craven so gerne hätte, halte ich im übrigen für das Hauptelement, warum "Scream 3" nicht funktionieren kann. In den Punkten finaler Täter und Cox' Frisur kann ich Dir nur zustimmen! Allerdings geben die Figuren meiner Meinung nach noch genug Sympathie her, um den Streifen wenigstens routiniert gucken zu können. Aber wen schon Neve Campbells Art seit Teil 1 nicht überzeugt, sieht das sicher anders. Ich hoffe Du hattest wenigstens Spaß mit Teil 4, der war nämlich wieder sehr originell! Kann ich nur empfehlen! :)

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  2. Äh, leider nein, siehe meine Rezension dazu, die schon ein bisschen älter ist. :-) Aber danke für den Hinweis auf Williamson (der nicht der Autor von Scream 3 ist), ich habe den Text korrigiert.

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  3. Hallo Mathias, ich war schon gespannt wie du Teil 3 bewertest und (glücklicherweise) hast du es genauso getan, wie ich es empfinde. Der Film ist wirklich so was von unnötig, genau wie der 4te Teil. Mach weiter so, bin großer Fan deines Blogs! Ich habe auch vor wieder Filmkritiken zu schreiben, aber irgendwie kann ich mich noch nicht so gaaaaanz dazu aufraffen, das kommt aber noch (hoffe ich). LG, Martin

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  4. Hallo Martin, danke fürs nette Feedback, das höre ich doch gern! LG, Mathias

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